Das Wunder von Mariazell (Teil 1)

Raiffeisen-Volkssternwarte Mariazell, 08. 02. 2002

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Beobachter: Günther Eder, Anneliese Haika, Alexander Pikhard, Albert und Gabi Richter, Hanne Schulmeister, Franz Zwanzger
 
e-Mail: apikhard@utanet.at
 
Datum: 08. 02. 2002
 
Zeit: 22.00 bis 01.30 MEZ
 
Ort: Raiffeisen-Volkssternwarte Mariazell
 
Instrument: 16" Meade LX-200
 
Bedingungen:

Durchsicht: 2 Freis. vis. Grenzgröße: 5.5
Aufhellung: keine Angabe Seeing: 4
Wind: keine Angabe aus keine Angabe  
Temperatur: ca. 5 °C Luftfeuchtigkeit:

Sonstige Bemerkungen: Der Wetterbericht hatte trostlosen Himmel vorausgesagt ...


 
Bericht:

... doch es sollte anders kommen! 


Eigentlich war unsere kleine Gruppe ja nur nach Mariazell aufgebrochen, um unserem alten Freund Günther Eder einen Besuch abzustatten und um ein paar Dinge in Zusammenhang mit unseren bevorstehenden Großprojekten (Space Challenge 2002 und Österreichischer Astronomietag) zu besprechen. Der Wetterbericht und auch das Wetter während der Anreise hatten uns ja keinen Grund zu allzuviel Optimismus gegeben. Es regnete, und der Regen schien die letzten Reste der Schipisten rasch in braunen Schlamm aufzulösen.

Doch schon am Josefsberg fiel uns das Wolkeloch aus, das blitzblau aus dem Grau und Schwarz der dicken Wolkendecke hervorbrach und wie ein Reflexionsnebel um einen jungen Stern aussah. Vor dem Abendessen erblickten wir dann auch schon Jupiter und Saturn.

Nach dem Essen bot sich ein seltsamer Himmelsanblick: Aldebaran und Saturn da, Capella da, Castor, Pollux und Jupiter da, Procyon da, Sirius funkelte über den Dächern von Mariazell, aber da, wo der Orion sein sollte, war - nichts! Eine Wolke hatte ausgerechnet das bekannteste Wintersternbild verdeckt.

Günthers Schilderungen über den Zustand der Straße auf die Sternwarte ließen uns schon schlimmes befürchten, doch zu unserer großen Überraschung präsentierte sich die Straße so gut wie schon lange nicht: Sie war gerade am Tag unserer Anreise instandgesetzt worden. So erreichten wir ohne Probleme die Stehralm. Es gab oben nur mehr wenig Schnee. Eher war Morast das Problem.

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Nur ja kein Fehltritt! Albert leuchtet penibel den Weg aus.

Je näher wir der Sternwarte kamen, desto besser wurde der Himmel.

Orion über der Mariazeller Sternwarte
Jetzt ist auch Orion wieder da -
die Welt ist wieder in Ordnung!

Nun hielt uns nichts mehr, und rasch stiegen wir auf zur Kuppel. Ein schneller Blick überzeugte uns, daß wegen des doch recht schlechten Seeing nicht an Fotografieren zu denken war, weder mit der Digitalkamera, geschweige denn mit CCD. Sehr zur Erleichterung von Hanne, Albert, Gabi und wohl auch Anneliese. So wurde es ein echter "Spechtelabend".

Und während wir der Reihe nach geduldig aufs Durchschauen warteten (7 Leute ist wirklich das Maximum an einem Fernrohr), durchmusterte Franz mit seinem genial montierten Feldstecher den Himmel.

Was wir gesehen haben:

Saturn: Recht detailreich, ging aber schon besser
Jupiter: Das NEB wird wieder etwas schwächer, dafür sind die Roten Ovale im NEB jetzt deutlich. Das SEB ist blaß.

Also doch zu schwächeren Vergrößerungen.

M42: Wie immer wunderschön, vor allem, wenn man den ganzen Nebel auf einmal sieht. Trotz schlechten Seeings zeigte eine Detailvergrößerung dann alle 6 Trapezsterne.

M1: Sehr detaillierte und deutlich.
NGC 2903 im Löwen: Sehr hell, sehr groß, mit deutlichem Kern und angedeuteter Spirale
NGC 3227/28, Doppelgalaxie im Löwen: Sehr deutlich, in einem Gesichtsfeld
NGC 4631 + 4627, CVn: Deutlich die große, längliche Galaxie, deutlich auch der kleine Begleiter (14mag)
NGC 4656, CVn: Eigentlich recht schwach, eher enttäuschend.
NGC 3184: Na ja, eher schwach und diffus, doch mehr ein Objekt für CCD.
NGC 3628, Leo: Sehr groß, deutlich, bei indirektem Sehen auch das Staubband deutlich
M65: Wunderschön detailliert, heller Kern und Spirale angedeutet
M66: ebenso
NGC 2403, Cam: Groß, diffus, einige helle Vordergrundsterne.
M81: Sehr hell und groß, mit deutlichem, fast sternartigen Kern
M82: Wunderschön, mit sehr vielen Details.

Im Dunkel der Nacht ...
Alles Licht ist abgedreht, die Fernrohre sind auf das Dunkel der Nacht gerichtet.
Wer hätte am Nachmittag damit gerechnet, darauf gewettet? Niemand!

Da die Durchsicht jetzt von Minute zu Minute schlechter wurde - es zogen hohe Schichtwolken auf - noch ein Blick zu M3, das war's dann. Nicht unzufrieden legen wir die Sternwarte schlafen und gönnen auch uns noch einen Schlaftrunk ...

Tut das gut nach dem Beobachten!
Müde, aber zufrieden. Es war eine schöne Beobachtungsnacht!

Fazit: Wer hätte das gedacht? Niemand von uns hätte damit gerechnet, daß nach diesem verregneten Tag am Abend, bei unserer Ankunft, die Wolken aufreißen und wir zu einer wunderschönen Beobachtungsnacht kommen. Glück gehört eben auch dazu, vor allem aber -- Optimismus!