| Beobachter: | Alexander Pikhard | ||||||||||||||||||||
| e-Mail: | apikhard@utanet.at | ||||||||||||||||||||
| Datum: | 13./14. 06. 2002 | ||||||||||||||||||||
| Zeit: | 23.50 - 01.15 MESZ | ||||||||||||||||||||
| Ort: | Litschau (Waldviertel), | ||||||||||||||||||||
| Instrument: | 12" Meade LX-200 | ||||||||||||||||||||
| Bedingungen: |
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| Bericht: | Im Rahmen einer Veranstaltung meiner Firma spricht sich irgendwie herum,
daß ich meine astronomische Ausrüstung im Auto habe (schon für
das bevorstehende Seminar- und Beobachtungswochenende in Mariazell), und
so bitten mich einige Kolleginnen und Kollegen angesichts des klaren Himmels
und trotz der späten Stunde um eine kurze Sternführung. Für
mich eine willkommene Gelegenheit, wieder etwas Praxis im Präsentieren
des Sternenhimmels und Erfahrungen dabei zu sammeln.
Interessant natürlich der Umstand, das unter wirklich guten Bedingungen zu machen, denn obwohl wir uns am Ortsrand von Litschau befinden, ist die Lichtverschmutzung so gut wie kein Thema, die Milchstraße klar und deutlich zu sehen, also ganz andere Verhältnisse als in der Stadt. Das ermöglicht natürlich einen etwas anderen Führungsaufbau. Die Einleitung sollte ein "Reißer" sein, also etwas, das die Aufmerksamkeit fesselt. Nichts schlimmer als ein ernüchternder erster Blick. Mangels Mond und Planeten entschließe ich mich für Albireo. Die Reaktion ist allerdings eher enttäuschend, denn vor allem die Farben der beiden Sterne werden, obwohl im 12" mit 40mm Pentax-Okular nicht zu übersehen, gar nicht so leicht wahrgenommen. Viele brauchen einen zweiten Blick und Anleitung. Es stellt sich noch ein Phänomen heraus, das auch in Sky&Telescope jüngst beschrieben wurde: Vielen Menschen, vor allem Kindern, aber auch Erwachsenen, fehlt die Vorstellung, wie man richtig durch ein Fernrohr schaut. Fast niemand findet die optische Achse und so geht der erste Blick, trotz 65° Gesichtsfeld, ins Leere. Ein noch größeres wahres Gesichtsfeld beim Okular hätte dann den gegenteiligen Effekt: Das eigentliche Beobachtungsobjekt wird nicht gesehen. Also doch zur Vega. Jetzt habe ich meinen "Eye-catcher". Die Reaktionen sind umwerfend, der helle, strahlende Stern begeistert alle, mit all seinen Artefakten (Strahlen, Flimmern), die durch Atmosphäre, Fernrohr und in unserem Auge entstehen. Anhand der Vega beginne ich eine kurze Erläuterung, was denn ein Stern ist, was die Zuhörer glauben können oder auch nicht. Bei solchen Themen kommt es einzig und allein drauf an, wie überzeugend man die Inhalte vermitteln kann. Das Fernrohr tritt in den Hintergrund, der Präsentator in den Vordergrund. Gut, daß ein wenig Licht von einer entfernten Laterne auf die Szene fällt, ich muß ein Sternmodell mit Gestik darstellen. Besser und weniger störend als würde ich ein Bild präsentieren. Jetzt habe ich die Gruppe für das Thema gewonnen. Nun ein mutiges Experiment. Ich wähle als Route für die Führung, die Geschichte eines Sterns wie Vega zu erzählen, und die beginnt mit der Entstehung. Mit UHC-Filter im 40mm Pentax bewaffnet steuere ich zu M17, dem Omega-Nebel. Bei Führungen in Stadtnähe würde ich davon abraten. Ich sehe das Objekt klar und deutlich, die berühmte Entenform ist gut zu erkennen. Für mich ... Die Einleitung, daß es jetzt schwieriger wird, wird verstanden. Ich drehe das Okular so, daß jeder einen möglichst waagrechten Einblick hat. Und zu meiner großen Überraschung erkennen die meisten das Objekt auf Anhieb. Zunächst nur als "etwas". Ich ermuntere, länger durchzuschauen. Und ja, bald haben alle die Entenform erkannt. Warum Entenform? Eine Laune der Natur, Chaos in der Ordnung. Nicht alles im Weltall ist wohlgeregelt. Auch eine wichtige Botschaft. Jetzt kann ich erläutern, wie Sterne entstehen. Wieder primär mit Gesten und Worten. Nach der Entstehung der