CCD-Abend, C/2002 C1 + M31

Sofienalpe, 04. 04. 2002

20020404api19.html

Beobachter: Alexander Pikhard
e-Mail: apikhard@utanet.at
Datum: 04. 04. 2002
Zeit: 19.30 bis 22.30 MESZ
Ort: Sofienalpe
Instrument: 12" Meade LX-200, StarlightXpress MX916 mit 50mm Objektiv und am LX-200
 
Bedingungen:

Durchsicht: 2
Freis. vis. Grenzgröße: 4.5
Aufhellung: 2 Seeing: 1

Wind: kein
 
Temperatur: 7 °C Luftfeuchtigkeit:

Sonstige Bemerkungen: Zeitweise Durchzug stärkerer Wolkenfelder, sonst klar, am Horizont Dunst.

Bericht:

Es gubt Tage, an denen fiebern Hobbyastronomen besonders stark dem Abend entgegen, nämlich immer dann, wenn etwas besonderes los ist. Und heute ist etwas besonderes los: Der Komet C/2002 C1 (Ikeya-Zhang) steht nahe beim Andromedanebel M31.


Es ist den ganzen Tag über sehr klar, einige unserer Beobachter üben sich an der sehr aktiven Sonne, die beim Untergang sogar eine freisichtige Fleckengruppe zeigt.

Am Abend kommt Stimmung auf der Sofienalpe auf. Weit mehr Sternfreunde als üblich finden sich hier ein, die meisten von ÖAA und WAA, viele auch in der Erwartung, ein paar Fotos von dieser seltenen Begegnung machen zu können. Immerhin kommt es selten vor, daß ein heller Komet nahe bei einem hellen Deep-Sky-Objekt steht. Immer mehr Instrumente werden aufgebaut.

Star Party  
Hier entsteht eine richtige Star Party, ein kleines Teleskoptreffen

Nur einmal wird die Stimmung jäh gestört, als der Bauer mit seinem Traktor versucht, die Beobachter von der Wiese zu verscheuchen (allen Ernstes fährt er mit dem schweren Gerät auf Beobachter und Instrumete zu, nur allzu leicht hätte es einen schweren Unfall geben können). Aber der Hinweise, daß wir die Erlaubnis des Pächters haben, auf der Lagerwiese zu beobachten, veranlaßt ihn zum Rückzug.

In diesem Sinn ein wichtiger Hinweis: Das Betreten der Wiese ist wirklich nur bis zur Hinweistafel "Futterwiese" gestattet und das Befahren ist in jedem Fall untersagt. Autos müssen unten bleiben!

Es wird dämmrig - und Wolken ziehen auf. Unter den zahlreichen Beobachtern kommt eine Stimmung auf wie zuletzt bei der totalen Sonnenfinsternis 1999. Wird es sich ausgehen? Die Wolkendecke hat den ganzen Himmel überzogen. Doch jetzt reißt es im Nordosten wieder auf. Die Wolken verschwinden, oder? Da!

Bild 2
Nur 10 Sekunden belichtet: Komet und M31 in Wolken

Eine erste Wolkenlücke gibt den Blick auf die beiden diffusen Objekte frei. Enttäuschung bei vielen: Wegen der geringen Höhe über dem Nordnordwest-Horizont sind beide recht schwach und vor allem haben viele eine engere Begegnung erwartet (dabei haben wir doch so detaillierte Aufsuchkarten veröffentlicht). 1,5° gehen sich eben im Gesichtsfeld eines Fernrohrs nicht mehr aus. Im Feldstecher schon!

Die Wolkendecke bricht komplett zusammen, als es kühler wird, und bald wird der Komet doch noch freisichtig. M31 nicht, aber im Feldstecher ist die Sache eindeutig. Erst rech am Chip meiner CCD-Kamera.

Bild 3
Komet und M31, 2 Minuten Belichtungszeit, Bildfeld 10° x 7,5°

Bei den letzten Aufnahmen kämpfe ich schon sehr mit der Aufhellung am Horizont, doch geschickte Anwendung eines Flatfield (ich normiere es ganz genau auf die Aufnahme) zeigt letztlich den rund 2° großen M31 neben dem Kometen mit einem rund 5° langen Schweif. Die schwächsten Ausläufer saufen aber im Hintergrund ab.

Ich nehme mir den Kern vor, bei 3m Brennweite am LX-200. Hier reicht eine Belichtungszeit von 10 Sekunden. Doch zunächst zeigt sich nicht viel.

