7. NTT - Erlebnisbericht und CDD Aufnahmen

Ebenwaldhöhe - Gasthof Gaupmann, 03. 05. 2003

20030503ahe19.html

Beobachter:Arthur Heinz
 
e-Mail:arthur.heinz@chello.at
 
Datum:03. 05. 2003
 
Zeit:19.00 MESZ
 
Ort:Ebenwaldhöhe - Gasthof Gaupmann
 
Instrument:Borg76ED(76/500mm)/Starlight MX716 CCD
 
Bedingungen:

Durchsicht:1 Freis. vis. Grenzgröße:7.0
Aufhellung:2 Seeing:3
Wind:kein aus keine Angabe  
Temperatur: Luftfeuchtigkeit:
Sonstige Bemerkungen:Beobachtungsnacht im Rahmen des 7.NTT (1.-4. Mai 2003)


 
Bericht:

Der 3. Tag des NTT war ein regnerischer und stürmischer + jedenfalls bis zum frühen Abend. Da war die Kaltfront durchgezogen und gab einen makellosen, strahlend blauen Himmel frei. Auch der stürmische Wind hatte bis zur Windstille abgeflaut. Es war, als wollte sich der Wettergott für die letzten Tage entschuldigen + Es wurde eine tolle Nacht !

Noch bei Tageslicht waren erstklassige Beobachtungen möglich. Zwei Beobachter hatten H-Alpha Filter auf ihren Teleskopen was mir zur sehr raren Blicken auf die Sonne verhalf. Wenn man dies nur selten sieht, ist es ein phantastischer Anblick. Man kennt ja Protuberanzen von Photographien her, aber Ihnen direkt bei der Entstehung zuzusehen ist schon was anderes. Das Bild ist ungeheuer dynamisch, schon 10 Sekunden genügen um ganz neue Formen erkennen zu können.

In der Dämmerung kam dann der Jupiter dran, der uns seine 4 großen Monde, seinen Großen Roten Fleck und den Schatten des Mondes Ganymed zum besten gab. Die Wanderung des Schattens gab es in vielen Instrumenten und zeitgleich auf zwei Computerschirmen mittels Webcams zu bestaunen. Obwohl ich eigentlich nur zum Photographieren ausgerüstet bin, baue ich kurzerhand den kleinen Borg Refraktor auf + nur um mal einen Vergleich mit den anderen (größeren) Instrumenten zu gewinnen. Einige Kollegen feixten, daß die EQ6 mit dem kleinen Borg doch ein wenig überladen sei, aber ich mag es ja bekanntlich etwas stabiler :-).

Nun, der Borg hat sich wacker geschlagen. Er zeigte ohne Probleme den Mondschatten, die Bänder und auch den GRF und einige großflächige Details im NEB, wenn auch in winzigem Maßstab. Mehr als 131-fach mit dem 3,8mm Okular sind eben nicht drin und das Bild wird dabei auch schon etwas dunkel.

Aber da waren ja noch einge andere Instrumente in Reichweite. In Alex+s 12Zoll Meade sah die Sache schon viel deutlicher aus und es waren einige schöne Details in NEB und SEB zu erkennen.Auch die hellen Wolkenwirbel beim GRF waren blickweise da. Als besonderen Leckerbissen haben unsere ungarischen Freunde einen 100mm TMB Apochromaten mit Binokular auf der vielbeachteten, neuen Gemini 41 Montierung mitgebracht. Da schwebt Jupiter förmlich im Raum, aber das Bild ist natürlich deutlich weniger hell als im Zwölfzöller und zeigt auch weniger Details. Trotzdem: In der Kategorie Bildästhetik ging der TMB mit dem Bino als Sieger hervor.

Angespornt durch die phantastischen Webcamaufnahmen des Jupiters, welche um mich herum entstanden, borgte ich mir von Alex eine 3xBarlow und versuchte es ebenfalls - mit dem Borg. Leider kam ich mit der Barlow nicht in den Fokus und bei 500mm Brennweite war der Jupiter einfach zu klein, schade.

