CCD-Abend

Sternwarte Mariazell, 27. 07. 2003

20030727api21.html

Beobachter:Alexander Pikhard
Datum:27. 07. 2003
Zeit:21.00 bis 23.00 MESZ
Ort:Sternwarte Mariazell
Instrument:12" Meade LX-200, StarlightXpress MX916
Bedingungen:

Durchsicht:sehr gut (1)
Aufhellung:sehr gut (1)
Seeing:schlecht (4)
Freis. vis. Grenzgroesse:7.0
Temperatur:18 °C
Wind:stark aus S
Bemerkungen:Anfangs sehr klar, dann Aufzug von starker Bewölkung aus SW

Bericht:

Nach einem einmalig klaren Nachmittag scheint ein ebenso klarer Abend heranzubrechen, und alle, die noch in Mariazell geblieben sind, stöhnen angesichts der dritten Beobachtungsnacht in Folge. Aber solche Bedingungen kann man nicht auslassen!


Was für ein Wetter, was für ein herrliches Panorama!

Während in der Sternwarte eine Privatführung läuft - übrigens für 30€ jederzeit zu haben - baue ich auf der Wiese mein 12" LX-200 auf, wie in den Nächten zuvor. Ich möchte noch einmal mit dem StarlightXpress f/3.3 Focal Reducer experimentieren und sehen, ob ich doch etwas mehr Schärfe bekomme. Grund Nummer eins für die drastische Reduzierung der Brennweite: Der heftige Wind. Er weht erst von Süden, dann von Westen, mit recht deutlichen Konsequenzen. Grund Nummer zwei: Elendig schlechtes Seeing.

Der Wind stört mich bei den CCD-Aufnahmen wesentlich weniger als erwartet, das LX-200 ist wirklich sehr stabil. Probleme mit zu vielen verwackelten Aufnahmen habe ich diesmal nicht. Nicht die Nachführung war schuld daran, sondern die festen Bodenplatten. Heute stehe ich auf Gras, und der elastische Boden däpft alle Schwingungen sofort.

Ich bekomme das Problem mit der Bildfeldwölbung nicht ganz in den Griff; ich mache den Zenitspiegel dafür verantwortlich, anders ist die nicht zentrische Verzerrung nicht zu erklären (säße der Chip meiner Kamera exzentrisch, würde das Problem bei allen Fernrohren auftreten). Leider kann ich auf den Spiegel nicht verzichten, da ich sonst einen Bereich von rund 20° um den Zenit verliere, und dort stehen die interessantesten Objekte.


M57, 21 x 20 Sekunden. Man erkennt auch die kleine Galaxie IC 1296 (Markierung) mit 14.8 mag.


Der Crescent-Nebel NGC 6888, 21 x 20 Sekunden.

Von Westen ziehen Wolken auf und auch Wetterleuchten. Der Föhn bricht zusammen und lässt einer Wolkenfront freien Lauf. Ich möchte aber noch zumindest ein neues Objekt ausprobieren und steuere den Nordamerikanebel an. Mir ist klar, dass ich den riesigen Nebel mit einem Meter Brennweite nicht aufnehmen kann, sondern nur Teile davon. Also wähle ich ein besonders markantes Detail. 14 Aufnahmen gehen sich noch aus, ehe die Wolken den Zenit erreichen.


Teil des Nordamerikanebels, 14 x 20 Sekunden.

Jetzt aber rasch abbauen! Auch die Kuppel wird schon geschlossen. Es klart zwar noch einmal für kurze Zeit auf, es kommt auch kein Regen, weil das Gewitter weit nördlich an uns vorbeizieht, aber es lohnt auch nicht, wieder aufzubauen. So beobachten wir noch ein paar Perseiden und Delta Aquariden. Erstere machen kurze, helle Spuren, letzere lange, manchmal verfärbte Spuren. Interessant!

Mars? Bei dem Seeing keinen Blick wert. So gönnen wir uns endlich Schlaf, den wir alle auch bitter nötig haben. Eine Woche Mariazell, fünf Beobachtungsnächte, das ist ja schon fast wie ein richtiger Astrourlaub ...