CCD-Abend, Planetenreigen und zwei Kometen

Sofienalpe, 30. 04. 2002

20020430api20.html

Beobachter: Alexander Pikhard
e-Mail: apikhard@utanet.at
Datum: 30. 04. 2002
Zeit: 20.00 bis 23.00 MESZ
Ort: Sofienalpe
Instrument: 12" Meade LX-200, StarlightXpress MX916 mit 50mm und 135mm Objektiv und am LX-200. Olympus Camedia C-3000.
Bedingungen:

Durchsicht: 1+
Freis. vis. Grenzgröße: 5.0
Aufhellung: 2 Seeing: 2

Wind: wenig
 
Temperatur: 10 °C Luftfeuchtigkeit:

Sonstige Bemerkungen: Sehr klar, mild

Bericht: Endlich hat das lange Warten ein Ende, die Natur zeigt sich einsichtig und gewährt uns Freizeitastronomen endlich einen Blick zum Himmel, wo sich derzeit ja unglaubliches abspielt: Alle fünf mit freiem Auge sichtbaren Planeten am Abendhimmel und noch dazu zwei Kometen, was will man mehr?

Eigenartig, daß ich zunächst der einzige Beobachter mit einem größeren Instrument hier bin, ein Gast gesellt sich bald hinzu mit einem ETX, ein weiterer mit einem Swarowski-Spektiv. Bald säumen auch viele Schaulustige die Wiese, unser Fernsehauftritt in Wien Heute zeigt noch immer Wirkung. Es kommt Stimmung auf wie auf einer Volkssternwarte, eine junge Besucherin rät mir - sehr zum Protest ihrer Begleiter ("Bring ihn nicht auf dumme Gedanken!") - Eintritt zu verlangen. Was ich nicht mache, hier auf freiem Feld.

Erster "Star" ist Merkur, schon in der Dämmerung gut im Fernrohr und dann auch mit freiem Auge zu sehen. Der Vollständigkeit halber ein Schnappschuß durch das Fernrohr (1/60s bei 400 ASA äquivalent), zeigt die von Seeing und Brechung zerrüttete kleine Sichel des Planeten.

Merkur

Mit fortschreitender Dämmerung wird der Planetenreigen immer kompletter, ein traumhafter Anblick, da ja auch noch viele helle Wintersterne im Westen zu sehen sind. Gegen 21.30 Uhr ist es perfekt. Und ein Bild sagt mehr als 1000 Worte:

Der große Planetenreigen
Aufnahme um 21.27 Uhr MESZ, Digicam, äquivalent zu 400 ASA, f=28mm, 8 Sekunden

In der Aufnahme steht Jupiter hoch links oben in den Zwillingen, darüber noch Pollux (links) und Castor (rechts). Links unterhalb von Jupiter steht Alhena (Gamma Geminorum) und tief links unten im Bild Procyon. Rechts oben der Fuhrmann mit Capella. Und unten, rechts von der Mitte, der Planetenreigen mit Merkur, Venus, Mars und Saturn sowie Aldebaran und den Pleiaden. Davon eine Detailaufnahme (äquivalent 90mm).

Planetenreigen (Detail)  Legende
Die vier eng beisammen stehenden Planeten Merkur, Venus, Mars und Saturn

Jetzt sehen wir endlich diesen tollen Planetenreigen, doch Eile ist angesagt, denn ein schwacher Komet befindet sich auch noch in unmittelbarer Nähe der Planeten, C/2002 F1 (Utsunomiya). Visuell ist im Fernrohr nichts zu erkennen (6mag bei nur wenigen Grad Höhe in der Dämmerung ist nicht zu schaffen), also muß die CCD-Kamera ran. Mit 135mm Tele in die Dämmerung, mehr als eine Sekunde Belichtungszeit ist da nicht drin.

Auf der Aufnahme erkenne ich gar nichts, doch wozu gibt es TheSky?

C/2002 F1
Unglaublich, aber das kleine Ding ist ein Komet ...

So gelingt es mir, nachträglich den kleinen Kometen zu identifizieren. Er mußte einfach auf der Aufnahme drauf sein. Kaum zu erkennen, aber immerhin meine erste CCD-Aufnahme mit Landschaft! Auch nicht schlecht ...

Langsam gehen die Planeten unter, und die noch immer zahlreich anwesenden Gäste wollen IHN sehen - Ikeya-Zhang! Die meisten suchen in der falschen Richtung, denn während der vergangenen Wochen mit schlechtem Wetter ist er von Norden nach Osten abgezogen -- und steht unglaublich hoch! Daher ist sein Anblick, trotz gesunkener Helligkeit, viel schöner geworden.

C/2002 C1  C/2002 C1
Ikeya-Zhang, links mit 135mm Tele, 60 Sekunden, rechts mit LX-200 bei F=3000mm, 20 Sekunden

Die Perspektive hat sich verändert. Wir sehen den Kometen mehr "von vorne", der Schweif ist kurz und breit gefächert, ein dünner, langer Gasschweif ist auffällig. Die Coma wirkt viel größer als früher, um den Kern erkennt man einige Details.

Den Abschluß des Abends macht eine visuelle Führung durch die schönsten Objekte am Frühlungshimmel. Hier zeigt sich, was für eine traumhafte Nacht wir haben. Auch unsere Gäste, die zum Teil zu ersten Mal durch ein Fernrohr schauen, sehen Galaxien deutlich und können sogar die Spiralarme von M51 ansatzweise erkennen. Die größte Begeisterung ruft aber der Sombrero-Nebel hervor: "Wie eine fliegende Untertasse!".

Die Objekte: M13 (ein Traum!), M3 (eigentlich noch besser), NGC 6543 (klein, aber oho), M65 und M66 (auf einen Blick), M104, NGC 4565, M51.

Ein traumhafter Abend!