| Beobachter: | Alexander Pikhard, Anneliese Haika | ||||||||||||||||||||||
| e-Mail: | apikhard@utanet.at | ||||||||||||||||||||||
| Datum: | 15. 01. 2002 | ||||||||||||||||||||||
| Zeit: | 19 - 22 Uhr MEZ | ||||||||||||||||||||||
| Ort: | Ebenwaldhöhe | ||||||||||||||||||||||
| Instrument: | 12" LX-200, Feldstecher, Olympus Camedia C-3000 | ||||||||||||||||||||||
| Bedingungen: |
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| Bericht: | Obwohl es eine sehr schöne Nacht hier ist, sind wir ganz alleine
auf der Ebenwaldhöhe.
Gut, es ist unter der Woche und vielleicht haben sich viele von der
Prognose abschrecken
lassen, daß der Hochnebel bis auf 1500m reicht (AustroControl).
Ich habe das nicht
geglaubt und wir haben gepokert. Und gewonnen.
Seeing und auch der zeitweise böige Wind aus NE lassen bald erkennen, daß an CCD-Aufnahmen heute nicht zu denken ist. Wir beginnen daher zunächst mit einer visuellen Tour mit dem 40mm Pentax bei f/10. Erstes Objekt ist natürlich der Orionnebel M42, der schon in dieser Konfiguration wie ein Foto aussieht. Das ganze Gesichtsfeld ist ausgefüllt mit den weiten Ausläufern des Nebels, die Kernregion ist sehr hell, die Sterne in der Kernregion wie das Trapez funkeln bei dem Seeing, was auch seinen Reiz hat. Ich unternehme einen kühnen und bei der Kälte auch anstrengenden Versuch: Ich halte meine Digitalkamera an das Okular und belichte 10 Sekunden aus der freien Hand (Autsch! Ich kann die Kamera nicht mit Handschuhen bedienen, dazu sind die Knöpfe zu klein, so lange ohne Handschuhe tut weh). Nicht zittern - leichter gesagt als getan - so lange können 10 Sekunden sein. Piep! Endlich ... Das Ergebnis ist beachtlich! Die Sterne sind wegen des Seeings zwar sehr verwaschen, und ein wenig verwackelt ist die Sache doch, aber immerhin! Ich muss mir einen Adapter bauen, unbedingt!!!
Als nächstes Objekt stelle ich M78 ein. Wenig spektakulär, aber deutlich. Eine Untersuchung der Region um Zeta Orionis folgt. Der kleine Reflexionsnebel NGC2023 ist sehr deutlich, auch der noch kleinere IC435 ist gut zu sehen. Eine Wucht ist heute der Flame Nebula NGC2024. So deutlich und reich strukturiert habe ich diesen Nebel noch nie gesehen! Die dunklen Filamente kommen mit vielen Details heraus. Irgendwie macht sich ein Gedanke im Hinterkopf bemerkbar, den ich zunächst noch nicht bemerke. Der Nebelkomplex NGC1973/75/77 ist auch sehr deutlich. Die Dunkelwolken erscheinen sehr plastisch, andeutungsweise kann ich Howdii's "Apeman" erkennen. Doch dieser Gedanke ... Ich konfiguriere das Rohr auf f/6.3 um und schalte, trotz der Dunkelheit, einen UHC-Filter ein. Der Orionnebel schaut in dieser Konfiguration aus wie in den Himmel hineingeklebt. Der ganze Bereich des Nebels, mit Ausläufern, ist wahnsinnig hell, doch darauf kommt es mir gar nicht an. Zurück zu Zeta Orionis, der dank des Filters gedäpft erscheint. Das Gesichtsfeld ist jetzt fast 2° groß, am Rand unscharf, aber dafür ist der f/6.3 Verkürzer ja auch nicht ausgelegt. NGC2023, extrem deutlich. NGC 2024 und IC435, sehr hell. Lange schaue ich in das Feld. Dann, allmählich taucht die "Kante" auf, die hell