| Beobachter: | Alexander Pikhard (ed.) | ||||||||||||||
| Datum: | 13. 07. 2003 | ||||||||||||||
| Zeit: | 20.30 bis 23.00 MESZ | ||||||||||||||
| Ort: | Sofienalpe | ||||||||||||||
| Instrument: | 10" Meade LX-200 GPS (WAA-Teleskop) und viele andere | ||||||||||||||
| Bedingungen: |
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| Bericht: |
Noch zu Mittag hatte es so ausgesehen, als würden wir nach unserem Seminar Besser beobachten - der Mars nicht beobachten können; wobei wir wegen des morgigen Montags ohnedies nicht in Erwägung gezogen hätten, auf den Mars zu warten. Umso überraschter waren wir, als uns nach dem Seminar im Hotel Sofienalpe ein strahlender Abend empfing, mit der Sonne als erstem Beobachtungsobjekt. Für mich war der Abend auch die erste Gelegenheit, unser "offizielles" WAA-Teleskop, das 10" Meade LX-200 GPS, näher kennen zu lernen. Gar nicht so einfach, doch mit Studium des Handbuchs - unter Vermeidung der deutschsprachigen Übersetzung - gelang dann nach und nach doch alles. Erstes Ziel: Die Sonne; bervor sie untergeht, besser gesagt, hinter den horizontnahen Wolken verschwindet, noch rasch ein Blick durchs Teleskop. Mit Sonnenfilter, versteht sich. Erste Erkenntnis: Wir brauchen auch für den Sucher einen Sonnenfilter, sonst ist das Einstellen eine Qual.
Während die Sonne in einem mehr als malerischen Sonnenuntergang weit im Nordwesten verschwindet, führe ich die GPS-Initialisierungsprozedur am Teleskop durch. Zweite Erkenntnis: Eine überflüssige Prozedur. Der gleichzeitig aufgehende Vollmond - von unserem Standort werden wir ihn erst westentlich später sehen - lockt viele nächtliche Spaziergänger auf die Sofienalpe, die sich teilweise sehr interessiert unserer Gruppe beim Beobachten anschliessen.
Ich benütze die helle Dämmerung, um mit dem nach GPS eingerichteten Teleskop Arcturus zu finden. Ergebnislos. Genaueres Studium des Handbuchs zeigt eine andere, leichtere Methode: Das Teleskop auf dem ebenen Stativ so ausrichten, dass das Panel nach Süden zeigt (wo hier Süden ist, weiss ich ziemlich genau); dann das Teleskop auf den Nordpunkt richten (Höhe 0°, Azimut 0°) und einschalten. Den Hinweis, dass man nicht in die Sonne schauen soll (no na), mit der Taste "5" quittieren und nicht auf automatisches Alignment gehen. Über das Star-Menü Arcturus auswählen, Enter - Goto. Autostar 2 fragt nach Uhrzeit, Datum und Sommerzeit und holt dann über GPS den Ort (warum nicht auch die Uhrzeit ???). Ein Surren, ein Piep, und Arcturus ist im Sucher nahe dem Fadenkreuz. Erkenntnis drei: Wenn man die Südrichtung kennt, kann man sich die sieben Minuten lange Initialisierungsprozedur des Autostar glatt ersparen! Andreas baut einen 60mm Refraktor auf, und um die beiden Instrumente - zu denen sich später noch ein ETX und ein Myiauchi gesellen - beginnt ein reges Treiben, das in Worten bestenfalls so beschrieben werden kann: In der Gruppe macht Astronomie einfach noch mehr Spass! Und vor allem unsere Einsteiger(innen) profitieren von dem regen Erfahrungsaustausch. Nachdem Bilder mehr sagen als Worte, hier ein paar Stimmungsfotos:
Nach erfolgreicher Einstellung des LX-200 GPS - nachdem Arcturus endlich gefunden war, machte ich ein klassisches One-Star-Alignment wie bei den älteren LX-200 Modellen - steht einer Tour durch die Sehenswürdigkeiten nichts mehr im Weg. Zunächst die Doppelsterne Izar, Epsilon Bootis (beide 14mm Pentax, recht lausiges Seeing) und Albireo (40mm Pentax), dann die Kugelsternhaufen M13 und M92 (14mm Pentax, traumhaft) und dann die planetarischen Nebel M27 und M57, jeweils mit UHC-Filter sehr kontrastreich. Und dann taucht doch der Mond hinter dem Wald auf, wie ein Scheinwerfer, schlagartig wird die Landschaft erhellt. Er ist wirklich voll! Nur am Nordrand erkennt man aufgrund der hohen Libration in Breite eine Spur von einem Terminator. Auffällig: Die extreme Libration in Länge, die das Mare Crisium weit vom Mondrand entfernt zeigt und daher einen Blick auf die Mare Marginis, Humboldtianum und Smythii ermöglicht.
Was für ein Abend! Unterhaltsam, lehrreich und schön. Eine tolle Freizeitbeschäftigung haben wir uns da ausgesucht! |