| Beobachter: | Dr. Thomas Schröfl | ||||||||||||||||
| e-Mail: | schroefl@via.at | ||||||||||||||||
| Datum: | 24. 05. 2003 | ||||||||||||||||
| Zeit: | 21.30 bis 00.45 MESZ | ||||||||||||||||
| Ort: | Edlach/Rax
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| Instrument: | Nexstar11GPS | ||||||||||||||||
| Bedingungen: |
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| Bericht: | Um bei Einbruch der Dunkelheit keine Zeit mehr zu verlieren, führe ich bereits bei Dämmerung ein Alignment durch. Die hellsten Referenzsterne sind mit Mühe freisichtig erkennbar, aber im Sucher bereits deutlich zu sehen und so ist die Prozedur rasch abgeschlossen. Bei Fortschreiten der Dämmerung besuche ich wieder einmal Jupiter. Seine gallileischen Monde stehen heute aufgereiht wie eine Perlenschnur. Leider ist das Seeing so mäßig, daß ich außer den beiden Äquatorialbändern keine Details auf der Planetenscheibe erkennen kann. Bereits bei 80x zeigt sich ein Wabbern am Planetenrand. Nach längerem Nichtgebrauch möchte ich heute wieder einmal auf Deep Sky Jagd mit dem Binokular gehen und rüste daher um, das Bino ausgestattet mit zwei 35mm Baader eudiaskop. Okularen. Endlich ist es finster genug zum Loslegen, da kommt wahrlich Freude auf. Gerade in der Virgo-Region breitet sich ein Dunstschleier aus, gelegentlich auch noch von dünnen Wolken unterstützt, wo ich mich doch am nachmittag mit Stoyans Deep Sky Reiseführer so gründlich vorbereitet habe. Ein mehr als halbstündiges Geduldspiel ermöglicht mir einige wenige Blicke auf M 61 und M 49. Dann gebe ich w.o., zumal von SW immer mehr Dunst und Bewölkung in die Region zieht. Also Programmänderung: ich verschaffe mir zunächst einmal einen Überblick über freie Himmelsregionen und suche mir dann aus der Datenbank des Teleskops lohnende Objekte aus. Statt der Kugelsternhaufen in Virgo und Coma Berenices heuer erstmals wieder M 13. Trotz einer leichten Aufhellung in diesem Bereich und dadurch gemindertem Kontrast wie immer ein faszinierender Anblick, der duch die Tiefenwirkung des Binos noch verstärkt wird. Beim direkten Sehen ist das Bild unheimlich plastisch, der Haufen praktisch bis ins Zentrum aufgelöst und feinste Details sichtbar, während indirekt gesehen natürlich eine deutliche Helligkeitszunahme zu bemerken ist. Ich wandere weiter zu zwei gleichfalls Atbekannten, dem Ringnebel M 57 und dem Hantelnebel M 27, der noch tief im Osten steht und überdies im Bereich der stärksten Aufhellung. Trotzdem ist ein recht großflächiger nebeliger Fleck zu erkennen, der bei indirektem Sehen sofort die markanten Hantelform annimmt. Ich nütze ein kurzes Wolkenloch in Virgo um den Kugelsternhaufen NGC 4147 anzufahren. Direkt gesehen zeigt sich nur ein kleines verwaschenes Fleckchen, indirekt ist er als Kugelsternhaufen ansatzweise erkennbar. M 53 läßt sich hingegen sofort als Kugelsternhaufen identifizieren. Ich lasse mich von der Datenbank weiterführen zu NGC 6826 Blinking Planetary in Cygnus, ein wirklich prachtvoller planetarischer Nebel, der seinem Namen gerecht wird, denn bei indirektem Sehen blinkt er mit einer enormen Helligkeitszunahme auf. Gleiches gilt fast unverändert für NGC 6543, den Katzenaugennebel in Draco. M 97, den Eulennebel in Urs Major, kann ich nur sehr kurz erhaschen, dann schiebt sich Dunst davor. Dann ist das Vergnügen für heute endgültig vorbei, denn Dunst und Wolken haben derart zugenommen, daß es einfach keinen Spaß mehr macht ab und zu durch ein Wolkenloch für einige wenige Sekunden ein sehenswertes Objekt zu erhaschen. Sehr bewährt hat sich heute die neu gebastelte dreilöchrige Hartmannmaske zum Scharfstellen. Eine weitere Erkenntnis nehme ich für die Zukunft mit: sooft als möglich mit dem Bino zu beobachten. Mit beiden Augen ist es ein wesentlich entspannteres Beobachten und überdies bereichert durch ein plastisches Bild.
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