Beobachtungsabend

Sofienalpe, 17. 05. 2002

20020517api20.html

Beobachter: Alexander Pikhard
e-Mail: apikhard@utanet.at
Datum: 17. 05. 2002
Zeit: 20.00 bis 22.45 MESZ
Ort: Sofienalpe
Instrument: 12" Meade LX-200, Olympus Camedia C-3000.
Bedingungen:

Durchsicht: 1-2
Freis. vis. Grenzgröße: 4.5
Aufhellung: 3 (Mond)
Seeing: 1-2

Wind: kein
 
Temperatur: 20 °C


Sonstige Bemerkungen: zeitweise stark bewölkt

Bericht: Rasch noch vor der angekündigten Front beobachten - das denken sich an diesem Abend wohl einige, denn es herrscht reges Treiben auf der Sofienalpe. Laute Disco-Musik liegt in der Luft, im nahegelegenen Hotel wird eine lateinamerikanische Hochzeit gefeiert. Sie übertönt die kitschig-laue Sommerabendstimmung mit Grillengezirpe und Vogelgezwitschere.

Als ich aufbaue, ist es wolkenlos, und die meisten neugierigen Spaziergänge reißt der Blick zum Mond zu Begeisterungsstürmen hin. Ich bin also wieder als mobile Volkssternwarte unterwegs. Und wie war das mit dem zunehmenden Mond im Frühjahr - die beste Gelegenheit, Laien für Astronomie zu begeistern? Genau! Im nächsten Jahr werden wir um diese Jahreszeit (hoffentlich) den ersten österreichweiten Astronomietag begehen ...

Die ersten anderen Beobachter trudeln ein, und am Westhorizont bilden sich kleine, aber sehr dunkle Wolken. Als alle da sind, ist es ziemlich zugezogen. Ob Hans-Peter das Wetter verhext hat?

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Zunächst ein (fast) makelloser Sonnenuntergang, dann ziehen dunkle Wolken auf

Aber eines muß man sagen: Die laue Stimmung, der Mond, der die Wolken in ein unheimliches Licht taucht und dann und wann aus einem Wolkenloch die Gegend erhellt, die Naturgeräusche (auch wenn sie von der lauten Musik übertönt werden), das ist schon ein sehr schönes Naturschauspiel. Dann und wann brechen Venus und Jupiter durch ein Wolkenloch, und es gibt auch längere schöne Phasen, in denen ich mich vor allem dem Mond widme.

Zunächst, in der Dämmerung, besuche ich noch einmal die vier verbliebenen Planeten. Venus, viel zu hell für Details; Mars, recht lächerlich. Saturn, in der Dämmerung kaum mehr auszumachen, eine Karrikatur seiner selbst. Und Jupiter, ja, der ist noch gut. Sogar der Schattenvorübergang von Europa ist klar zu sehen und es gelingt mir, trotz geringer Höhe, sogar ein Foto davon.

Jupiter, Europa und Schatten
Jupiter, Europa und Schatten

Der Baader-Adapter und die Fernbedienung der C-3000 bewähren sich enorm, und beim Mond geht's erst so richtig los. Das Seeing ist bis zu einem gewissen Punkt gegen 22.20 Uhr sehr gut, dann wird es schlagartig schlecht, die Front rückt näher. Bis dahin allerdings gelingen mir die schärfsten Mondaufnahmen, die ich je meinem 12" LX-200 entlocken konnte:

Mond, ganz
Ganzer Mond, 50mm Plössl, 1/50s bei 100 ASA äquivalent

Wunderschön kommt in dieser Phase die Gegend um das Kratertrio Theophyllus, Cyrillus und Katharina heraus, das vom hell beleuchteten Bogen des Altai-Abhangs umsäimt wird. Sehr schön auch im Norden die beiden jungen Krater Aristoteles und Eudoxus und direkt am Terminator die Ariadaeus-Rille. Im Süden ist Maurolycus der prominenteste Krater mit seinem auffälligen Zentralgebirge.

Die nachfolgenden Aufnahmen wurden alle durch ein 36mm Plössl-Okular gemacht.

Maurolycus
Maurolycus, im Norden Gemma Frisius (l.o.) mit dem tief im Schatten liegenden
Kraterboden, im S an Maurolycus anschliessend Barocius. Seitenverkehrt. 1/10s

Delambre
S-Rand des Mare Tranquillitatis (l.o.) mit Delambre (l. Mitte). 1/20s

Aristoteles und Eudoxus
Aristoteles und Eudoxus, darunter der Ansatz des Kaukasus-Gebirges. 1/20s

Theophilus, Cyrillus und Kattharina
Theophilus, Cyrillus und Katharina. 1/20s

Sacrobosco
Sacrobosco (Mitte), Altau (l. unten) und die hauchdünne Abulfed-Rille (o.). 1/20s

Südspitze
Die Südspitze des Mondes mit isolierten Gipfeln im Sonnenlicht. 1/20s

Manchmal durchziehen doppelbildartige Wellen und Schlieren die Bilder - eine Folge von Seeing-Zellen.

Die ersten Beobachter bauen ihre Instrumente wieder ab, die Wolkenlöcher werden mehr und größer. Wie in einem Freilufttheater warten wir auf einen Iridium-Flare mit -7mag, der sogar durch die Wolken scheint. Die Wolken werden noch weniger. Jetzt kommt der S und SE wieder heraus, also ein Blick auf ein paar Deep Sky-Objekte: M3, M13, M57 sind recht nett. Doch auch wenn der Mond durch Wolken verdeckt ist, der Himmel ist merklich aufgehellt und der Kontrast gering.

Schließlich noch ein Blick zum Kometen Ikeya-Zhang. Das Mondlicht macht ihm zu schaffen, er ist zwar immer noch sehr deutlich -- und sehr groß --, doch schon merklich schwächer. Ein heller, sternartiger Kernbereich ist deutlich, ansonsten eine große, diffuse Hülle ohne Schweif.

Jetzt ist es zwar wieder sehr klar, doch mangels Objekten baue ich auch ab; als letzter Beobachter. Alle anderen haben schon abgebaut, und als auch mein Instrumente verstaut ist, ist es -- wolkenlos.

Alles in allem trotz Wolkenfeldern ein sehr stimmungsvoller Beobachtungsabend mit jeder Menge Spaß, einer kitschig-schönen Sommerstimmung und einem Hauch von Urlaubsromantik durch die karibischen Klänge aus dem Hintergrund ...