Beobachtungsnacht

Sofienalpe, 02. 08. 2003

20030802api19.html

Beobachter:Alexander Pikhard
Datum:02. 08. 2003
Zeit:19.30 bis 01.30 MESZ
Ort:Sofienalpe
Instrument:12" Meade LX-200, Olympus Camedia C-3000, Philips ToUCam Pro, StarlightXpress MX-916
Bedingungen:

Durchsicht:gut (2)
Aufhellung:gut (2)
Seeing:gut (2)
Freis. vis. Grenzgroesse:5.0
Temperatur:22 °C
Luftfeuchtigkeit:trocken
Wind:kein
Bemerkungen:Bis auf leichten Dunst, der die Duchtsicht mindert, eigentlich perfekt. Seeing gegen Ende schlechter.

Bericht:

Ein wunderschöner Nachmittag lädt wieder einmal zum Beobachten ein. Die Sofienalpe zeigt sich heute ziemlich verwaist, wahrscheinlich sind die meisten doch weiter hinaus gefahren. Eigentlich schade, denn hier sind die Bedingungen so gut wie perfekt. Einige Cirren lösen sich rasch auf, und der leichte Dunst ist auch anderswo störend. Dafür heute erstmals: Wirklich gutes Seeing!


Ein malerischer Sonnenuntergang mit letzten Restwolken

Die im Westnordwesten untergehende Sonne verleitet noch zu einem Blick - der Sonnenfilter ist im Sommer immer mit dabei. Und siehe da, das Seeing ist auch in dieser geringen Höhe erstklassig. Die Sonne zeigt sich auch wieder mit mehr Flecken, die aktiveren Gebiete kommen wieder zum Vorschein.


Ein ungewöhnlich scharfer Sonnenuntergang mit Fleckengruppen und Fackelgebieten.
DigiCam-Schnappschuss durch 50mm Plössl

Das nächste Objekt ist noch nicht der Mond, sondern Merkur. Durch das gute Seeing bedingt erkenne ich im 14mm Pentax deutlich die Phase des Planeten und wage sogar eine WebCam-Sequenz. Mit Erfolg, es gelingt mir, die Phase des Planeten deutlich einzufangen. Nicht schlecht bei 6" scheinbarem Durchmesser in wenigen Grad Höhe.


Merkur in der Dämmerung, mit deutlicher Phase. Mittel aus ca. 400
WebCam-Frames zu je 1/50 Sekunde Belichtungszeit. Das Bild wurde
nachgedunkelt, um vor allem das sekundäre Spektrum zu eliminieren.

Dann ist natürlich der Mond das nächste Ziel. Sein Untergang erfolgt fast genauso malerisch wie am Vorabend. Das gute Seeing macht ihn zum vielbestaunten Beobachtungsobjekt, dem sich auch unsere - heute nicht allzu zahlreichen - Spaziergänger nicht entziehen können.


Malerische Dämmerungsstimmung mit Mond


Zunehmender Mond. DigiCam-Schnappschuss, 50mm Plössl.

Bis der Mars auftaucht ist viel Zeit für Deep Sky, und da zeigen sich die Bedingungen wirklich auch recht brauchbar, abgesehen von der Transparenz, die bei tief stehenden Nebeln unangenehm aufällt. Aber das gute Seeing macht alles wett. Im 7mm (!) Pentax bei rund 430-facher Vergrößerung sind die Kugelsternhaufen M13 und M92 einfach so atemberaubend, dass man sie minutenlang still bewundern muss. Und dann M57; ich dachte zunächst an eine Einbildung und verhielt mich ganz still, doch Walter Kuba, am Teleskop nicht so erfahren und daher voreingenommen wie ich, bestätigt es unabhängig: Farbe!!?? Ja, in der Tat; der äußere Rand des Ringnebels ist deutlich schärfer als der innere, so soll es auch sein; aber er ist im Grauton auch deutlich wärmer! Man kann nicht sagen, dass man den Nebel "bunt" sieht, aber auch nicht ganz schwarzweiss. Es ist ein Hauch von Farben drin, vor dem dunklen Himmelshintergrund. Einzigartig!

