Beobachtungs- und Fotonacht
Hakos-Gästefarm, Namibia, 13./14. 07. 2002
CCD-Galerie, 9.-14. Juli
Foto-Galerie, 9.-14. Juli
17.23 Uhr Ortszeit; noch bei Tageslicht mache ich drei Mondfotos am C8
bei f/6.3 auf 200 ASA Kodak Diafilm:
- Aufnahme 1, 1/30 Sekunde
[28]
- Aufnahme 2, 1/60 Sekunde
[29]
- Aufnahme 3, 1/125 Sekunde [30]
Meine Fotorechenscheibe hatte 1/60 ausgewiesen, daher diese drei Belichtungen.
Regulus, Venus und Mond
19.13 Uhr; Durchsicht 1++ (leichter Dunst am Horizont, durch aufgewirbelten
Sand aus der Namib, denn untertags tobte ein ziemlich heftiger Sturm), Aufhellung
zunächst mondbedingt, aber nicht störend (die Milchstraße
ist reich strukturiert) 1+, Seeing 1-2, +14°C und jetzt praktisch windstill.
Eine traumhafte Abendstimmung: Die dünne Sichel des Mondes - mit deutlichem
aschgrauen Licht - steht dicht bei der Venus. Ich mache drei weitere Aufnahmen
von Mond auf Diafilm:
- Aufnahme 4, 4 Sekunden (für aschgraues Licht) [31]
- Aufnahme 5, 8 Sekunden (für aschgraues Licht)
[32]
- Aufnahme 6, 1/60 Sekunde (für Terminator)
[33]
Aufnahmen siehe Foto-Galerie, durchgestrichene Nummern wurden
nicht veröffentlicht.
Bevor ich mit den CCD-Aufnahmen beginne noch ein paar visuelle Beobachtungen:
- Gamma Velorum, 4" Vixen, 26mm Plössl: Schön getrennt, leichter
Farbunterschied weiß/bläulich, dritte Komponente deutlich. 10,5mm
Pentax: Jetzt ist auch eine vierte Komponente zu sehen. Angeordnet wie ein
"Y". Die hellere Komponente erscheint jetzt gelblich. Seeing in der geringen
Höhe allerdings schon recht schlecht.
- Mond, C8 f/6.3, 40mm Pentax: Sehr schöne Terminatorstrukturen
und praktisch alle bekannten Albedostrukturen auf der dunklen Seite. Ein
sehr schöner Anblick.
- Alpha Crucis, 4" Vixen, 10,5mm Pentax: Sehr gut aufgelöst, zwei
helle bläuliche Komponeten dich beisammen und eine dritte, etwas abseits,
bildet ein sehr schlankes gleichschenkeliges Dreieck.
- NGC 2516, 4" Vixen, 35mm Superplössl: Heute mit etwas weniger
deutlichen Farben, aber sehr schön.
Wieder halten wir eine Sternführung, diesmal für die Hausherrin
Waltraud Straube; zunächst wieder Sternentwicklung mit den Objekten Eta
Carinae-Nebel und M8, dann M7, dann freisichtig einige helle, markante Sterne
und schließlich -- M57! Als Draufgabe noch den sehr stark vergrößerten
Eta Carinae (C8 f/10, 10,5mm Pentax), um die Lobes (mit Strukturen!) zu erkennen.
Dann erläutern wir die Struktur der Milchstraße, wobei sich der
vergleichende Blick freisichtig zur Milchstraße und im Fernrohr zu
M104 als didaktisch ganz einmalig herausstellt - das geht halt nur hier.
Als krönender Abschluß natürlich wieder Omega Centauri.
- NGC 3293, 4" Vixen, 26mm Plössl: Sehr schön, deutlich vom
Hintergrund abgehoben, sehr feine, klare Sterne, auch hier einige Farben
zu erkennen.
- NGC 3114, 4" Vixen, 26mm Plössl: 1/2 Gesichtsfeld, hebt sich
nicht sehr deutlich vom Hintergrund ab, sehr helle Sterne und einige markante
Sternreihen.
- NGC 3918 "Blue Planetary", 4" Vixen, 10,5mm Pentax: Sehr klein, rund,
diffus, bei indirektem Sehen um das kleine, helle Zentrum eine ausladende
runde, schwache Hülle. Blau.
