| Bericht: | Unerwarteter Weise wurde
es noch ein sehr schöner Abend. Der Nachmittagshimmel war mit
zahlreichen Cirren überzogen und für den nächsten Tag
eine Kaltfront angesagt, da kam ein klarer Abend sehr unerwartet. Die
Cirren hatten sich verzogen und so beschließe ich spontan, auf
die Sofienalpe zu fahren. Ja, und um was genau zu beobachten? Richtig,
das sollte ich mir auch noch überlegen. Jupiter ist schon sehr
tief, ausserdem keine Jupitermonderscheinung; Mond und Mars kommen
spät. Dunkelheit setzt sehr spät ein, also bleiben nur --
Doppelsterne!
Im Licht des Sonnenuntergangs baue ich auf; ich muss noch ein wenig
herumbasteln und kann das Tageslicht gut gebrauchen. Und das Rohr kann
auskühlen, denn ich möchte die Doppelsterne auch mit der
WebCam einfangen. Spaziergänger zeigen sich erstaunt über
meine Dämmerungsaktivität, nur eine Gruppe Mountainbiker
zeigt sich nicht überrascht. Im Vorbeifahren sagen sie nur:
"Siehst, <em>das</em> ist ein Teleskop, nicht das Zeug, das
überall in den Auslagen herumsteht." Und fuhren weiter. Die Fragen
der Bustouristen aus Bayern kann ich noch beantworten, doch bei der
Gruppe aus Frankreich muss ich sprachlich passen.
Die WebCam. Ich habe eines der letzten Stücke der ToUCam Pro,
offizielle Bezeichnung PCVC740K, neu erstanden, da meine alte ToUCam
schon deutliche Alterungserscheinungen aufweist - zu viele defekte
Pixels an recht markanter Stelle. Aber wer denkt, man braucht die neue
Kamera nur anzustecken, der irrt. Irgendein Gelaber von "Microsoft
Signature", "New USB Device" und so, und nichts geht mehr. Weder die
alte noch die neue Kamera. Ein paar heftige Flüche und Reboots
später geht wenigstens die alte Kamera wieder. Fazit: Man muss
wirklich die Software neu installieren, und zwar die, die mit der
Kamera mitgeliefert wird. Als ob jemand Kameras raubkopieren würde!
Nun gut, ich bin startklar. Es ist hell, der Himmel blau. Ich finde im
Blindflug Arcturus (ein ungefähres Gefühl, wo Süden ist,
und die Höhenangabe von TheSky erleichtern die Sache allerdings).
So kann ich das Rohr zentrieren. Mit TheSky geht es von Doppelstern zu
Doppelstern, während es langsam - sehr langsam - dunkel wird.

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Pi Bootis.
Ein sehr schöner Doppelstern, Abstand der beiden bläulichen
Komponenten 5,5 Bogensekunden, Helligkeiten 4,9 und 5,8 mag. Ein
Klassiker, schon für kleine Fernrohre sehr schön.
Im 50mm Plössl-Okular lieb, im 21mm Pentax-Okular schon fast zu gut getrennt.
Mit der WebCam kommen trotz des hellen Himmels die Farben sehr gut
heraus. Das Stacken und die Nachbearbeitung mit Registax sind bei
Doppelsternen allerdings eine Wissenschaft für sich!
Alle Aufnahmen werden hier im gleichen Maßstab wiedergegeben und
das runde Feld hat einen Durchmesser von 2 Bogenminuten = 120
Bogensekunden.
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Epsilon Bootis.
Das Seeing ist nicht gerade berühmt, doch der sehr schöne
Doppelstern ist im 21mm Pentax-Okular blickweise zu trennen.
Das Objekt ist wegen des Helligkeitsunterschieds schwierig: Der
Hauptstern hat 2,5 mag, der Begleiter nur 4,9 mag, und das bei einem
Abstand von nur 2,9 Bogensekunden. Dafür wird man mit einem
wunderschönen Farbkontrast entschädigt, der Hauptstern ist
leicht rötlich, der Begleiter bläulich. Dies hat dem Stern
mit dem offiziellen Namen Izar auch den Beinamen "Pulcherrimma" - die
schönste - eingebracht.
Bei der Aufnahme mit der WebCam spielt das Seeing arg mit und daher
erscheint der Hauptstern verformt. Da die Qualitätsschranke von
Registax hier nicht ausreicht, bliebe als Ausweg nur mehr das
Handverlesen der einzelnen Frames, was ich wegen des Aufwands hier
zunächst einmal nicht mache, sondern mir einfach mit einem
Gaussfilter helfe.
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Xi Bootis. Ein recht weiter Doppelstern mit 6,7" Abstand, aber großem Helligkeitsunterschied: 4,7 und 6,9 mag.
Im 21mm Pentax-Okular weit, aber noch recht nett.
Mit
der WebCam stosse ich hier an die Empfindlichkeitsgrenze. Der rund 7mag
schwache Begleiter geht bei diesem Seeing schon fast unter. Nur mit
sehr viel "Nachbrenner" kann ich ihn noch erfassen.
Logische Konsequenz dieser bei jedem Objekt individuell vorgenommenen
Abstimmung: Während die Dimensionen bei allen Aufnahmen an diesem
Abend vergleichbar sind, sind es die Helligkeiten leider nicht.
