CCD-Nacht

Raiffeisen-Volkssternwarte Mariazell, 20. 07. 2003

20030720api21.html

Beobachter:Alexander Pikhard
Datum:20. 07. 2003
Zeit:21.00 bis 03.15 MESZ
Ort:Raiffeisen-Volkssternwarte Mariazell
Instrument:16" Meade LX-200, StarlightXpress MX916, Philips ToUCam Pro
Bedingungen:

Durchsicht:sehr gut (1)
Aufhellung:sehr gut (1)
Seeing:ausreichend (3)
Freis. vis. Grenzgroesse:6.5
Temperatur:18 °C
Wind:kein
Bemerkungen:Wolkenlos und windstill, eigentlich makellos. Erst in der Morgendämmerung Aufzug von hohen Wolken im Osten, die allerdings sehr willkommen sind, da sie den Mond dämpfen.

Bericht:

Ich bin schon etwas müde von der WAA-Jugendnacht im Ameisthal, obwohl ich nicht durchgemacht habe. Aber ich kann auch nicht während der Fahrt schlafen, so wie meine Tochter Daniela auf dem Beifahrersitz. Der Wetterbericht hatte mich veranlasst, die Sternwarte in Mariazell für diese Nacht zu reservieren, es sollte sich lohnen.

Die letzten Quellwolken lösen sich auf und lassen einen wolkenlosen Himmel zurück. Kein Lüftchen regt sich, allein das Seeing könnte besser sein. Die Planeten, allen voran Mars, bekommen daher heute weniger Priorität, dafür werde ich doch auf Deep Sky losgehen.

Günther Eder leistet mir anfangs Gesellschaft. Wir öffenen die Sternwarte und in der hellen Dämmerung gelingt uns ein Blick auf Merkur, der erste in dieser schwachen Abendsichtbarkeit. Er ist sehr hell, aber klein und rund, leicht rötlich.

Ich nütze die Dämmerung, um die Marsbilder aus der Vornacht auszuarbeiten; dann geht es ans Instrument. Günther zabert einen Starlight f/3.3 Reducer hervor, und es stellt sich heraus, dass er gut zu meiner MX916 passt. Mit dem brutalen Öffnungsverhältnis von 1 : 3,3 bei 40cm Öffnung sollten sich eigentlich neue Welten eröffnen. Und tun es auch!

Bis zur Beobachtung des Mars verläuft die Nacht jetzt sehr ruhig. Einstellen des gewünschten Objekts, Fokus überprüfen und nötigenfalls fokussieren, die Belichtungsserie einprogrammieren, starten, und ... für die nächsten 5 bis 10 Minuten den Himmel geniessen. Alle Aufnahmen werden mit Zenitspiegel aufgenommen (hat sich so ergeben), sind daher seitenverkehrt. Das Gesichtsfeld beträgt beachtliche 17' x 23'. Auf den hier wiedergegebenen Aufnahmen wurden die Randzonen teilweise entfernt, um Artefakte durch den Stackvorgang und die anschliessende Filterung zu eliminieren.

Ich nehme zunächst einige Klassiker auf: M27 (M57 ist bei f/3.3 zu klein), M8 und M20.

M27 Der Hantelnebel (M27); 5 x 30 Sekunden, logaritmischer Maßstab, DDP-Filter.
M8 Der Lagunennebel (M8) im Schützen, 14 x 30 Sekunden, logarithmischer Maßstab, unscharfe Maske und DDP-Filter. Leider sind die Sterne durch das schlechte Seeing in der geringen Höhe aufgebläht.
M20 Der Trifidnebel (M20); 15 x 30 Sekunden, logarithmischer Maßstab, DDP-Filter. Man beachte den Größenvergleich von M8 und M20; visuell erscheint M8 viel größer, da er wesentlich weitere Ausläufer hat, die hier außerhalb des Bildfeldes liegen.

Dann zieht es mich in die Nähe des Zenit, wo vor allem der Cirrus-Nebel mein Ziel ist. Heute hole ich nur einige besondere Regionen heraus. In einer etwas längeren Nacht werde ich mich wohl einmal an ein Gesamtmosaik wagen. Gefühlsmäßig werde ich dafür wirklich eine ganze Nacht brauchen, so riesig ist dieses weit verzweigte Netzwerk aus Filamenten.

