Seminar "Besser beobachten - Deep Sky"

Sofienalpe, 16. 03. 2002

20020316api15.html

Beobachter: Alexander Pikhard, Anneliese Haika
 
e-Mail: apikhard@utanet.at
 
Datum: 16. 03. 2002
 
Zeit: 15.00 bis 20.30 MEZ
 
Ort: Sofienalpe
 
Instrument: Celestron 8, Olympus Camedia C-3000
 
Bedingungen:

Durchsicht: 4 Freis. vis. Grenzgröße: 3.5
Aufhellung: 4 Seeing: 1
Wind: kein  
Temperatur: 5 °C Luftfeuchtigkeit: hoch!

Sonstige Bemerkungen: sehr dunstig

Bericht: Allmählich wird der Weg auf die Sofienalpe zur Routine...

Heute hatten wir Anlaß, bei jedem Wetter auf die Sofienalpe zu fahren, denn immerhin stand unser beliebtes Seminar " Besser beobachten - Deep Sky " auf dem Programm und war mit über 20 Teilnehmern auch mehr als ausgebucht. Der Wetterbericht hatte schon für den Abend zuvor schlechtes Wetter angesagt - und es waren zumindest ein paar Sterne zu sehen gewesen.

Auch heute zeigte sich am Nachmittag, während ich die Theorie vortrug, zaghaft die Sonne und verschwand am Abend, tiefrot, in einer zähen Schicht Bodennebels. Trotzdem wagten wir uns nach dem Abendessen an die Praxis, denn um den Zenit betrug die freisichtige visuelle Grenzgröße rund 4 mag, deutlich mehr als im Kleinen Bären, wo bei 3 mag Schluß war.

Bild 1
Gespenstische Stimmung - die dünne Mondsichel über dem Nebel

Über der Wiese lag Nebel; die dünne, 2 Tage alte Mondsichel stand gelblich, später tieforange über dem Nebel. Anneliese baute ihr C8 auf, andere Teilnehmer des Seminars folgten mit ihren Fernrohren und Felstechern. Zuerst blicken alle zum Mond, denn es ist noch recht hell. Da gehen sich auch ein paar Fotos aus.

Bild 2
Mond durch 35mm Plössl, automatisch belichtet.

Herrlich erkennt man in dieser Mondphase die schöne, entlang eines Meridians gelegene Kraterreihe Langrenus (im Bild der schöne Krater mit Zentralberg bei ½8 Uhr), Vendelinus (links davon, flach), Petavius (mit Zentralberg) und Furnerius (tief, ohne Zentralberg, bei ½9 Uhr). So ein Foto will so manch einer probieren.

Bild 8
Schnelle Anleitung für ein Mondfoto

Doch jetzt ging es an die Suche nach dem Kometen C/2002 C1 (Ikeya-Zhang) . Zunächst suchten wir viel zu tief und deklarierten schon fast die Bedingungen als zu schlecht, bis wir Mars und die Hauptsterne des Widders ausmachen konnten; da wurde klar, der Komet steht viel höher, und wir konnten ihn auch bald mit Feldstechern und Fernrohren beobachten.

Bild 5
Auf der Suche nach dem Kometen im Nebel

Die Einstellung des Kometen im Fernrohr war originell. Ich hatte ihn im Feldstecher ausgemacht, doch wie sollte Anneliese jetzt rasch mit dem Sucher dorthin finden. Es wurde perfektes Teamwork. Dr. Schröfl richtet seinen SkyPointer, einen sehr starken, grünen Laser, auf die Position, zu der ich ihn mit dem Feldstecher dirigiere. Anneliese folgt dem Strahl im Sucher, und da ist auch schon der Komet!

Bild 4
Einstellen mit SkyPointer (gestellte Aufnahme)

Wieder hielten einige Spaziergänger Ausschau nach dem Kometen, die Bilder in der Zeitung verhießen ja einen tollen Anblick - leider nur auf Film und nicht für das freie Auge, aber das stand ja nicht dabei ...

Bild 3
Wie heißt des auf dem Teppich von Bayeux? "Isti mirant stella(m)"

Eigentlich erschien er trotz des Nebels sehr hell, sein Kern war nicht viel schwächer als 3mag und auch der lange Schweif war im Feldstecher deutlich. Feldstecher waren überhaupt die beliebtesten Instrumente an diesem Abend, auf unterschiedlichen Montierungen ...

Bild 6 Bild 7
Techniken, durch einen Feldstecher zu schauen: Freihändig (Mitte links), mit Franz Zwanzgers Eigenbau-Montierung zum
Umhängen (links und Mitte rechts) oder Michael Menedetters Galgenmontierung aus Wasserrohren (rechts)

Jetzt war es dunkel genug, um an Deep Sky zu denken. Wir demonstrierten an Annelieses C8 und 35mm Plössl-Okular die Wirkung eines UHC-Filters am Orion-Nebel. Ja, der brachte bei diesen Bedingungen wirklich etwas. Und der Crab-Nebel M1 wäre ohne den Filter überhaupt ganz aussichtslos geworden. M35 war dagegen wieder eindeutig gut aufgelöst.

Leider machte das feuchte Wetter vor Annelieses Schmidtplatte nicht halt und so beendeten wir den ohnedies nicht optimalen Beobachtungsabend mit einem Blick zu Jupiter und Saturn.

Aber immerhin: Wir konnten nach einem Deep Sky-Seminar auch ein wenig Deep Sky beobachten.