Jupiter und mehr

Sofienalpe, 24. 05. 2003

20030524api20.html

Beobachter:Alexander Pikhard
e-Mail:apikhard@utanet.at
Datum:24. 05. 2003
Zeit:20.30 bis 01.00 MESZ
Ort:Sofienalpe
Instrument:12" Meade LX-200, Philips ToUCam Pro, StarlightXpress MS916
Bedingungen:

Durchsicht:sehr gut (1)
Aufhellung:gut (2)
Seeing:sehr gut (1)
Freis. vis. Grenzgroesse:5.0
Temperatur:20 °C
Luftfeuchtigkeit:trocken
Wind:leicht aus SE
Bemerkungen:Wunderbare Sommerstimmung

Bericht:

Ein makelloser Abend hat einige Beobachter auf die Sofienalpe gelockt. Nicht nur schönes Wetter, sondern auch eine interessante Jupitermondverfinsterung - die vorletzte für viele Jahre - lassen eigentlich keine andere Wahl, als diesen Abend hinter dem Fernrohr zu verbringen. Man hätte an diesem Abend auch auf die Ebenwaldhöhe fahren können, doch neben beobachten wollte ich auch noch ein paar Tests machen.

Heute Abend sind auffällig wenige Spaziergänger hier. Muss wohl am Songcontest liegen. Eigentlich jammerschade, dass so ein Schrott die Leute davon abhält, die Natur zu geniessen, aber letztlich ist jeder seines Glückes Schmied.

Der Abend beginnt interessant. Auf der Suche nach Jupiter in der Dämmerung erspähen viele ein helles Objekt hoch im Westen und scheitern an dem Versuch, es einzustellen, weil es sich langsam bewegt. Die, die es doch schaffen, sehen eine riesige, weiße, strukturlose Scheibe mit deutlicher Phase - ??? Ein kleiner heller Punkt oszilliert um das Hauptobjekt. Richtig, es ist ein Wetterballon, ca. -6 mag hell. Wie üblich explodiert er nach einiger Zeit. Mein Handy läutet. Eine Sternguckerin aus Wien 20 hat genau das im Fernrohr beobachtet und ist sichtlich irritiert. Da ist etwas am Himmel explodiert, in unzählige Stücke zerfetzt. Ja, so ergeht es einem Wetterballon, von mir im Bild festgehalten am 27. Juli 2001 (hier der Bericht).

Ich habe heute einige Tests vor, vor allem mit der CCD-Kamera. Daher baue ich noch in der hellen Dämmerung die volle Ausrüstung (vier Koffer Zubehör ...) auf. Das Kabel-Chaos muss ich im Bild festhalten:


Ob ich es schaffen werde, das alles in der Dunkelheit wieder abzubauen? Eine einsame Mountainbikerin kommt vorbei, fragt aus sicherer Distanz, was wir hier machen, traut sich aber nicht näher. Sieht wohl alles zu gefährlich aus. Unsere Gruppe von 5 Teleskopen ist ja auch wieder einmal ein Spiegelbild des Zeitgeistes. Überall blinkt und piept es, Monitore tauchen die Dunkelheit in ein fahles, eigenartiges Licht (eigentlich verschmutzen wir uns den Nachthimmel selbst ganz erheblich), nur Maria Ruttingers Newton steht wie ein Fels in der Brandung, mechanisch, stromlos, ohne zu piepen oder zu blinken.

Jupiter

Jupiter ist das erste Objekt des Abends (Michael Premlechner erspäht sogar noch den sehr tief stehenden Saturn). Das Seeing ist sehr gut, und ich beschliesse, noch einmal die WebCam zu montieren. Mein Hightech-Installation wird mir zum ersten Mal zum Verhängnis, als die gleichzeitige Installation von WebCam und serieller USB-Schnittstelle (für den späteren Einsatz von Star2000) mit der lapidaren Meldung des Computers endet, der USB-Controller habe nicht genug Bandbreite. Fein für ihn!

