Beobachtungsnacht: Kugelsternhaufen, Mars, Uranus, Neptun, Pluto, Nova Ophiuchi 2003

Payerbach/NÖ, 19. 07. 2003

20030719wvo22.html

Beobachter:Wolfgang Vollmann
Datum:19. 07. 2003
Zeit:22.00 bis 02.30 MESZ
Ort:Payerbach/NÖ
Instrument:Newton 457/2040mm
Bedingungen:

Freis. vis. Grenzgroesse:6.0

Bericht:

Hier mein Bericht der Nacht vom 19. auf den 20.Juli 2003. Zuerst beobachtete ich die Nova Ophiuchi 2003. Sie wurde erst kürzlich entdeckt, ist aber schon einige Wochen nach dem Maximum: siehe AAVSO Newsflash #1200, dort gibts auch Links zu den Karten: 1.Karte und 2.Karte. Ich schätzte die Helligkeit der Nova auf 11,7mag

Auf meiner Sternkarte der Novagegend waren etliche Objekte im Schlangenträger sehr einladend eingezeichnet: ich setzte meine Kugelsternhaufen-Tour vom vorigen Wochenende dort fort. In dieser Richtung sind deshalb soviele Kugelhaufen zu sehen, da sie in einem etwa kugelförmigen Halo das Zentrum der Milchstrasse umgeben, das im Grenzbereich der Sternbilder Schütze/Skorpion/Schlangenträger liegt.
NGC 6316 Oph: dieser Kugelsternhaufen erschien eher schwach und klein, etwa 1' Durchmesser. Er war nur schwer auflösbar, ich konnte nur wenige Sterne vor unaufgelöstem Nebelgrund erkennen.
NGC 6293 Oph: viel heller als der vorige. Bei 320x sah ich ihn 3' gross, die Aussenregionen sehr locker mit Sternen besetzt, die Zentralregion etwa 1' gross und mit etwa 30-40 sichtbaren Sternen vor Nebelgrund.
36 Oph: beim Suchen "stolpere" ich bei 107x über diesen sehr schönen Doppelstern: beide nur wenig unterschiedlich hellen Sterne sind sehr deutlich gelb gefärbt und zwischen den beiden Seeingbällchen der Sterne ist noch ein wenig dunkler Himmel erkennbar.
NGC 6355 Oph: dieser Kugelsternhaufen ist wieder ziemlich blass, er erscheint 1-2' gross und zeigt auch nur wenige Sterne vor Nebelgrund bei 320x: kaum auflösbar.
M 19 Oph: das ist wirklich der schönste Kugelsternhaufen im Schlangenträger! Bei 320x hat er 5' Durchmesser mit allen Ausläufern, ich sehe viele hundert Sterne, auch vor dem hellen Zentralteil, der nicht vollständig aufgelöst ist. Der hellere Zentralteil erscheint etwa elliptisch mit 4x3' Durchmesser, länglich Nord-Süd, die schwachen Ausläufer machen den Kugelsternhaufen wieder rund. Eine Pracht!
NGC 6284 Oph: 320x zeigt die äussersten Bereiche mit etwa 2' Durchmesser und etwa ein Dutzend Sterne über Nebelgrund, der schon etwas körnig erscheint: die Auflösung beginnt!
Omikron Oph: noch einen Doppelstern finde ich bei 107x: ein wunderschönes nicht zu weites und nicht zu enges Farbkontrastpaar mit deutlichem Helligkeitsunterschied: der Hauptstern ist ziemlich gelb mit wenig weiss, der Begleiter weiss mit Blaustich: sehr hübsch!
NGC 6325 Oph: schwach und klein. Auch 320x löst keinen einzigen Stern in diesem Kugelsternhaufen auf, ich sehe nur zentral verdichteten Nebel.
B 74 Oph: in der Gegend befindet sich auch die Dunkelwolke Barnard 74. Sie ist bei 107x als ziemlich sternleeres Gebiet um und nördlich eines Sterns 7mag zu erkennen am Ort: 17h25,2m -24°12'. Die Dunkelwolke hat etwa 30' Durchmesser und ist besonders beim "Abfahren" des Feldes um mehrere Gesichtsfelder (45 Bogenminuten) deutlich.
von den anderen Dunkelwolken B 70, 69, 68 und 72 kann ich heute nichts sehen, die Durchsicht ist nicht gut genug und der Milchstrassengrund vor dem Himmel nur schwach.
NGC 6369 Oph: zur Abwechslung ein planetarischer Nebel: schon 107x zeigt seine Ringform! 320x und noch besser 680x zeigen den Ring deutlich, ca. 1,5 Bogenminuten Durchmesser. Der Nordteil des Rings ist deutlich heller als der Südteil. Vom Zentralstern kann ich nichts sehen -- laut Katalog hat er nur 15,6mag.
NGC 6401 Oph: noch ein schwacher Kugelsternhaufen, auch der ist schwer auflösbar, ich zähle 5 oder 6 eindeutig sichtbare Sterne.

Wieder zurück ins Planetensystem: auch Pluto ist im Schlangenträger: er ist bei 107x sehr leicht zu identifizieren, 14.Grösse ist für den grossen Spiegel kein Problem. Neptun ist natürlich ebenfalls leicht zu finden und zeigt bei 107x sein winziges Scheibchen. 320x zeigt grünlich/bläulich das Neptunscheibchen und im Südosten Neptuns recht hell und eindeutig den Neptunmond Triton: er ist wirklich viel leichter zu sehen als die Uranusmonde! Aber auch für die habe ich eine Karte des Solar System Simulator vorbereitet: mit der Karte und 680-facher Vergrösserung ist Titania am leichtesten sichtbar: steht etwa im Norden. Etwa halb so weit von Uranus entfernt finde ich ein weiteres nicht allzu schwierig sichtbares Lichtpünktchen: Ariel! Im Westen finde ich dann auch etwas schwächer als Titania Oberon und etwas näher an Uranus und sehr schwach auch Umbriel. Heute kann ich zum ersten Mal diese vier Uranusmonde im Fernrohr sehen und identifizieren!

Zum Schluss gibts natürlich noch den Mars: um 2h00 MESZ ist das Seeing leider recht lausig geworden und es wabert auch bei "nur" 320x schon recht kräftig. Auf meinen Skizzen scheint mir die Marsphase und die Südpolkappe seit letzter Woche merkbar kleiner geworden zu sein! Die Polkappe leuchtet schön weiss, die "Kontinente" ockerfarben/rötlich und die dunklen Gebiete sind sehr deutlich zu sehen: besonders hell erscheinen mir Hellas und Arabia/Eden, an Dunkelgebieten identifiziere ich auf meinen Skizzen Syrtis Major, Iapygia, Sinus Sabaeus und die "Gabelbucht" Sinus Meridiani. Ich versuche auch den Marsmond Deimos zu finden, hab damit aber keinen Erfolg: er steht zu nahe an Mars, die Elongation ist zu klein. Ich versuche die Vergrösserung bis auf 820x zu steigern, um Mars aus dem Gesichtsfeld zu bekommen, hab aber keinen Erfolg.