Ab 2130 beginne ich dann meine CDD Ausrüstung zusammenzubauen und die EQ6 einzunorden. Zuerst gab es mal wieder USB-Probleme und Hänger im Guidfenster von Astroart. Nach der üblichen Ein- und Umsteckerei wurden dann doch die MX716 UND die Star2000 Controllbox UND der Trackball gleichzeitig erkannt und es konnte endlich losgehen.

Das erste Ziel war die Galaxie M96 im Löwen, welche mit 9,7 Mag nicht mehr zu den allereinfachsten Objekten zählt weil die Ausläufer im Gegensatz zum Kern recht schwach sind. Das Ergebnis von 4x10 Minuten im Selfguiding Modus kann sich aber trotzdem IMHO sehen lassen.

(Bild: M 96)

Während noch die erste Belichtung lief, waren im Hintergrund einige Bemerkungen von anderen Beobachtern bezüglich der Lichtverschmutzung des Beobachtungsplatzes durch unsere Laptops gefallen, was auch mich dazu veranlasste nach einer raschen Lösung zur Besserung zu suchen. Ein netter Kollege neben mir borgte mir seine (Reserve-)Rotfolie und das Problem war gelöst !

BTW.: Ich und mein (Namen-)gedächtnis + sollte dieser nette Kollege dies hier lesen, so bitte ich hier 1. um Entschuldigung: Ich habe die Rotfolie irrtümlicherweise nicht zurückgegeben + und 2. um Kontaktaufnahme per eMail oder Telefon. Danke !

Das nächste Ziel war M 104 im Virgo + oder auch die Sombrero Galaxie genannt. Hier wurden 17 Aufnahmen zu je 30 Sekunden gemittelt. Da die Aufnahme ohne Selfguiding gemacht wurden (was die Empfindlichkeit verdoppelt) ist der Staubstreifen schön herausgekommen.

(Bild: M104)

Da meine Batterie schlapp machte mußte ich mich nun beeilen. Um auszuloten wie sich die Kamera im 2x2 Binning Modus verhält habe ich nochmals M104 aufgenommen: Hier wurden 15 Aufnahmen zu je 30 Sekunden gemittelt. Zum besseren Vergleich hab ich beide Aufnahmen im selben Maßstab übereinander gestellt:

(Bild: M 104 im 2x2 Binning Modus)

(Bild: M 104 im HiresProgressive Modus, 50 Prozent verkleinert)

Keine Frage der Binning Mode ist dem HiresMode in Punkte Empfindlichkeit überlegen (was ja zu Erwarten war). Rein mathematisch sollte der Binning Mode 4x so empfindlich sein wie der HiresMode und 8x so empfindlich wie der HiresSelfguiding Mode. Ich glaube, daß dies hier auch recht deutlich rauskommt.

Den Rest der Nacht verbrachte ich damit einige meiner Lieblinge aufzusuchen, etwa M4 und bei Kollegen mitzubeobachten. Besonders beindruckend waren Alex+s Galaxienserie mit seiner MX916 und dem 12"Meade und ein Blick auf den Cirrusnebel durch einen Astrophysics Traveler, 31mm Nagler und O-III Filter. Hier konnte man sehen was diese Nacht hergab: Beide Teile des Nebels und die Teile im Zentrum waren deutlich zu erkennen.

Ein Genuß war es auch die Sommermilchstraße mit dem Auge und dem Feldstecher zu durchmustern. Dort unten im Süden hat man immer einige Objekte zugleich im Bildfeld, wie etwa den Lagunennebel, Trifidnebel oder Omeganebel.

Den Abschluss der Beobachtungen machte der Aufgang des Mars. Da er aber noch zu tief stand war außer einem bunten "Gewabbere" leider nichts zu erkennen.

Neben den Beobachtungen waren natürlich auch jede Menge Fachsimpelei und Gespräche mit Gleichgesinnten dabei und ich habe mir mehr als eine Anregung und viele gute Ratschläge holen können.

Auf den Punkt gebracht: Es war ein besonderes Erlebnis für und hat jede Menge Spaß gemacht - Ich werde nächstes Jahr auf jeden Fall wieder kommen.

Clear Skies ! Arthur.
 

Bilder:http://members.chello.at/arthur.heinz/