Merkur und Jupiter im Sturm

Sofienalpe, 22. 07. 2003

20030722api20.html

Beobachter:Alexander Pikhard
Datum:22. 07. 2003
Zeit:20.15 bis 22.00 MESZ
Ort:Sofienalpe
Instrument:12" Meade LX-200
Bedingungen:

Durchsicht:gut (2)
Seeing:schlecht (4)
Temperatur:33 °C
Wind:sehr stark aus NW
Bemerkungen:Enorme Dynamik in der Atmosphäre, stark wechselnde Bewölkung, Sturm, am Horizont Gewitter.

Bericht:

Entgegen allen Erwartungen ein strahlend klarer Abend, nur am Horizont Gewitterwolken. Es ist drückend heiss, aber kaum windig. Gegen 19 Uhr beschliesse ich, auf die Sofienalpe zu fahren, um die Dämmerungsplaneten Merkur und Jupiter aufzuspüren und auf Mars zu warten.

Auf der Sofienalpe ein herrlicher Sommerabend, die Sonne versinkt im Nordwesten, wo sich in der Ferne ein mächtiger Gewitterpilz drohend erhebt und ansonsten nur einige harmlos scheinende Wolkenreste im Norden tummeln.


Ein herrlicher Sonnenuntergang auf der Sofienalpe. Aber trügerisch ...

Ich baue auf dem Hügel auf, um Mars etwas früher zu erwischen. Während des Aufbaus bilden sich über uns ein paar Wolken, ziehen aber nach Süden ab. Im Norden weiterhin die zerrissenen Reste von Gewittern. Ich mache in kurzem Abstand zwei Panoramen.


 

Dramatische Wolkendynamik bei Sonnenuntergang

Als die Wolken über der Sofienalpe dichter werden und sich so mach sorgenvoller Blick nach oben richtet, ändert sich mit einem Moment alles. Ein eigenartiges Geräusch entpuppt sich als orkanartiger Sturm, der plötzlich und unvermutet hereinbricht und dessen erste heftige Bö einmal meinen Koffer vom Campingtisch in die Wiese befördert. Zum Glück ist es noch hell, das Zeug ist rasch eingesammelt. Also: Niemals Koffer mit offenem Decken stehen lassen. Mein LX-200 trotzt dem Sturm. Was noch wichtiger ist: Der Sturm verbläst alle Wolken und schlagartig ist es fast wolkenlos. Nur über Wien türmen sich einige Quellwolken, sie scheinen sich erst jetzt zu bilden.

 
Ausser drohenden Gewittertürmen am Horizont hinterläßt der Sturm einen strahlend blauen Himmel. Vorerst.

Das könnte auch die Ursache für den Sturm sein. Ein lokales Hochdruckgebiet über Wien ist schlagartig kollabiert. Tatsächlich kam mir das ganze wie eine gewaltige Implosion vor. In Zeitraffer müsste das ganze dramatisch ausgesehen haben, die Fotos können dieses Naturereignis nicht wiedergeben.

Tatsächlich erwische ich Merkur und Jupiter im Fernrohr. Mit freiem Auge glaube ich, Jupiter auch noch sehen zu können. Merkur schaffe ich nicht, es ist am Horizont doch noch zu hell. Beide Planeten zeigen keine Details mehr, kein Wunder in der geringen Höhe und bei dem Seeing.

 
Merkur (links) und Jupiter (rechts) in der Dämmerung. Na ja, sie sind jedenfalls da ...

Es wird dunkler und ich beobachte ein paar Doppelsterne (Epsilon Lyrae, Alpha Herculis, Rho Herculis). Das Seeing ist lausig. Dieses Seeing, der ungute Wind - er wird sogar recht kühl - und dann auch noch Blitze über Wien lassen mich dann doch abbauen. Hätte keinen Sinn, auf Mars zu warten. Schon eines der drei Übel hätte die Sache vereitelt.

Wie sich herausstellen sollte, war Mars in dieser Nacht dann auch nicht mehr zu sehen. Aber wenigstens Merkur und Jupiter im Sturm.