Kern, unbehandelt
Der unbehandelte Kern, 10 Sekunden bei f/10 am LX-200

Immerhin zeigt die Aufnahme schon einige schöne Strahlen, doch die Schalen, die sich vom Kern lösen und die visuell mit dem 40mm Pentax-Okular gut zu sehen sind, kommen nicht gut heraus. Hier müssen jetzt ein paar semiprofessionelle Tricks her ...

Falschfarbenbild Larson-Sekanina
Die gleiche Aufnahme, links in Falschfarben um die Kontouren zu verstärken, und rechts mit einem eigens für Kometen
entwickelten Larson-Sekanina-Filter. Und hier erkennt man auf einmal die sich vom Kern lösenden Gasschalen deutlich.

Larson und Sekanina haben diesen komplizierten mathematischen Filter, der eine Standardfunktion von AstroArt ist, extra dafür entwickelt, die Dynamik eines Kometenkerns sichtbar zu machen. Das Bild wird verdoppelt, leicht verschoben und gedreht und vom Originalbild abgezogen. So werden feine radiale und konzentrische Strukturen um den winzigen Kometenkern deutlich sichtbar.

Nach dem Durchzug einer weiteren Wolkenbank klart es wieder auf, und während die meisten Beobachter die Heimreise antreten - nur Hanne, Franz und die Fotografen der ÖAA harren noch etwas länger aus - rüste ich auf f/6.3 um, um noch ein paar Galaxien aufzunehmen.

Erstes Ziel ist M51 (dazu wurde ich ehrlich gesagt überredet). Der Fokus paßt, und was mich besonders gefreut hat: Mein LX-200 schwenkt mit großem Umweg vom Kometen zu der Galaxie, und sie ist fast in der Mitte des Chips. Die Aufstellung ist mir heute gut gelungen! Dafür spinnt sich STAR2000 gehörig aus. Ich wähle den Kern von NGC5195, dem Begleiter, als Leitstern, und eine zeitlang geht das ja gut, aber dann beginnt STAR2000, Firugen zu zeichnen - eine Hysterese, offenbar von den lästigen rasenden Hot Pixels ausgelöst, die irgendwo auf dem Weg zwischen Kamere und Laptop entstehen und immer dann lästig werden, wenn sich im Computer etwas ein- oder ausschaltet.

Stern?
Soll das ein Stern sein?
I am not amused ...

Drei Aufnahmen zu je 3 Minuten Belichtungszeit sind aber ganz brauchbar und zum Glück gibt es den Maximum-Entropie-Filter, mit dem man solche Fehler wegrechnen kann. Einfach die Point Spread Function bestimmen (also sagen, das komische Muster soll eigentlich ein Punkt sein) und laufen lassen, fertig. So wurden seinerzeit die Bilder des Hubble Space Telescope repariert, als die Optik noch nicht korrigiert war.

M51
Das Ergebnis: M51, 3 x 3 Minuten belichtet

Die Sterne sind wegen des ME-Filters leicht überzeichnet, aber der Rest ist sehr schön und die Belichtungszeit lange genug, um die Galaxie deutlich vom Hintergrund zu lösen. Das Auftauchen des ersten Bildes auf dem Schirm, das schon deutlich die Spiralarme zeigt, löst bei einer Kollegin den Entsetzensschrei "Das ist ja unglaublich! Das macht alles nur mehr die Technik!" aus. Tja, wir haben leider keine solchen Augen.

Ich schwenke in den Löwen. Dort verhält sich STAR2000 friedlicher, zumal ich die Empfindlichkeit besteigert habe von 6 Pixel/s auf 9 Pixel/s und statt mit 4x4 mit 2x2 Binning nachführe. Es sollte sich lohnen, die Bilder sind gestochen scharf. Nur eine Aufnahme von M66 verwerfe ich.

M65 M66
Links M65, rechts M66, jeweils 3 x 3 Minuten Belichtungszeit. Die kantenartigen Strukturen am linken und oberen
Bildrand entstehen durch die Überlagerung der drei Aufnahmen und die während der Belichtung aufgetretene Drehung
des Bildfelds. Abgessehen von der durch STAR2000 verursachten "heißen Ecke" links oben ist der Hintergrund sehr
dunkel und die Galaxien kommen deutlich heraus - obwohl der Himmelshintergrund stark aufgehellt war.

Jetzt habe auch ich genug und baue ab, als einer der letzten verlasse ich die Sofienalpe, mit der Erinnerung an eine sehr schöne, ereignisreiche Star Party.

Fazit: Gemeinsam macht es doch viel mehr Spaß!