Mit 40mm Pentax und UHC-Filter geht es an die großflächigeren Objekte: M27 ist traumhaft (übrigens auch schon ohne Filter sehr gut zu sehen und mit O-III-Filter noch viel besser), M17 sehr deutlich und M8, obwohl tief, auch noch schön. NGC 6781 ist deutlich. Ohne Filter, dafür aber wieder mit 7mm Pentax, ein paar planetarische Nebel: Der Blinking Planetary NGC 6826 strahlt heute blau und blinkt nicht, kein Wunder bei dieser Vergrößerung; man erkennt den Nebel samt Zentralstern deutlich. NGC 7027 ist deutlich als zwei rundliche, kleine Nebelscheibchen zu erkennen und der Saturnnebel NGC 7009 zeigt seine charakteristische Form. Wirklich gut!

Mit 14mm Pentax dann noch zu NGC 6905, dem kleinen planetarischen Nebel im Delphin, und zu M15, der wiederum ein traumhaftes Objekt abgibt. Aber dann ist Mars da ...

Ein erster Blick durch das 14mm Pentax zeigt den Planeten so ruhig wie noch nie; leider nicht ganz ruhig, langsame Seeing-Wellen deformieren ihn trotzdem. Aber es reicht, um bei dieser Vergrößerung bisher noch nie gesehene Details erspähen zu können. Vor allem mit Blaufilter (#80A) fällt auf, dass die kleine südliche Polkappe schon deutlich durch die Polhaube durchschimmert. Im Orangefilter (#23A) kommen viele kleine dunkle Details heraus.

Mit der WebCam mache ich ungewöhnlich lange Sequenzen von jeweils rund 1.600 Frames zu je 1/50 bis 1/100 Sekunde Belichtungszeit, und das mit 2x-Barlowlinse! Auch wenn sich Registax recht hart tut und einige Artefakte produziert, die Ergebnisse können sich durchaus sehen lassen:


Mars mit #80A Blaufilter, Mittel 15% aus 1.600 Frames


Mars mit Orangefilter #23A, Mittel 15% aus 1.600 Frames


Marskarte aus Mars Previewer zu diesen Bildern

Ein kleines Detail macht stolz: Der weiße Fleck "Nix Olympica", von der Lage identisch mit dem Riesenvulkan Olympus Mons, allerdings nicht der Berg selbst, sondern seine Gipfelwolke. Der Rest auf dieser eher uninteressanten Seite des Planeten, die vornehmlich aus der hellen, strukturlosen Ebene Tharsis besteht, ist nicht allzu interessant.

Leider wird das Seeing jetzt schlechter. Ein Versuch mit der 3x-Barlowlinse bringt nichts mehr. Dafür zücke ich die CCD-Kamera und mache mich auf die Jagd nach Phobos und Deimos. Es kostet mich viel Mühe bei der Ausarbeitung, aber ich kann die beiden Monde isolieren, allerdings an der Grenze. Visuell war nichts zu holen, der Dunst und damit das Streulicht zu stark.


Phobos und Deimos; 10-Sekunden-CCD-Aufnahme, ultrahart ausgearbeitet. Phobos geht fast im Streulicht unter.
Auch das Seeing war leider nicht mehr so gut, daher wurden die schwachen Objekte auch noch verwaschen.

Und da ich schon die CCD-Kamera montiert habe, noch ein kurzer Schwenk zu Uranus. Mit 3m Brennweite kann ich auch hier drei Monde herausholen.


Uranus, 15 x 15 Sekunden, hart ausgearbeitet

So endet ein ereignisreicher Streifzug durch das Sonnensystem mit Abstecher zu Deep Sky Objekten. Die Bedingungen rechtfertigen mittlerweile den Abbau, und es ist ohnedies schon 1.30 Uhr ...