Ein Ausschnitt aus dem Cirrus-Nebel (NGC 6960) nahe dem hellen Stern 52 Cygni. 15 x 30 Sekunden, logarithmische Skalierung und DDP-Filter. Die eigenartige Struktur links von den Nebelfilamenten ist ein im f/3.3-Reducer entstandener Reflex von 52 Cyg; das gute Stück ist leider nicht sehr gut vergütet.
Ein zweiter Ausschnitt aus NGC 6960, etwas südlicher gelegen. 18 x 30 Sekunden, logarithmische Skalierung, DDP-Filter.
Ein Ausschnitt aus dem anderen Teil des Cirrus-Nebel, NGC 6992. 17 x 30 Sekunden, DDP-Filter.
Ein anderer Ausschnitt aus diesem Teil des Nebels, 14 x 30 Sekunden, DDP-Filter.

Dann Crescent- und Bubble-Nebel. Ich verwechsle die beiden immer, obwohl sie ganz unterschiedlich sind. Aber beide sind sehr interessant.

Der Crescent-Nebel NGC 6888 im Schwan, 16 x 30 Sekunden, logarithmisch skaliert, DDP-Filter. Das Objekt ist auch visuell eine Herausforderung.
Der Bubble-Nebel NGC 7635 in der Cassiopeia, 15 x 30 Sekunden, logarithmisch skaliert, DDP-Filter. Ein interessantes Objekt in einer filamentreichen Gegend.

Ein Objekt interessiert mich noch besonders mit diesem f/3.3-Reducer: Das Zentrum des Andromedanebels. Wie viel Nebel würde in das Bildfeld passen?

M31 Das Zentrum von M31. 15 x 30 Sekunden, doppelt (!) logarithmische Skalierung, unscharfe Maske und Gauss-Transformation. Durch diese eher unüblichen Schritte kommen der fast sternartige Kern der Galaxie und die feinen dunklen Filamente nahe des Kerns deutlich heraus.

Betrachtet man die Aufnahmen kritisch, so erkennt man zum Rand hin doch eine leichte Verzerrung, die aber tolerierbar ist (nichts gegen jene des 5m-Spiegel auf Mt. Palomar in seiner ursprünglichen Konfiguration). Gegen 2 Uhr steht Mars schon recht hoch; leider enttäuscht das Seeing. Immerhin, das 16" gibt so viel Licht ab, dass sich aus den Videos doch noch etwas heraus holen lässt.

Mars bei F = 4000 mm. Gestackt aus rund 500 Frames zu je 1/33 s Belichtungszeit, Quality > 85%. Kein Filter. Das "Marskätzchen" ist wieder deutlich zu sehen (Sinus Meridiani und Sinus Sabaeus links, Syrtis Maior rechts unten). Rechts oben Hellas (mit deutlichem Staubsturm?).
Mars Mars bei F = 8000 mm, gestackt aus rund 500 Aufnahmen zu je 1/25 s Belichtungszeit und etwas Nachverstärkung. Jetzt kommt die auffällig Struktur am Rand von Hellas sehr deutlich heraus. Wie in obiger Aufnahme wurden auch hier die Farbebenen getrennt und verschoben wieder zusammengesetzt, um das atmosphärische Spektrum zu kompensieren - eine lästige Aufgabe, bei Objekten unter 45° Höhe aber leider unvermeidbar.


Observing Mars ...

Der Mond ist seit etwa 0.30 Uhr mein Gast. Obwohl er den Himmel gehörig aufhellt, kann er der Nacht nicht wirklich etwas anhaben. Im Zenit, wo ich Deep Sky Objekte aufnehme, ist es nach wie vor sehr dunkel und die Milchstraße lässt sich auch nicht sehr vom Mond beeindrucken. Zum Abschluss noch ein Foto vom abnehmenden Mond. Interessant: Die Apenninen in umgekehrter Beleuchtung und der strahlend helle Aristarch.


Fazit: Eine erfolgreiche Nacht, obwohl ich ursprünglich ein anderes Programm geplant hatte. Aber so ist das eben in der Astronomie: Man muss sich nach den Gegebenheiten richten.