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Zeta Bootis.
Sehr enger Doppelstern, der selbst im 14mm Pentax nur andeutungsweise
zu trennen ist. Der Abstand der beiden recht hellen Komponenten (4,8
mag) beträgt nur 0,8 Bogensekunden!
Wieso
erscheint der Stern dann auf der Aufnahme so schwach? Das liegt an der
Filterung. Um die beiden Komponenten zumindest ansatzweise trennen zu
können (mit 3m Brennweite gelingt das ohnedies nicht, das Objekt
erscheint nur länglich), musste ich zunächst alle der rund
160 Frames händisch betrachten und die brauchbaren auswählen
(diese Funktion bietet Registax auf recht komfortable Weise). Dann
wurde gestackt und anschliessend nicht mit Tiefpass-, sondern mit
Hochpassfilter gearbeitet, um die Seeingscheibchen wegzubekommen und
nur den Kern des Objekts - den länglichen Doppelstern. Etwas
mühevoll, um dann nur drei belichtete Pixels, in die die zwei
Sterne fallen, zu erhalten. Das nächste Mal bei besserem Seeing
mit Barlow-Linse ... |

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My Bootis.
Ein wunderschöner Dreifachstern. Das sehr weite Paar My1 - My2
Bootis ist 109" getrennt, also fast zwei Bogenminuten. My1 ist mit
4,3mag auch sehr hell. My2 ist wiederum ein Doppelstern mit 7,0 und 7,6
mag in 2,2" Abstand.
In der WebCam-Aufnahme - das Feld wurde wie gesagt zwei Bogenminuten
gross gewählt - ist My1 links unten, My2 rechts oben am Rand,
deutlich doppelt.
Auch hier ist My2B mit 7,6 allerdings schon ziemlich an der Grenze dessen, was die WebCam mit 1/25s aufnehmen kann.
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Zeta Coronae Borealis.
Ein Klassiker. 5,0 und 6,0 mag mit 6,3" Abstand machen diesen
Doppelstern mit seinen beiden bläulichen Komponenten zu einem
idealen Objekt für kleine Fernrohre.
Auch bei der WebCam-Aufnahme muss ich nicht viel tricksen. Mit einem
starken Gaussfilter werden die vom Seeing verzerrten Sternbildchen
ordentlich weichgezeichnet, fertig.
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Eta Coronae Borealis.
Eine weitere Herausforderung. Die beiden 5,6 und 5,9 mag hellen Sterne
haben derzeit einen Abstand von nur 0,6 Bogensekunden, Tendenz bis 2007
noch fallend!
Im 7mm Pentax-Okular sind sie blickweise zu trennen - wie übrigens der wesentlich tiefer stehende Gamma Virginis auch noch.
Mit der WebCam werden sie zur Herausforderung der besonderen Art. Mit
den gleichen Tricks wie bei Zeta Bootis gelingt es mir, das Objekt
zumindest länglich abzubilden. Um die beiden Sterne
vollsändig zu trennen, hätte ich wesentlich besseres Seeing
benötigt, um eine Barlowlinse einsetzen zu können.
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Alpha Herculis.
Für mich einer der schönsten Doppelsterne überhaupt. Der
Hauptstern (seine Helligkeit ist zwischen 3 und 4 mag
veränderlich) ist ein deutlich roter M-Stern, der 5,4 mag helle
Begleiter ist tiefblau, der Farbkontrast ist wesentlich stärker
als bei Albireo. Die Distanz von 4,9" macht das Objekt zu einem Zuckerl
für kleinere Fernrohre oder nicht allzu starke
Vergrößerungen.
Im 21mm Pentax-Okular ist der Stern wirklich ein Traum!
Für die WebCam stellt er in punkto Nachbearbeitung auch keine allzu grosse Herausforderung dar.
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Zum Vergleich der Klassiker, Epsilon Lyrae.
Die beiden Doppelsterne sind 209" getrennt (daher hier auch das 240" = vier Bogenminuten grosse Feld).
Epsilon 1 (links unten) mat 5,0 und 6,1 mag bei 2,5" Abstand, Epsilon 2
(rechts oben) 5,2 und 5,5 mag bei 2,4" Abstand - er ist der
gleichmäßigere der beiden Sterne.
Es war knapp; nur durch Ausrichtung an der Diagonale der Kamera konnte
ich Epsilon 1 und 2 noch gemeinsam aufnehmen. Aber als Vergleich
für die anderen Objekte musste es einfach sein!
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Nicht aufgenommen, aber beobachtet habe ich noch die Doppelsterne
Gamma Virginis (getrennt, tortz geringer Höhe und schlechtem
Seeing) und Rho Herculis.
Gegen 22.30 Uhr MESZ wird es dann doch so dunkel, dass auch die
helleren Deep Sky Objekte möglich werden. Zunächst einmal
M57, ja, sehr nett im 21mm Pentax. Dann der kleine, sehr helle
planetarische Nebel NGC 6210 im Herkules. Und schliesslich M13 und M92.
Bei M13 bleibt mir dann aber doch der Mund offen. So gut
aufgelöst, so brilliant und - ruhig! Das ist einen langen Blick
durch 14mm Pentax wert.
So wurde es doch ein ergiebiger und wieder einmal lehrreicher, lauer Abend.
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