CCD-Abend, C/2002 C1

Sofienalpe, 07. 04. 2002

20020407api19.html

Beobachter: Alexander Pikhard
e-Mail: apikhard@utanet.at
Datum: 07. 04. 2002
Zeit: 19.30 bis 22.30 MESZ
Ort: Sofienalpe
Instrument: 12" Meade LX-200, StarlightXpress MX916 mit 50mm und 135mm Objektiv und am LX-200. Olympus Camedia C-3000.
Bedingungen:

Durchsicht: 1+
Freis. vis. Grenzgröße: 5.0
Aufhellung: 2 Seeing: 2

Wind: kein
 
Temperatur: 0 °C Luftfeuchtigkeit:

Sonstige Bemerkungen: Sehr klar, aber auch sehr kalt.

Bericht: Ein unglaublich klarer Nachmittag kündigt einen unerwarteten Beobachtungsabend an; und tatsächlich, das Wetter hält, und so zieht es mich wieder einmal auf die Sofienalpe. Nach dem Motto, lange nicht dagewesen ... Anderen dürfte es genauso ergehen, und so finden sich auch Bernhard Dewath und Hans Peter Müllner ein, ebenso Ludwig Grandy, etwas später auch Anneliese Haika. Alle frieren, denn an dem klaren Abend wird es leider empfindlich kalt. Zum Glück geht kein Wind.

Der Abend beginnt wieder einmal mit einem makellosen Sonnenuntergang...

Bild 1

Eifrigen Lesern unserer Berichte müßte eigentlich etwas auffallen, oder? Ich nehme den Sonnenuntergang immer von der gleichen Stelle aus auf. Man vergleiche einmal das Bild mit jenem der vergangenen Abende, ein, zwei Wochen zuvor. Na, was hat sich da verändert???

Es sind die Nächte des großen Planetenreigens, auch wenn Merkur noch fehlt. Auf Hans-Peters Montierung fotografiere ich das Geschehen mit 16 Sekunden Belichtungszeit bei 400 ASA und f/2.8 Äquivalent.

Bild 2
Was für ein Anblick! Wie aufgefädelt stehen die vier hellen Planeten da, vor dem Hintergrund der Wintersternbilder, die sich langsam im Westen dem Untergang entgegen neigen. Und es ist noch Platz, wenn in ein paar Tagen Merkur auch noch dazu kommt!

Bild 2a

Die kleine Grafik dient zur Orientierung.

Doch jetzt zum Kometen. Zunächst mache ich mit der Digitalkamera ein Bild, das am ehesten den Eindruck mit freiem Auge wiedergibt (gleiche Einstellungen wie beim Bild oben):

Bild 2b
Komet Ikeya-Zhang unterhalb der Cassiopeia, mit deutlichem Schweif

Jetzt mache ich mich mit der CCD-Kamera ans Werk, zunächst mit einem 50mm Normalobjektiv (10° x 7,5° Feld); auf der Fotobörse habe ich heute günstig ein 135mm Tele erworben, das nach First Light schreit. Es hat mit der MX916 ein Feld von 3,7° x 2,8° und ich werde daher im Hochformat arbeiten.

Bild 3
Komet Ikeya-Zhang, oben 2 Minuten mit 50mm
f/2.8, rechts eine Minute mit 135mm f/2.8.
Die optische Qualität des um 18 € erstandenen
Objektivs ist sehr gut.
Bild 4

Deutlich erkennt man den breit gefächerten Schweif, der auch im Feldstecher deutlich gebogen erscheint. Im Fernrohr erscheint der Kopf des Kometen nach wie vor intensiv türkis gefärbt. Auch einige Spaziergänger und ein zufällig vorbeigekommener Beobachter aus Linz sind vom Kometen beeindruckt.

Ich muß das Teleobjektiv noch an ein paar anderen Motiven ausprobieren und belichte mit der CCD-Kamera:

Bild 5 Bild 6
links Pleiaden, 3 Minuten, rechts h + Chi im Perseus, 2 Minuten

Bild 7
M37, 2 Minuten

Trotz der Kälte wage ich dann noch ein Experiment. Die CCD-Kamera wandert in den Fokus des LX-200, und zwar bei vollen 3m Brennweite. M65 ist das Ziel, und hier das Ergebnis, ein Komposit aus vier Aufnahmen zu je 3 Minuten Belichtungszeit:

Bild 8

STAR2000 hat sich bei 3m überraschend gut gehalten, keine der vier Aufnahmen weist auch nur den geringsten Nachführfehler auf. 3 Minuten war ein Kompromiß wegen der Bildfelddrehung und der Himmelsaufhellung. Trotzdem muß in in Zukunft die heiße Ecke wegbekommen. Ein Dunkelstrombild und eine spezielle Software werden das möglich machen.

Zum Abschluß - schon nach dem Abbau der aufwendigen CCD-Technik - überredet mich Hans Peter noch zu einer visuellen Tour, die sich auch durchaus lohnt. Bei den guten Bedingungen geben M65, M66, NGC 2903, M3 und M13 sehr lohnende Objekte ab. Ja, M13 ist wieder da! Aber jetzt sind wir erforen, der endgültige Abbau muß stattfinden, so lange die Finger noch irgendwie bewegt werden können.

Fazit: Eine unerwartete Beobachtungsnacht, eine tolle Beobachtungsnacht, wieder viel gelernt, also: schön war's!