Sterne zum anderen Ende der Entwicklung, zum Ende, und hier ist der Ringnebel in der Leier, M57, das ideale Objekt. Er ist im 21mm Pentax-Okular unfair hell. So verwundert es nicht, daß die Reaktionen auf dieses Objekt auch umwerfend sind. Ein sterbender Stern, der sich scheinbar wie ein Rauchring im Weltall auflöst - und man kann das wirklich sehen! Jetzt ist einmal eine Verschnaufpause angesagt, denn das Durchschauen durch ein Fernrohr ist anstrengend. Also wenden wir uns der Milchstraße zu. Mit unserem SkyPointer, einen sehr hellen, grünen, getakteten Laser, kann ich gut die wichtigsten Formationen zeigen und die Lage des Zentrums, den Sagittarius-Arm, unseren lokalen Orion-Arm und auch den Perseus-Arm zeigen. Tja, das geht in Stadtnähe leider auch nicht. Daß die Milchstraße aus lauter Sternen besteht, ist schnell demonstriert. Ich schwenke das Fernrohr in die Schildwolke und lasse durchschauen. Wieder großes Erstaunen. So viele Sterne! Ein paar Worte über die Größe der Milchstraße, aber hier kommen wir als Gruppe gemeinsam zum Schluß, daß das eigentlich nicht mehr vorstellbar ist. Es wird Zeit, Raum und Zeit einzuführen, um von Zahlen wegzukommen. Die bringen eigentlich nichts hier, obwohl sie immer wieder gefragt werden ("Wie weit ist das jetzt entfernt?"). Und vor allem fällt die Frage nach einer Grenze des Weltalls. Ich schwenke zu M51. Schwierig, für mich ganz deutlich zu sehen. Aber unsere Augen sind ja jetzt auch schon gut an die Dunkelheit gewöhnt. Es bewahrheitet sich ja doch: Am Fernrohr hat keine Lichtquelle entwas verloren. Bei einer Sternführung gibts nur den Sternenhimmel und gesprochene Worte, Gesten im gedämpften Licht gehen auch noch. Wie sehr würde jetzt ein Dia oder etwas ähnliches die Stimmung zerstören ... M51 wird gut erkannt, als zwei diffuse Flecken, die Spiralarme sehe nur ich, lege aber gar keinen Wert darauf, denn es geht ja nur ums Sehen. "Wie weit ist das jetzt entfernt?" Mit der Frage habe ich gerechnet. Die Antwort kommt zunächst als Zahl - ein Raunen geht durch die Gruppe, Millionen von irgenwas kann sich keiner vorstellen, weder Geld, noch Äpfel und Birnen, schon gar nicht Lichtjahre. Also sammle ich die Gruppe wieder um mich, um anhand heller Sterne zu erklären, wann sich das Licht, das uns jetzt erreicht, auf den Weg gemacht hat. Vega - da kamen viele aus der Gruppe gerade auf die Welt. Deneb - zur Blütezeit im alten Ägypten. Die Milchstraße, die wir sehen - da haben wir gerade Höhlenzeichnungen gemacht. Und M51??? "Ja gibt's denn den überhaupt noch?" Auch auf die Frage habe ich gewartet. Ich antworte lapidar, daß einer Galaxie ein paar Millionen Jahre nichts anhaben können, daß die Frage aber doch berechtigt ist. Dann frage ich. "Was fällt Euch am Himmel eigentlich auf?" - Zunächst Verwunderung. "Sterne!" - nein, die meine ich nicht. "Die Milchstraße!" - nein, die meine ich auch nicht. Schweigen. Längeres schweigen. Dann endlich: "Es ist finster!" - Bingo! Ich frage zurück: "Warum?". Jetzt herrscht Verwirrung. Was will er? Mit der Frage, ob denn M51 überhaupt noch existiert, kann ich das Problem der Lichtgeschwindigkeit aufrollen. Der Himmel ist schwarz, weil wir so weit in die Vergangenheit blicken, daß es noch kein Licht gibt! Das leuchtet ein. Langes, ehrfürchtiges Schweigen unterm Sternenhimmel. Ich muß, auch das ist eine wichtige didaktische Grundregel für Sternführungen, die Gruppe zurückführen. Ich mache das mit einem schönen Objekt, das ich gar nicht besonders erläutere - genau so kündige ich es auch an - nämlich M13. Der Anblick der unzähligen funkelnden Sterne lockert die Beklemmung angesichts der Größe des Universums, und wir können unbeschwert die Führung ausklingen lassen. Als Draufgabe gibt's noch den Kometen Ikeya-Zhang, doch er ist schon recht schwach und diffus geworden. Fazit:
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