Beobachtungsabend

Sofienalpe, 05. 03. 2002

20020305api17.html

Beobachter: Alexander Pikhard
 
e-Mail: apikhard@utanet.at
 
Datum: 05. 03. 2002
 
Zeit: 17.30 bis 21.30 Uhr MEZ
 
Ort: Sofienalpe
 
Instrument: 12" Meade LX-200, StarlightXpress MX916, Olympus Camedia C-3000 (für Jupiter)
 
Bedingungen:

Durchsicht: 1+ Freis. vis. Grenzgröße: 5.5
Aufhellung: 2 Seeing: 2
Temperatur: ca. +5°C
Luftfeuchtigkeit: sehr trocken

Sonstige Bemerkungen: windstill

 
Bericht: Endlich gute Bedingungen zur richtigen Zeit, endlich Aussichten, den Kometen C/2002 C1 (Ikeya-Zhang) zu beobachten und aufzunehmen. Schon in der hellen Dämmerung baue ich das umfangreiche Equipment (Teleskop und CCD) auf - sehr zur Beunruhigung einer betagten Frau, die in einem der parkenden Autos zurückgeblieben war und auf ihre Angehörigen wartet. Wahrscheinlich hält sie mich für einen Terroristen ... Als ich das Instrument zwecks Einnordung in die Horizontale schwenke, fragt sie dann doch, was ich da mache.

Jupiter ist das erste Objekt in der Dämmerung. Traumhafte Details kommen blickweise heraus (14mm Pentax), vor allem der GRF, der heute wieder einmal das "R" nicht verdient, da er eher blaß erscheint und das SEB in Scheibenmitte deutlich einbuchtet. Ich mache ein paar Fotos mit der Digitalkamera, leider können sie den visuellen Eindruck nicht wiedergeben, da macht das Seeing einen Strich durch die Rechnung, trotz der kurzen Belichtungszeit von 1/30 Sekunde.

Jupiter, 1/30s
Jupiter, 1/30s durch 14mm Pentax bei äquivalent 400 ASA

Doch jetzt sollte es dunkel genug sein. Anneliese Haika kommt gerade zur rechten Zeit auf die Sofienalpe, kurz nach ihr Walter Koprolin. Wir alle haben eigentlich nur ein Ziel: C/2002 C1!

Ich tippe die Koordinaten aus der JPL-Ephemeride in die Steuerung des LX200 ein, GOTO, die Motoren surren, ein Blick durchs Okular - JA!!! Enorm hell und faszinierend blau steht die Coma des Kometen Ikeya-Zhang im Gesichtsfeld, nicht zu übersehen. Ein Kontrollblick durch den Sucher - kein Problem! Ein Blick durch den Feldstecher - wo ist er? Ah ja, fast sternförmig, erst bei genauerer Betrachtung erkennt man die diffuse Struktur. Der Komet hat schätzungsweise 5.5mag.

Jetzt ist die CCD-Kamera dran. Die Tests der vergangenen Tage daheim machen sich bezahlt, alles ist rasch einsatzbereit.

C/2002 C1
C/2002 C1, 2 Minuten, f/6.3, logarithmische Skala

Visuell kann man im Fernrohr zwei Jets im Schweif erkennen. Auf der Aufnahme sind es dann vier. Während Aufnahmeserien laufen (der Komet ist allerdings so langsam, daß sich innerhalb von ca. 10 Minuten keine Bewegung festhalten läßt) und es immer dunkler wird, beobachten wir den Kometen mit dem Feldstecher. Er zeigt mindestens 3° Schweif! Und gegen 18.45 Uhr können wir ihn auch mit freiem Auge erkennen. Später steht er leider zu tief.

Die Nacht stellt sich als extrem gut heraus. Sehr gute Durchsicht, windstill und nicht zu kalt, die CCD-Kamera läuft auch schon, also ab in den Orion. Schon das erste Bild, mit 10 Sekunden Belichtungszeit, ist umwerfend, dabei zentriere ich nur und suche einen Leitstern. Die Zwischenschritte überspringe ich, hier das Ergebnis:

M42 und M43
M42 und M43. Mosaik aus drei Aufnahmen mit 2 bzw. 4 Minuten Belichtung.

Nicht übel. Für den ganzen Nebel müßte ich noch mehr "Mosaikbausteine" sammeln, doch die Kernregion ist ohnedies am interessantesten.

In Orion gibt es noch eine Reihe anderer interessanter Nebel, denen ich jetzt nach und Nach einen Besuch abstatte.

M43
M43 einzeln, 4 Minuten, f/6.3
M78
M78, 2 Minuten, f/6.3
NGC 1973/75/77
NGC 1973/75/77 ("Apeman"), 4 Minuten, f/6.3
NGC 1999
NGC 1999, 2 Minuten, f/6.3

Interessant ist hier vor allem der kleine Reflexionsnebel NGC 1999 mit der eigenartigen Dunkelwolke. Von ihm gibt es eine spektakuläre Aufnahme des Hubble Space Telescope.

Als Krönung dann noch der Crabnebel, M1:

M1
M1 (Crabnebel), 4 Minuten, f/6.3

Da heute sehr gute Bedingungen herrschen, ist so viel Signal auf den Aufnahmen, daß ich auf Dunkelstrom und Flatfield verzichte. Bei den 240s - Bildern hatte ich bei der Nachbearbeitung dann aber einige Probleme, die ich mit Dunkelstrom nicht gehabt hätte.

Alle Aufnahmen (bis auf Jupiter) wurden mit AstroArt 2.0 erstausgearbeitet (Skalierung, evtl. Mosaik, evtl. Aufsummierung) und mit Corel Photopaint nachbearbeitet (Kontrast, Schärfe). Das geht mit diesem Programm eindeutig besser. Entgegen der Behauptungen von Starlight, man kann mit einem azimutal aufgestellten LX-200 keine vernünftigen Bilder machen, sind die Ergebnisse brauchbar. Bei Belichtungszeiten von maximal 4 Minuten ist die Bildfelddrehung noch kein Problem, vor allem nicht in der Nähe des Meridians. Alledings mußte ich mit 4x4 Binning nachführen, sonst wäre die Kontrolle amokgelaufen. Hier muß ich noch an den Parametern drehen, aber mit 4x4 geht's ja auch recht gut, wie man sieht.

Ein paar Bemerkungen zur Stromversorgung: Ich habe rund 3 Stunden lang aufgenommen; das hat etwa die halbe (!) Akku-Kapazität des Laptop in Anspruch genommen (die Anzeige meinte sogar, ich hätte noch 6 Stunden, aber das glaube ich einfach nicht). Mein kleines 11 Ah Einhell-Paket (Blei-Gel-Akkus) hat Teleskop und CCD-Kamera ohne Probleme versorgt. Das ist akzeptabel.

Fazit: Endlich wieder eine schöne Nacht!