| Beobachter: | Dr. Thomas Schröfl | ||||||||||||||||||||||
| e-Mail: | schroefl@via.at | ||||||||||||||||||||||
| Datum: | 27. 07. 2002 | ||||||||||||||||||||||
| Zeit: | 22.00 MESZ | ||||||||||||||||||||||
| Ort: | Edlach/Rax
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| Instrument: | NexStar11GPS | ||||||||||||||||||||||
| Bedingungen: |
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| Bericht: |
Samstag gegen Abend hat Petrus endlich Einsehen für astronomische Bedürfnissen. Die Bewölkung reißt auf und gegen 22:00 ist es völlig klar und sogar unerwartet gutes Seeing. Es gilt die Zeit zu nützen, denn auch wenn der Mond erst gegen Mitternacht über dem Kreuzberg aufgeht, seine Aufhellung im SO ist schon einige Zeit vorher zu bemerken. Ein Wochenende mit meiner 6-jährigen Tochter ohne Kindermädchen ließ mir keine Zeit einen Beobachtungsplan vorzubereiten, sodaß ich beschließe erstmals das Tour-Menue bzw. die Objektliste zu benützen und mich überraschen zu lassen was da denn kommt. Wie wahr eine Überraschung. Welchem Programmiererhirn kann es einfallen bei einem SCT mit 2800mm Brennweite und einem maximalen FOV von 52min Objekte mit mehr als 2 Grad anzubieten? Weiteres Manko: viele Objekte werden mit englischen Eigennamen, die in unseren Breiten nicht geläufig sind, ohne irgendeinen Querverweis auf einen gängigen Katalog angeführt (z.B. Kite Cluster in Cassiopeia übrigens ein eher unscheinbarer OC). Ich beginne bei Polaris, der sich sehr gut trennen läßt, gleichzeitig ein Anlaß meine Nordmarkierung in der Kuppel exakt anzubringen. Albireo ist, was das Trennen betrifft, keine Herausforderung, aber in seiner gelben und blauen Farbenpracht jedesmal ein Vergnügen. Das alphabetisch geordnete Tour-Menue bietet als erstes Objekt die Andromeda Galaxie M 31 an. Ihr recht tiefer Stand im Osten mit der Aufhellung von Wien bis Gloggnitz und die beginnende Mondaufhellung lassen aufs erste nur das Zentrum erkennen. Mit dem Skyglow-Filter und indirektem Sehen läßt sich andeutungsweise ihr wahres Ausmaß erahnen. Vielleicht ergibt sich im Urlaub auf der Gerlitzen mit dem Refraktor und seinem großen Gesichtsfeld eine Möglichkeit die wahren Ausmaße visuell zu erfassen. Weiter führt das Programm zum Blinking Plan NGC 6826 und Blue Snowball NGC 7662 zwei PN, letzterer zeigt wirklich einen leichten bläulichen Schimmer. Unter der Bezeichnung Bode+s Nebula wird die Galaxie M 81 geführt. Hier machen sich leider noch die Reste der Abenddämmerung störend bemerkbar. Gegen den noch aufgehellten Hintergrund ist nur ein nebeliges kleines Scheibchen zu erkennen. Cat+s Eye der PN NGC 6543 sieht im 11 Zoll doch etwas anders aus als die berühmte Hubble-Aufnahme. Es müßte interessant sein, ob unter optimalen Bedingungen das Katzenauge zu erkennen ist. Der Dumbbell Nebel M 27 ist das nächste Objekt. Sehr gut zu sehen, bei indirektem Sehen sogar etwas Struktur zu erkennen. Störend bereits die Mondaufhellung, auch bei den folgenden M 8 und M 16. Während das Zentrum von M 16 noch gut sichtbar ist, läßt sich der Lagunennebel nur mehr mit Phantasie erahnen. In diesem visuellen Grenzbereich frage ich mich schon öfters: sieht man wirklich etwas oder sieht man etwas nur weil man es sehen will. Beim Trifidnebel läßt sich mit dem UHC ganz schwach die Teilung erkennen. Ein herrlicher Anblick, weil hier die Aufhellung praktisch keine Rolle spielt ist M 11, für mich bis jetzt der schönste offene Sternhaufen, der mir ins Okular gekommen ist. Nun folgen wiederum einige Doppelsterne, eta cass., gut zu trennen von seinem deutlich schwächeren 12sec entfernten Begleiter, psi pisc. ein System gleicher Magnitude mit eine Abstand von 30sec, während Almach mit 10sec gerade noch trennbar ist. Abschluß einer recht kurzen Beobachtungsnacht sind h u. chi pers. Und ein kurzer Blick zum Mond, der nach einigen Minuten hinter aufziehender Bewölkung und Bäumen verschwindet, aber meinen Eindruck vom heute guten Seeing bestätigt.
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