- NGC 3766, 4" Vixen, 26mm Plössl: OC in einer sehr reichen Milchstraßengegend,
bei indirektem Sehen einige Dunkelwolken, sehr dicht, hebt sich sehr gut vom
Milchstraßenhintergrund ab, sehr reich, fast diffus hinterlegt, indirekt
in sehr schwache Sterne aufgelöst. Leicht oval.
- NGC 6025, 4" Vixen, 26mm Plössl: Länglich, sieht aus wie
ein "S" mit einem Querstrich, deutlich, hebt sich gut vom Milchstraßenhintergrund
ab.
- NGC 6087, OC Nor, 4" Vixen, 26mm Plössl: Hebt sich mittelmäßig
vom Hintergrund ab, schon noch deutlich, zerfällt in zwei bis drei Grüppchen
von Sternen, die in diesem Feld dichter beisammen stehen als die restlichen
Hintergrundsterne.
- 47 Tuc, 4" Vixen, 10,5mm Pentax: Indirekt sehr schön aufgelöst
bis weit ins Zentrum, dann diffus mit sehr starker Konzentration. Zeigt nach
außen einige "Arme", also filamentartige Ausläufer.
- Das "berühmte" SMC-Feld um NGC 346 und NGC 371, 4" Vixen, 26mm
Plössl: Die Haufen sind hier nicht aufgelöst und erscheinen als
diffuse Objekte.
Ich konzentriere mich jetzt auf die CCD-Aufnahmen am C8, die Objekte
sind heute M104, Cen A (nochmals), Omega Centauri (mit besserem Fokus), 47
Tucanae (ebenso), NGC 6822 (Sagittarius-Zwerggalaxie mit bemerkenswerten
Details), NGC 6302 (Bug-Nebel), die beiden Kugelsternhaufen M19 und M62 sowie
die beiden Sculptor-Galaxien NGC 55 und NGC 300. Bilder in der
CCD-Galerie
.
Die eingestellten Objekte werden meist auch visuell beobachtet.
- M19, C8 f/6.3, 21mm Pentax: Rund, hell, gut aufgelöst.
- M62, C8 f/6.3, 21mm Pentax: Rund, hell, gut aufgelöst, etwas
schwächer als M19.
- NGC 6302, C8 f/6.3, 21mm Pentax: Sehr deutlich, Form gut zu erkennen.
- NGC 6822, C8 f/6.3, 40mm Pentax: Sehr deutlich bei indirektem Sehen
zu erkennen - daher beschließe ich erst jetzt, sie aufzunehmen.
23.30 Uhr Ortszeit. Die Nacht stellt sich jetzt als die klarste bisher
heraus. Die Milchstraße ist noch reicher strukturiert als in allen Nächten
zuvor. Ich habe mich gefragt, ob die Erinnerung Eindrücke so verzerren
kann, doch es ist wirklich noch eine Steigerung zu den vorangegangenen 8
Nächten möglich. Die Milchstraße strahlt jetzt wirklich wie
eine Neonröhre vom Himmel und die Dunkelwolken sind so reich strukturiert,
daß ich Figuren zu erkennen glaube.
Klassifikation: Durchsicht 1++++, Aufhellung 1++++, das absolute, kaum
erreichbare Maximum.
- NGC 55, C8 f/6.3, 21mm Pentax: Toll! Länglich, leicht strukturiert,
deutliche Mitte.
- NGC 300, C8 f/6.3, 21mm Pentax: Eingebettet zwischen 4 Vordergrundsternen
länglicher, diffuser Kern, sonst keine Strukturen.
00.40 Ortszeit, diesen Anblick muß man einfach festhalten:
- Aufnahme 7, 50mm f/2,8 auf 200 ASA, die Gegend um den Pipe-Nebel, 15
Minuten [35]
Aufnahmen siehe Foto-Galerie, durchgestrichene Nummern wurden
nicht veröffentlicht.
Heute ist definitv die erste wirklich ganz dunkle Nacht ...
Ein "menschliches Rühren" führt zu einer kurzen Zwischenbeobachtung
in den Morgenstunden (5 Uhr Ortszeit): In der frühen Dämmerung steht
Orion, eigenartig geneigt, tief im Osten; der Orionnebel (M42) erscheint im
Feldstecher enorm groß und hell. Nördlich von Orion erhebt sich
der Stier mit Pleiaden und Saturn, hinterlegt von deutlichem Zodiakallicht.
Hoch am Himmel stehen die beiden Magellanschen Wolken.