| Beobachter: | Alexander Pikhard, Anneliese Haika, Michael Premlecher mit eigenem
Instument, anfangs noch Renate Weiland und Bernhard Dewath |
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| e-Mail: | apikhard@utanet.at
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| Datum: | 30. 06. 2002 |
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| Zeit: | 19.00 bis 23.45 MESZ |
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| Ort: | Sofienalpe |
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| Instrument: | 12" Meade LX-200 |
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| Bedingungen: |
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| Bericht: |
Nach dem ersten Teil des CCD-Seminars warten angesichts der spät einsetzenden Dunkelheit und des bevorstehenden Montags nur wenige auf Praxis, und so bleibt ein kleines Grüppchen zum Sterngucken. 19 Uhr und die Sonne strahlt hoch vom Himmel. Dessen bewußt habe ich die ganze Garnitur zur Sonnenbeobachtung mitgenommen und unsere ersten Blicke gehören unserem Stern.
Im Weißlicht sieht man die beiden größten Gruppen jeweils randnah, was auch schöne Eindrücke vermittelt, vor allem von der Struktur der Flecken (Gruppen 8 und 19 lt. SpaceWeather.com). Gruppe 19 ist übrigens jene große. freisichte Fleckengruppe, die schon während der letzten Rotation gut zu sehen war. Aktuelles Bild siehe hier . Im H-Alpha ist die Sonne eine Wucht. "Keine 20 Grad ohne Protuberanz", bringt es Renate Weiland auf den Punkt. Mindestens drei sehr große Protuberanzen, die sich weit über den Sonnenrand erheben, werden von uns lange beobachtet.
Es wird ein Volksbildungsabend. Schon während der Sonnenbeobachtung zeigen und erklären wir einigen verwunderten Spaziergängern unseren Stern quasi aus der Nähe.
In der hellen Dämmerung, in der wir wieder einmal Venus ins Visier nehmen, wird aus unserer Beobachtungsstation einmal mehr die mobile Volkssternwarte, diesmal aber mit Rekordbesuch; eine ganze Reisegruppe aus England erlebt hier, nach eigenen Worten, den Höhepunkt ihrer Tour durch den "Continent".
Wieder heißt es auf Dunkelheit warten, wieder sind Doppelsterne erstes Ziel; zu Gamma Virginis habe ich dem Bericht vom 25. 6. nichts hinzuzufügen, außer daß das Seeing heute besser ist. Die restlichen Objekte sind Albireo, Epsilon Lyrae, Pi Bootis und vor allem Alpha Herculis, ein selten gezeigter, aber sehr schöner Doppelstern mit deutlichem Farbunterschied. An ihm und auch an Albireo zeigen wir Besuchern, daß die Sterne sehr wohl unterschiedliche Farben haben (wegen der Transparenz der Luft und des guten Seeing klappt das freisichtige mit Arktur und Vega heute nicht so gut). Dann kommen wieder einmal Satelliten dran. Merkregel: Die Uhr des PC muß auf Sekunden oder genauer synchronisiert werden (mit Windows gar nicht so einfach...), zum Glück habe ich eine Funkuhr am Handgelenk. Wir verfolgen unter anderem Envisat und später seine dritte Ariane-Stufe und den chinesischen Satelliten Feng Yung 1D, von dem uns ein chinesischer Gast erklärt, die Worte bedeuten "Wind" und "Wolken", woraus wir schließen, daß es sich um einen Wettersatelliten handeln könnte. Oder doch nicht? Die Satelliten sehen übrigens alle wie Punkte aus, aber es ist beeindruckend, sie durch die mit fortschreitender Dunkelheit immer reicher erscheinenden Sternfelder fliegen zu sehen. Spacig ... Endlich ist es dunkel genug für Deep Sky. M3, M13, M92 machen den Anfang, sehr, sehr beeindruckend. Dann M57. Ruft vor allem bei unseren Gästen Bewunderung hervor. Nach 23.15 Uhr MESZ ist es endlich so dunkel, daß ich, mit O-III-Filter am 40mm Pentax-Okular bewaffnet, auf Nebeljagd gehe. M8 , na ja. Vorhanden, recht deutlich sogar, aber wenn man ihn kennt ... Er steht nur wenige Grad über der Lichtglocke von Wien. M17, schon viel, viel besser. Deutlich sind Strukturen zu erkennen. Warum sind wir eingentlich nicht auf die Ebenwaldhöhe gefahren? Zeit wäre nach dem Seminar genug gewesen... Aber es ist lustiger hier. Es macht uns großen Spaß, den vielen Spaziergängern den Himmel zu erklären. Doch höher hinauf. M27 ist sehr deutlich und hell, mit schönen Stukturen. Das macht Mut auf mehr und in der Tat sind auch die schwierigeren Nebel kein Problem und recht deutlich: Cirrus Nebel ( NGC 6960 und NGC 6992-5) und Crescent-Nebel (NGC 6888) sind ohne Probleme zu erkennen. Den Abschluß bilden, wieder ohne Filter, M5 und der
Komet C/2002 C1 (Ikeya-Zhang). Die beide Objekte stehen nach beisammen,
doch der Komet ist schon so schwach, daß er kaum mehr zu sehen ist. Ein erlebnisreicher und sehr schöner Sternabend. Vielleicht
ist das auch die beste Art, Astronomie zu vermitteln: Im Feld am lebenden
Objekt... |
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