Beobachtungsabend

Sofienalpe, 14. 03. 2002

20020314api18.html

Beobachter: Alexander Pikhard
 
e-Mail: apikhard@utanet.at
 
Datum: 14. 03. 2002
 
Zeit: 18.30 MEZ
 
Ort: Sofienalpe
 
Instrument: 12" Meade LX-200, StarlightXpress MX916, Olympus Camedia C-3000
 
Bedingungen:

Durchsicht: 2 Freis. vis. Grenzgröße: 4.5
Aufhellung: 3 Seeing: 1+
Wind: leicht aus SW  
Temperatur: 8 °C Luftfeuchtigkeit:

Sonstige Bemerkungen: leicht dunstig, tief im W Wolken


 
Bericht:

Und es begab sich, daß ich gegen 15.30, durch anhaltenden Sonnenschein durchs Bürofenster argwöhnisch geworden, auf das Satellitenbild blickte; und oh Schreck, das angekündigte Schlechtwetter war über Deutschland  hängen geblieben. Es sollte sich die 7. Gelegenheit in Serie ergeben, einen Blick auf den Kometen C/2002 C1 zu werfen.

Auf der Sofienalpe war überraschend wenig Andrang an Beobachtern, Andreas, Astrid, Anneliese und ich standen mit unseren Instrumenten ziemlich allein auf weiter Flur. Nur einige wenige Schaulustige waren aufgrund der Zeitungsartikel gekommen und hielten jetzt am Himmel nach etwas Ausschau, daß so aussieht wie die in den Medien abgebildeten Fotos von Gerald Rhemann. Vergebens ...

Das Seeing erwies sich als Exzellent, schon in der Dämmerung gaben Jupiter und Saturn ein herrliches Bild ab. Doch dann ging es an die Beobachtung des Kometen.

Komet, 135mm
C/2002 C1 mit 135mm Teleobjektiv, f/5.6

Mit Andreas 135mm Tele an der MX916 mache ich eine Serie von 10 Aufnahmen zu je 30 Sekunden; damit hole ich aus dem Dunst des Horizonts doch einen beachtlichen Schweif heraus.

Visuell erscheint der Komet auch vielversprechend. Der Kopf sitzt "asymmetrisch" und um den Kern glaube ich, im 14mm Pentax so etwas wie eine Schale auszumachen. Da muß ja doch die Kamera ans Rohr, heute mit f/10 (F=3000). Ein Versuch mit der 3x-Barlowlinse scheintert am doch leicht vorhandenen Wind.

Komet, 3000mm
C/2002 C1 im LX-200, 20 Sekunden bei f/10

In der 20-Sekunden-Aufnahme erkennt man doch schon den "überhängenden" Kopf und die Andeutung einer Schale. Ich mache zwei ganz kurz belichtete Aufnahmen (1 und 3 Sekunden) und dividiere sie, um noch mehr Details um den Kern herauszuholen.

Komet, Kern
Kernregion des Kometen

In dieser Ausarbeitung erkennt man jetzt einige kurze Jets und auch den Ansatz besagter Schale, die ich auch visuell beobachtet habe.

Nach Untergang des Kometen noch ein rascher Blick zu Jupiter. Wow! Diesen Anblick werden wir wohl lange nicht vergessen. Paktisch ohne Seeing präsentiert sich der Planet mit reich strukturierten Bändern, dem GRF in der Scheibenmitte und über dem GRF, gestochen scharf, der Schatten von Europa! Wir blicken lange durch das Fernrohr. Eigentlich wäre jetzt eine Aufnahme mit der Digitalkamera angesagt, doch ich habe das falsche Set Batterien mitgenommen, nämlich ein leeres anstatt eines aufgeladenen ... Verzweiflung?? Nein, die Rettung kommt vom Hotel Sofienalpe, wo ich mir zum Glück neue Batterien ausborgen kann.

Die Aufnahme kann den visuellen Eindruck nicht wiedergeben, aber das wichtigste ist drauf (1/30s, 14mm Pentax).

Jupiter mit GRF und Schatten von Europa
Jupiter mit sehr vielen Details. Nur der Schatten war visuell viel,
viel schärfer als auf dieser, doch von leichtem Seeing geplagten Aufnahme.

Zu den bemerkenswertesten Details gehören neben den schon erwähnten eine Serie weißer Balken im SEB östlich (rechts) vom GRF sowie ein helles rotes Oval im NEB (nahe Scheibenmitte), darüber ein dunkler Fleck, östlich (rechts) einige dunkle Details. Ausgeprägt sind das NTB, gestört die STBs. Aber wie gesagt, das Bild kann den visuellen Eindruck nur annähernd wiedergeben...

Es war die 7. Beobachtung in Serie, bald wird's Routine, doch eine gewisse Erschöpfung macht sich schon bemerkbar. Na ja, glauben wir dem Wetterbericht für morgen ...