Schliesslich gelingen mir ein paar gute Jupiter-Sequenzen, das Seeing ist wie gesagt trotz der geringen Höhe recht gut. Was mir sofort auffällt: Jupiter ist schon sehr klein geworden gegenüber der Zeit um die Opposition. Kein Wunder, die 300 Millionen Kilometer zusätzlicher Distanz, ein Durchmesser der Erdbahn, müssen sich auswirken. Hier der Vergleich (gleiches Instrument, gleicher Abbildungsmaßstab):



Schon ein gewaltiger Unterschied. Der Große Rote Fleck ist gut zu sehen und in einer Phase, wo der GRF schon schön da ist und Jupiter noch hoch genug steht, kann ich sogar noch die 2x-Barlowlinse einsetzen. Hätte ich mir nicht gedacht.

  

Das Bild ist etwas verkleinert, so gut war das Seeing auch nicht, aber immerhin, hätte ich jetzt, so nahe dem Ende der Sichtbarkeitsperiode, eigentlich nicht mehr erwartet. Jupiter präsentiert sich heute auch besonders farbenprächtig.

Michael Karrer hat meine Aufnahme (links) mit Photoshop dankenswerter Weise nachbearbeitet und das sekundäre Spektrum eliminiert (rechts).

Bevor die Jupitermondverfinsterung aktuell wird, gehen sich noch ein paar Blicke anderswohin aus: Zunächst einmal zur Vesta (Thomas Strehl bringt es auf den Punkt: "Nichts, was einem dauerhaft in Erinnerung bleibt, und wenn es doch so wäre, dann wär's bedenklich!") und zu Gamma Virginis, den alle am 12" mit 14mm Pentax noch gut trennen können, trotz nur mehr 0,8" Distanz. Eine sehr helle Passage der Raumstation ISS sorgt auch für Kurzweil.

Verfinsterung von Io durch Ganymed

Gebannt blicken alle zum Jupiter; zunächst, es ist schon der vorausberechnete Zeitpunkt des Beginns, tut sich eigentlich gar nichts. Ich habe beim visuellen Schätzen der Helligkeit nach dem Argelander-Verfahren mit einem besonderen Problem zu kämpfen: Jupiter. Der helle Planet verwirrt meinen Sinn für die Helligkeiten total, Callisto erscheint mir am hellsten, Ganymed am schwächsten. Verrückt. Zum Glück kann man diese Verwirrung rechnerisch kompensieren.

Letztlich ist der Helligkeitsabfall von Io deutlich und ich komme zu folgender Lichtkurve:



Fast 0,8 mag Helligkeitsabfall sind schon sehr deutlich.

CCD-Tests

Abgesehen vom NTT habe ich schon recht lange nichts mehr mit der CCD-Kamera unternommen und es fehlt an Übung. Peinlich, so knapp vor dem dreitätigen Kurs, daher möchte ich rasch noch einmal die wichtigsten Handgriffe üben und vor allem ein paar Tests mit Star2000 machen, das ich in dieser Konfiguration noch nie ausprobiert habe. Gleich vorweg, Star2000 tut nicht, wie es soll, doch zum Glück komme ich auch so zu einigen guten Ergebnissen.

  

M57 (links) und die "Augen" NGC 4435 und 4438 in der Markarian-Kette (rechts) sind lohnende Ziele. Fein, dass alles noch so einigermassen funktioniert. Nachdem der Strom knapp wird, beschliesse ich die Nacht mit ein paar visuellen Eindrücken.

Visuell

Angeregt duch die anderen Beobachter kommen einmal Galaxien im Großen Bären dran; sie stehen sehr hoch und sind daher gut zu beobachten. M82 ist im 14mm Pentax ein Traum, deutlich kommen die dunklen Filamente heraus. Auch M81 ist sehr schön, wenngleich viel unspektakulärer. M51 wiederum ist bemerkenswert, deutlich erkennt man die Spiralarme. Auch M104 ist ein sehr schöner Anblick.

Dann noch die Klassiker: M13 und M57. Worte erübrigen sich. Zum Schluß noch M27, der im 14mm Pentax mit UHC-Filter "unanständig" hell und groß ist.

Eine sehr schöne Beobachtungsnacht, stimmungsvoll durch das Gezirpe der Grillen, angenehm durch die milden Temperaturen und sehr gut von den Bedingungen. Gegen 1 Uhr macht sich doch Müdigkeit breit. Und der Mars kommt viel zu spät ...