Beobachtung

Freiluftplanetarium Georgenberg, 10. 08. 2002

20020810apr20.html

Beobachter:Dr. Alexander Probst
 
e-Mail:alexander.probst@vu-wien.ac.at
 
Datum:10. 08. 2002
 
Zeit:20.30 bis 23.30 MESZ
 
Ort:Freiluftplanetarium Georgenberg
 
Instrument:freisichtig
 
Bedingungen:

Durchsicht:3 Freis. vis. Grenzgröße:4.5
Aufhellung:3 Seeing:3
Wind:leicht aus keine Angabe  
Temperatur:20 °C Luftfeuchtigkeit:75 %
Sonstige Bemerkungen:Am südwestlichen Horizont ab Ende der bürgerlichen Dämmerung Wetterleuchten eines fernes Gewitters sichtbar, welches ich jedoch nicht als Frontgewitter, sondern als abendliches Wärmegewitter der sehr feuchtwarmen, labil geschichteten Luft gedeutet habe.


 
Bericht:

Am Samstag, 10. August 2002 war es endlich wieder einmal so weit, dass wir im Freiluftplanetarium am Georgenberg auch wirklich im "Freien" beobachten konnten, und nicht auf Grund zu starker Bewölkung oder anderer widriger Wetterumstände in die Wotrubakirche ausweichen mussten. Zu Beginn war der Bewölkungsgrad 3/4, nur am Westhorizont waren Aufklarungstendenzen erkennbar. Mit Fortschreiten der Zeit klarte es jedoch weitgehend auf, sodass nur mehr der zur Stadt orientierte, sozusagen "uninteresannte" östliche Himmelsbereich mit dichten Schichtwolken bedeckt war (Bewölkungsgrad 1/8). Wunderbar waren die typischen Sommersternbilder mit dem Sommerdreieck sichtbar und ebenfalls für die Besucher beeindruckend die "antagonistische" Stellung des Großen Wagens und des "Himmels-W" zum Himmelpol. Aber nun zu einigen eigenen Beobachtungen, die ich etwas abseits während des Vortrages von Prof. Mucke machen konnte: Um ca. 22.09 MESZ war knapp westlich der Wega ein beeindruckender, so vermute ich, Iridiumflash sichtbar, der eine geschätzte maximale Helligkeit von -1mag aufwies und etwa 8 sec. andauerte.

Entsprechend der Vorausrechnung tauchte am westlichen Horizont um 22.11 MESZ die ISS auf, sie war ab ca. 7° Höhe über dem Horizont bereits als sehr schwacher Lichtpunkt erkennbar. Dann wurde sie leider für ca. 40 Sekunden von einer Wolke bedeckt und schien immer nur für kurze Zeit durch diese, wodurch die Bahn aber leicht verfolgbar war. Danach wurde sie jedoch wieder gut sichtbar und gewann deutlich an Helligkeit und Höhe. Die maximale Helligkeit schätzte ich grob auf 2mag. Im Sternbild des Skorpions verschwand die ISS dann beeindruckend um ca. 22.14 MESZ im Erdschatten, wobei eine kontinuierliche Helligkeitsauslöschung deutlich erkennbar war. Obwohl dieser Himmelsbereich absolut klar war, konnte ich während des "Verschwindens" die ISS ca. 4-5x nochmals als ganz schwachen Lichtpunkt für ca. jeweils 1-2 sec. erkennen. Obwohl schon oft von mir beobachtet, beeindruckte mich wieder einmal die Geschwindigkeit mit der die ISS über den Himmel zog. Auffallend war die sehr starke Szintillation von Antares, was mich als "Hobbymeteorologen" nicht sonderlich verwunderte, da für die zweite Nachthälfte der Beginn des Durchzugs einer weiteren Front prognostiziert wurde und die Szintillation ja ein klassisches Indiz für starke Turbulenzen in Atmosphärenschichten von ca. 8-10 km darstellt, was wiederum das Herannahen einer Front mit hoher Wahrscheinlichkeit anzeigt. Jedenfalls war die Szintillation eindeutig nicht nur auf Thermik und geringe Horizonthöhe von Antares zurückzuführen. Von den Perseiden konnte ich während eines Zeitraumes von ca. 10 Minuten 2 Stück ausmachen, die aber beide nicht beeindruckend waren. Während der gesamten Veranstaltung konnten die Besucher und ich ca. 6-8 Leuchtspuren ausmachen, eine davon, in der Nähe von Arktur sehr hell! Ich versuchte auch M13 im Herkules freisichtig auszumachen, was mir aber trotz der zugegeben kurzen Adaption der Pupillen von nur 10 Minuten und "indirektem Sehen" bei bestem Willen nicht gelang. So weit einige persönliche Eindrücke, sowohl astronomischer als auch besonders "wetterkundlicher" Natur, ich denke für viele Beobachter nicht uninteressant.