Beobachtung

Edlach/NÖ, 18. 01. 2002

20020118sfl18.html

Beobachter:Dr. Thomas SCHRÖFL
 
e-Mail:schroefl@via.at
 
Datum:18. 01. 2002
 
Zeit:18.00 MEZ
 
Ort:Edlach/NÖ
Geogr. Länge:15° 48' 11" E
Geogr. Breite:47°41' 21" N
Seehöhe:600 m
System:GPS

 
Instrument:Nexstar 11 GPS, Feldstecher 7x56
 
Bedingungen:

Durchsicht:1 Freis. vis. Grenzgröße:5.0
Aufhellung:1 Seeing:3
Wind:kein aus keine Angabe  
Temperatur:-4 °C Luftfeuchtigkeit:84 %
Sonstige Bemerkungen:bis 22:00 Aufhellung im S durch Skipiste Spital/Semmering


 
Bericht:

Zunächst bietet sich wegen der Aufhellung bis zum Untergang um ca. 20:00 eine Mondbeobachtung (Age 4,7) an. Im 35mm Okular (80x, 0,85 true FOV) ist nicht nur die gesamte Sichel zu sehen sondern auch der unbeleuchtete Teil der Mondkugel als strukturlose dunkelgraue Scheibe gegen den schwarzen Himmelhintergrund. Eine interessante Wahrnehmung, die mir bisher noch nicht aufgefallen ist, wohl weil ich nicht bewußt darauf geachtet habe. Ich steigere dann die Vergrößerungen auf 133x, 200x und 266x; letzteres ist für die heutigen Bedingungen zu hoch. Bis zum Untergang wandere ich den Terminator entlang. Mit Detailbetrachtungen, faszinierend im Reichtum an Kontrast und Plastizität vergeht die Zeit leider viel zu rasch und der Mond verschwindet hinter den Bäumen. Sollte das Wetter durchhalten, so ist der morgige Abend jedenfalls bis zu seinem Untergang, genaueren Mondstudien gewidmet. Überdies lockt die Versuchung mich zum Einstieg in die Astrofotographie am Mond zu probieren. Die Zeit bis zum Abschalten der Pistenbeleuchtung nütze ich zur Planetenbeobachtung. Mars zeigt sich deutlich rötlich, jedoch sind keine Details erkennbar. Seine derzeitige Position und die Horizontnähe lassen nichts besseres erwarten. Besonders beeindruckend finde ich heute Jupiter. Io, Ganymed und Europa sind leicht zu finden. Als sehr hilfreich bei der Orientierung erweist sich die Nutzung von Laptop und Starry Night Pro und dessen flip-menu, mit dem sich die Bildschirmdarstellung an die Darstellung durch das Teleskop anpassen läßt. Ca. 30 min Beobachtungszeit geben bei guten Seeingmomenten immer wieder schöne Anblicke der Wolkenbänder. Während der anschließenden Saturnbeobachtung mit annähernd gleichen Eindrücken, schickt die noch einige Tage fehlende Taukappe vorweg herzliche Grüße. Eine total angelaufene Korrektorplatte bringt den Haarföhn zu unerwartetem Einsatz + eine wahrhaft +professionelle+ Lösung. Nach 22:00 (Ende der Pistenbeleuchtung) geht es auf zum Orion, zunächst zu M42, M43 und dem Trapez. M42 wird zur technischen Spielwiese, da ich in Ruhe verschiedene Okular- und Filterkombinationen ausprobieren will. Das 35mm Panoptic liegt im subjektiven Eindruck knapp vor dem 21mm Pentax; UHC bzw. testweise auch O-III bringen etwas mehr Kontrast, dunkeln aber das ganze Bildfeld deutlich ab. Anscheinend ist mein Standort mit sehr geringer Aufhellung gesegnet. Darüber hinaus fehlt es mir sicher noch an der einschlägigen Sehpraxis. Ich ziehe weiter zu Alnitak, in der Hoffnung irgendetwas von Horsehead oder Flame erhaschen zu können, jedoch ohne Erfolg. Da fehlt es wohl noch an Praxis und Können. Nachdem ich gerade den Bericht von DI Pikhard vom 15.01. gelesen habe, wundert es mich nicht mehr weiter Horsehead nicht gesehen zu haben. Eingedenk des WAA-Logos folgt ein Schwenk zu M45. Nachdem ich letztes mal mit den Größenverhältnissen nicht klar gekommen bin, habe ich mich diesmal gründlicher vorbereitet (Herausmessen der Winkelmaße aus der Sternkarte, Berechnung der wahren Gesichtsfelder der Okulare) und siehe da, jetzt paßt alles. Am Anfang dauert es halt bis man ein Gefühl für Dimensionen am Himmel und fürs Blickfeld bekommt. Es folgt ein kurzer Blick zu M1, der mich in Hinblick auf die kommende Saturnbedeckung wieder anzieht. Bei indirektem Sehen als schwacher Schimmer erkennbar. Es zeigt sich wieder einmal, daß man indirektes Sehen wohl lange üben muß. Zum Abschluß sind noch M35, M37, M38 und M44 dran. Einer prachtvoller als der andere. Sie werden wohl zu den ersten Astrofoto-Objekten zählen, sobald die Wedge da ist. Ich bin schon gespannt wieviel Zeit und Film erforderlich ist das präzise Nachführen zu lernen. Fazit: nach 14 Tagen Inversionswetterlage in Wien, wieder eine gelungene Astronacht.

Dr. Thomas Schröfl