Beobachtungsabend

Ebenwaldhoehe, 10. 01. 2002

20020110gba19.html

Beobachter:Gerhard Bachmayer
 
e-Mail:bgb@aon.at
 
Datum:10. 01. 2002
 
Zeit:19.45 bis 11.45 MEZ
 
Ort:Ebenwaldhoehe
 
Instrument:Mag1Instruments Portaball 12.5"
 
Bedingungen:

Durchsicht:1 Freis. vis. Grenzgröße:6.5
Aufhellung:1 Seeing:2
Wind:kein aus keine Angabe  
Temperatur:-4 °C Luftfeuchtigkeit:
Sonstige Bemerkungen:Anfangs beeintraechtigten noch einige Wolken die Durchsicht, auch gab es eine starke Aufhellung im SO( Nachtskipiste aum Stuhleck?). Nach 22h waren die Bedingungen perfekt: dunkler Himmel und sehr gutes Seeing.


 
Bericht:

Schon vor einiger Zeit kontaktierte mich ein Bekannter vom ÖAA bzgl. meines Portaballs. Er hat selbst schon eines in Bestellung, muss aber noch bis April/Mai warten. Er wollte deshalb schon vorab das Geraet in der Praxis testen, vor allem das Handling und die optische Performance an den grossen Planeten. Fuer mich bot sich ausserdem die Gelegenheit erstmalig meine neueste Erwerbung - eine Nachfuehrplattform - auszutesten. Der Parkplatz auf der Ebenwaldhoehe praesentierte sich tiefwinterlich als breite Schneise zwischen ueber 2m hohen Schneewaechten. Am Himmel waren noch einige schwache Restwolken der Bewoelkung vom Nachmittag zu erkennen, und im O hing der Hochnebel und schirmte sehr effizient die Lichter von Hainfeld und Wien ab. Das Teleskop war schnell aufgebaut und der eingebaute Ventilator gab sein Bestes um den Spiegel auf Umgebungstemperatur zu bringen. In der Zwischenzeit versuchten wir die Nachfuehrplattform so gut wie moeglich zu nivellieren und einzunorden ( der Polarsucher kommt leider erst am Wochenende im Reisegepaeck meiner Frau aus den USA). Nachdem der Spiegel noch nicht ganz austemperiert war beschraenkten wir uns anfangs nur auf Vergroesserungen von max. 227x. Schon bei dieser Vergroesserung zeigten Jupiter und Saturn eine Fuelle von Details, auch das Trapez im Orionnebel, der noch relativ tief im O stand zeigte seine E und F Komponente. Mit fortschreitender Stunde wurde der Himmel merklich duenkler, auch das Seeing steigerte sich noch deutlich, man musste Sirius laengere Zeit beobachten bis man ein kurzes Flackern wahrnahm. Wir besuchten M35, der fuer das 19mm Panoptik fast schon zu gross war, allerdings zeigte sich sein Nachbar NGC2158 als dichtes, helles Woelkchen nadelfeiner Sternchen. Auch M37 war - wie immer - ein Genuss. Da die Zwillinge inzwischen schon sehr hoch standen besuchten wir auch den Eskimonebel, der sich hell als zweischaliges Gebilde zeigte, mit dem Zentralstern als leuchtende "Nase". M1 hob sich ebenfalls kontrastreich vom dunklen Hintergrund ab und zeigte bereits ansatzweise Strukturen im Inneren. Die hochstehenden Gasriesen und die ruhige Luft veranlassten uns dann die Vergroesserung auf 454x zu steigern. Das Resultat war umwerfend: Saturn: fein nuancierte Farbschattierungen von olivgruen und dunkelgelb auf der Planetenoberflaeche. Der C-Ring deutlich zu sehen, der B-Ring schoen abgestufte Helligkeitsschattierungen von aussen nach innen. Durch die Cassiniteilung ist die Planetenscheibe sichtbar. Am A-Ring ist das Enckeminimum leicht erkennbar, und - jawohl! - sowohl Robert als auch ich sind uns sicher in absolut ruhigen Momenten die Encketeilung in den aeussersten Enden gesehen zu haben! Jupiter: Der GRF schoen in der Mitte plaziert, es sind Details im Fleck selbst zu erkennen. Auffaellig auch zwei sehr dunkle Knoten im rostbraunen NEB. Dort waren auch einige weisse Ovale erkennbar. Die vielen Details die sonst noch zu sehen waren wuerden den Rahmen dieses Berichts sprengen. Ich habe bis jetzt noch kein Photo ( ausser vielleicht vom HST) gesehen das diese Feinheit an Details wiedergibt. Wir haben dann auch noch einen Blick auf Ganymed geworfen, der sich als kleines Scheibchen zeigte. Robert und ich glauben ein dunkles Gebiet auf der Oberflaeche wahrgenommen zu haben. Mit der selben Vergroesserung warfen wir noch einmal einen Blick auf das Trapez, alle sechs Komponenten waren weit getrennt zu sehen. Zum Abschluss suchten wir dann noch M81 und M82 auf. Sie zeigten sich sehr hell im Gesichtsfeld des 30mm Widescan, zusammen mit NGC3077. Im 19mm Panoptik( 84x) waren bereits die Spiralarme vom M81 zu erkennen. Auch bei M51, der allerdings recht tief stand waren die Spiralarme gut sichtbar - ein Zeichen fuer die gute Transparenz und den dunklen Himmel.

Fazit: - eine Nachfuehrplattform ist jeden Euro ihres Preises wert. - wenn man stundenlang im Schnee rumsteht waeren Moonboots sehr empfehlenswert, meine Zehen wuerden mir es danken.

Gerhard Bachmayer