| Beobachter: | Bernhard Rems | ||||||||||||||
| e-Mail: | rendelius@rpgdot.com | ||||||||||||||
| Datum: | 29. 05. 2003 | ||||||||||||||
| Zeit: | 22.30 bis 23.30 MESZ | ||||||||||||||
| Ort: | Wien Josefstadt | ||||||||||||||
| Instrument: | Celestar 8 | ||||||||||||||
| Bedingungen: |
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| Bericht: | Die Durchsicht ist heute um Eckhäuser besser als sie gestern war (aber immer noch jämerlich im Vergleich zu Beobachtungsplätzen fernab der Großstadt), also greife ich mir kurzentschlossen das C8 und trage es auf die Terrasse, die eigentlich das Dach des Müllraums ist. In meiner Jackentasche steckt eine Liste mit Doppelsternen in Coma Berenices - willige Opfer für die sternenhungrigen Augen eines genügsamen Stadtastronomen. Schnell das Teleskop aufgestellt, Astromaster justiert (trotz der etwas grobschlächtigen Auslesung immer noch besser, als sich mit wenigen freisichtigen Sternen zu den gewünschten Objekten vortasten zu müssen) und jene Paare herausgesucht, die unter den vorherrschenden Bedingungen (der Himmel noch ziemlich hell, die Luftruhe nicht als solche zu bezeichnen) etwas "hergeben". Ich beginne mit STF1728. Der schwache Begleiter (10,2 mag) dümpelt noch am Rande der Sichtbarkeit vor sich hin, aber man freut sich wenigstens, daß Astromaster ihn im 40mm Plössl ziemlich zentriert gebracht hat. 35 Com ist ein schöner Anblick, aber wirklich nett finde ich besonders STF 1685 mit seinem schönen Umfeld. STF 1737 ist schwach, aber sehr eindrucksvoll, und auch STF 1633 und STF 1760 könnnen begeistern. Schnell noch Pi Boo eingestellt - die beiden Komponenten mit 6" Abstand sind gerade im 40mm Plössl ein Augenschmaus. Weil man nichts unversucht lassen will, führe ich das Teleskop noch schnell auf M53. Draussen, am Land, ist der Haufen recht ansehnlich; hier in der Josefstadt und gerade heute selbst im C8 eine gewisse Herausforderung (das kommt davon, wenn man am Beginn der nautischen Dämmerung Deep Sky Objekte beobachten will). Zum Trost genehmige ich mir noch einen Blick auf M3, und dem können selbst die Stadt und meine zeitliche Unvernunft nichts anhaben. Im 8,8mm UWA blinzeln mir seine Sterne zu, heben sich vom milchigen Hintergrund ab. In Momenten wie diesen verstehe ich wieder, warum ich einmal sehr viel Geld für dieses Okular ausgegeben habe. Von Südosten aufziehende Schäfchenwolken werfen mir das Stadtlicht noch mehr in die Augen und mich samt Teleskop wieder zurück in die Wohnung. Ich lächle ihnen trotzdem triumphierend zu: ich denke, ich habe das Beste aus dem Beobachtungsabend gemacht. Stadtastronomen müssen sehr genügsam sein - erwähnte ich das schon? |