CCD-Nacht

Sternwarte Mariazell, 23. 07. 2003

20030723api21.html

Beobachter:Alexander Pikhard
Datum:23. 07. 2003
Zeit:21.30 bis 03.30 MESZ
Ort:Sternwarte Mariazell
Instrument:16" Meade LX-200, StarlightXpress MX916
Bedingungen:

Durchsicht:sehr gut (1)
Aufhellung:sehr gut (1)
Seeing:ausreichend (3)
Freis. vis. Grenzgroesse:6.5
Temperatur:18 °C
Wind:kein
Bemerkungen:kurrzeitig Nebel

Bericht:

Ich mache ein paar Tage Urlaub in Mariazell, natürlich auch mit dem Hintergedanken, die hiesige astronomische Infrastruktur intensiv zu benützen, wenn es das Wetter zulässt. An diesem Mittwoch scheint dies nicht der Fall zu sein. Es würde wohl auch nichts mit der Führung werden, die zu halten ich mich freiwillig gemeldet hatte.

Doch der Nachmittag verläft interessant; je mehr ich mich Mariazell nähere, desto heller wird es, der Regen läßt nach. Und auch in Mariazell wird es von Minute zu Minute freundlicher. Abendessen in der Sonne auf der Terrasse der Pizzeria Weinstadl!

Also beschliessen Angelika Eder und ich, die Führung stattfinden zu lassen. Ich fahre schon einmal hinauf und bereite die Sternwarte vor. Abgesehen von ein paar Gewitterwolken im Nordwesten erwartet mich ein sehr freundlicher Abend, mild, windstill und klar.


Panoramablick aus dem Kuppelspalt

In der Dämmerung sind Merkur und Jupiter leichte Ziele, wenngleich grotesk vom Seeing verzerrt. Aber immerhin erkennt man auf Jupiter sogar noch die beiden Äquatorbänder.

  
Merkur (links) und Jupiter (rechts) in der Dämmerung

Die Führung für eine Gruppe aus dem St. Franziskusheim, die ich zusammen mit Angelika Eder halte, verläuft in sehr angenehmer Atmosphäre; und während Arcturus, Albireo, M57 und M13 als Anschauungsobjekte für Sternentwicklung und Kosmologie dienen, wird der Himmel immer brillianter. Unter einer reich strukturierten Milchstrasse Sternbilder und die Struktur unserer Galaxis zu erklären, ist ein Vergnügen! Im Tal senkt sich der Nebel und wird immer dichter.


Nebel umhüllt die Basilika


Schon ist sie weg!

Nach 23 Uhr endet die Führung, und während die schon etwas frierenden Besucher den Heimweg antreten, reift in mir der Entschluss, nicht schlafen zu gehen, sondern die CCD-Kamera zu aktivieren. Ich habe zwar kein Programm (wie am Sonntag), aber eine Fortsetzung ist angesichts dieses Himmels wohl ein Muss!

Es geht wieder mit f/3.3 ans Werk, mit Belichtungszeiten von 20 oder 30 Sekunden werden Serien von bis zu 30 Aufnahmen gemacht. Und nun zu den Ergebnissen.

M13 im Herkules; das Gerücht, wonach Kugelsternhaufen mit einer Aufnahme von wenigen Sekunden erledigt sind, ist hiermit widerlegt. 6 x 30 Sekunden liefern genug Dynamik für weitere Filterung (logarithmische Skalierung, DDP), und so gut ist der Haufen noch nie herausgekommen.
M17, der Omega-Nebel. Eine kurze, unangenehme Begegnung mit dem aufsteigenden Nebel (zum Glück eine einmalige Unterbrechung von nur drei Minuten) veranlasst mich zum Abbruch der Serie und Neustart. Somit fallen rund 35 verwertbare Aufnahmen an, von denen ich einige dann noch aussondere. Das Ergebnis von 19 x 30 Sekunden ist aber beeindruckend: Der Nebel sprengt das Bildfeld, die Ausläufer sind mehr als nur deutlich. Logarithmische Skalierung und unscharfe Maske.
M16, der Adlernebel. Wow. Mit diesem grossen Bildfeld passt der Nebel mit dem eingebetteten Sternhaufen fast zur Gänze in das Format und jetzt erkennt man, dass nicht nur die drei von den Hubble- Aufnahmen bekannten "Finger", die "Pillars of Creation", durch den Sternhaufen erzeugt werden, sondern radial noch andere derartige Strukturen den Nebel durchsetzen. Bemerkenswert auch die dunkle Globule rechts oben. 25 x 20 Sekunden, logarithmische Skala und DDP.
Zur Abwechslung ein weniger bekanntes Objekt: NGC 6804, ein netter planetarischer Nebel im Adler. 8 x 20 Sekunden, DDP.
Ein etwas bekannterer planetarischer Nebel ist NGC 6781 im Adler, hier mit 15 x 20 Sekunden und unscharfer Maske.
Eine Galaxie muss doch sein: NGC 7331 im Pegasus ist das grösste Mitglied einer ganzen Gruppe von Galaxien, von denen einige auf dieser Aufnahme zu erkennen sind. Schön auch die Strukturen in der Hauptgalaxie. 28 x 20 Sekunden, logarithmisch skaliert, DDP.
Und noch ein Nebel: NGC 281 in der Cassiopeia, 20 x 30 Sekunden und unscharf maskiert. Auch in diesem Nebel gibt es einige dunkle und auch ein helles Filament.

Ein Blick zum Mars: Grauslich! Das Seeing ist so schlecht, dass sich keine Aufnahme lohnt. Es wird hell. Die Dämmerung? Zu früh! Das ist es: Die dünne Sichel des abnehmenden Mondes geht auf. Was für ein Anblick: Der Mond steht nahe den Pleiaden, und leichte Cirruswolken im Nordosten hellen die Szene zusätzlich auf. Das muss ich im Bild festhalten, so gut es geht. Nur der Mond ist überbelichtet.


Abnehmender Mond und Pleiaden

In dieser Phase habe ich den Mond ehrlich noch nie im Fernrohr gesehen: Der Terminator läuft durch den Sinus Iridum, nur mehr der Oceanus Procellarum und das Mare Nubium sind zu sehen.

Das Seeing scheint besser geworden zu sein. Es ist gegen 2.30 Uhr. Noch ein Blick zum Mars? Unglaublich, auf einmal ist er ruhiger geworden! Zahlreiche Details sind im Fernrohr zu erkennen. Rasch noch einmal die WebCam montiert, gleich mit 2x Barlowlinse, F=8000 mm.


Mars. Mittel auf rund 500 Frames zu je 1/33 Sekunde.


Mars Previewer zum Vergleich. In der Mitte Syrtis Maior.

Gross erscheint der Planet, und alle wesentlichen Details sind auch deutlich zu erkennen. Und doch ... irgendwie nicht so ein Erlebnis wie Jupiter, wo bei der Nachbearbeitung so viele Details herauskommen. Da muss das Seeing wohl noch um einiges besser sein. Ob das bei der geringen Höhe, die Mars bei uns erreicht, wohl je der Fall sein wird? Wir werden sehen ...

Fazit: Eine unerwartete Traumnacht; eine Herausforderung an die Kondition, aber wert, sie genützt zu haben!