von dunkel trennt. Indirektes Sehen ist angesagt, dummerweise muß man, um den besten Winkel zu erwischen, fast genau auf Zeta Orionis starren, das ist mühsam. Die Kante ist da. IC434, kein Zweifel, nach ein paar Minuten kann ich ihn halten. Jetzt die Kante absuchen - aber indirekt, bloss nicht hinsehen, nur indirekt. Weitere Minuten vergehen, und -- da!!! Ja, eigentlich nicht zu übersehen, ist dieses berühmte "Nichts", dieses Schwarz in einem Hauch von Nebel, der Pferdekopfnebel B33. Er ist überraschend groß - ich hätte ihn viel kleiner erwartet, aber kein Zweifel, der Ort stimmt, und bald erkennen wir ihn sogar leicht strukturiert. Es geht heute also! Pferdekopf bei 12", das ist schon eine Leistung. Zum ersten Mal sehe ich dieses Objekt im eigenen Rohr. Bisher waren es nur wesentlich größere Dobsons, in denen ich den wohl berühmtesten Dunkelnebel erspäht habe. Kein Zweifel, auch Anneliese erkennt ihn nach einigen Minuten des Einsehens deutlich. Ja, er ist viel größer als erwartet. Ich mache ein Standfoto von dieser schönen Himmelslandschaft mit der Digitalkamera, 16 Sekunden lang belichtet - Kühlung ist ja kein Problem - vom Autodach. Die Finger fallen allmählich ab ...
Jetzt zu Jupiter. Das Seeing könnte besser sein, ist aber nicht zu schlecht. Und ja! Da passiert gerade ein Schattenvorübergang [von Ganymed], der Mond taucht gerade am Rand des Planeten auf. Da muß gleich wieder die Digitalkamera her!
Wir beobachten Jupiter einige Zeit lang und können verfolgen, wie der Schatten von Ganymed über die Jupiterscheibe wandert. Leider zeigt sich Jupiter ansonsten sehr ruhig, ohne spektaküläre Details in den Bändern. Auch Saturn ist sehr schön, wir erkennen 6-7 Monde, wegen des Seeings und der doch etwas längeren Belichtungszeiten sind aber leider keine Fotos machbar. Es folgt eine visuelle Tour zu den schönsten Objekten, die sich uns noch präsentieren: 40mm Pentax: Bei den Pleiaden (M45) ist der Nebel um Merope andeutungsweise
zu erkennen. Praesepe (M44) ist freisichtig nicht zu übersehen! 21mm Pentax: Eskimo-Nebel (NGC2392) ist sehr deutlich heute, kein Wunder. M82 ist eine Wucht! Sehr groß und länglich, zeigen sich enorm viele Details; mindestens vier dunkle Filamente sind vor der Kernregion deutlich zu erkennen. Noch nicht so spektakulär sind andere Objekte im Großen Bären: M108 (länglich), M97 (mit den "Augen"), M109 (klein) und M51 (noch sehr tief). Zurück in die Zenitregion, 40mm Pentax. M35 ist sehr groß, aber beeindruckend ist vor allem der kleine Haufen NGC2158 in seiner Nähe, der in sehr viele sehr schwache Sterne aufgelöst werden kann! Zum Abschluß dann die drei offenen Sternhaufen im Fuhrmann, M38, M36 und M37, vor allem dieser ist auf dem dunklen Himmel eine Wucht. Fazit: Eine sehr schöne Beobachtungsnacht mit extrem guter Durchsicht, Pferdekopfnebel und der Schattenvorübergang von Ganymed waren die absoluten Höhepunkte. Erfreulich: Mein Einhell-Batteriepaket hat den Härtetest in der Kälte sehr gut bestanden! Schluß mit den schweren Autobatterien, das Gerät ist mehr als nur zu empfehlen! Alexander Pikhard |
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