Beobachtungsabend

Sofienalpe, 28. 03. 2002

20020328api19.html

Beobachter: Alexander Pikhard
 
e-Mail: apikhard@utanet.at
 
Datum: 28. 03. 2002
 
Zeit: 19.00 MEZ
 
Ort: Sofienalpe
 
Instrument: 12" Meade LX-200, StarlightXpress MX916, Olympus Camedia C-3000, Feldstecher 10x25
 
Bedingungen:

Durchsicht: 2 Freis. vis. Grenzgröße: 4.5
Aufhellung: 4 (Mond!) Seeing: 1+
Wind: leicht aus W  
Temperatur: 3 °C Luftfeuchtigkeit:

Sonstige Bemerkungen: leicht dunstig

 
Bericht:

Nach fast zwei Wochen Schlechtwetter warteten wir schon sehnsüchtig auf die nächste Gelegenheit, den Kometen C/2002 C1 (Ikeya-Zhang) vor unsere Fernrohre zu bekommen. Nun, heute sollte es so weit sein.

Malerisch versank die Sonne im Westen, und wie es sich für eine Vollmondnacht gehört, tauchte kurz danach im Osten auch der Mond auf.

Sonnenuntergang Mondaufgang
Die Sonne geht unter, der Mond geht auf.

Ein kleines Grüppchen - Albert und Gabi Richter, Anneliese und ich - hatte sich auf der Sofienalpe eingefunden. Eigenartig, daß nicht mehr Beobachter da waren. War es wegen des Vollmonds? Zugegeben, er störte sehr!

Nur wenige Spaziergänger kamen an diesem Gründonnerstagabend vorbei, und die meisten zeigten auch keine Neugier. War das Interesse an dem Kometen schon abgeflaut? Wir warteten jedenfalls, und plötzlich, schon in der hellen Dämmerung, war er zu sehen. Unwahrscheinlich hell, gut 3mag, nur der nahe gelegene Beta Andromedae war deutlich heller.

Schon bald zeigte sich im Feldstecher ein deutlicher, breiter Schweif. Wir beobachteten mit unterschiedlichen Feldstechern; Albert mit seinem neu erstandenen Luxusgerät mit Bildstabilisator, ich mit einem - eher aus Jux - bei Zielpunkt um 11 Euro erstandenem 10x25. Gar nicht so schlecht, das kleine Ding! Annelieses guter, alter Leitz-Feldstecher bleibt da optisch natürlich haushoch überlegen ...

Vorsichtig montiere ich mein schweres 500mm f/5.6 Pentagon-Tele huckepack auf das LX-200, um damit den Kometen aufzunehmen. Die provisorische Halterung macht das Suchen allerdings etwas schwierig. Dann aber gelingt es, und ich mache mit der MX916 einige Aufnahmen mit 10 Sekunden Belichtungszeit. Daraus entsteht das folgende Mosaik.

Komet-Mosaik

Leider stören Dunst und Dämmerung enorm, ich bastle lang an einem halbwegs brauchbaren Flatfield herum. Doch letztlich kommt auf dem aus zwei Aufnahmen zusammengesetzten Mosaik deutlich der lange, breite Staubschweif heraus.

Wir beobachten den hellen Kernbereich und die Coma auch visuell, wieder fällt die schöne, bläuliche Färbung auf.

Ich mache Aufnahmen am LX-200 bei 3m Brennweite. Beim Ausarbeiten dann die große Überraschung: Die Coma zeigt sehr viele Details!

Coma im LX200

Auf der 20 Sekunden lang belichteten Aufnahme erkennt man nicht nur einen hauchdünnen Gasschweif, sondern auch mehrere Schalen, die sich vom Kern ablösen, so deutlich wie seinerzeit bei Hale-Bopp. Jetzt ist Ikeya-Zhang wirklich ein interessanter Komet geworden.

Zum Abschluß noch ein paar Blicke auf Saturn und Jupiter, bei sehr gutem Seeing sind wirklich viele Details auszumachen. Ich probiere ein paar Aufnahmen von Jupiter mit 1/30 Sekunde, 400ASA äquivalent, mit der Digitalkamera, die beste, nachbearbeitet, kommt hier als Abschluß.

Jupiter

Schön: Eine wunderbare Girlande, die sich vom NEB nach S in die EZ erstreckt. Auch deutlich: Eine Serie heller Balken im SEB.

Fazit: Nach längerer Zeit wieder eine Beobachtung, und ich stellte fest, man kommt schnell aus der Übung!