Urlaubsbeobachtungen

Kalamaki/Zakynthos/Griechenland, 06. 08. 2003

20030806sfl00.html

Beobachter:Dr. Thomas Schröfl
e-Mail:schroefl@via.at
Datum:06. 08. 2003
Zeit:00.00
Ort:Kalamaki/Zakynthos/Griechenland
Geogr. Länge:20,917
Geogr. Breite:37,733
Seehöhe:0
System:
Instrument:Miyauchi 20x77
Bedingungen:

Bemerkungen:natürlich täglich wolkenloser Himmel, doch infolge der enormen Mengen an Wasserdampf zwar nur eine sehr mäßige Durchsicht aber dafür meistens sehr gutes Seeing

Bericht:

Der heurige Griechenlandurlaub steht nach einer einjährigen Unterbrechung unter dem Motto +back to the roots of astronomy+. Mit der gleichen Freundesgruppe unterwegs ergaben sich im August 2001 durch einen Zufall in der Sonne am Pool Gespräche mit meinem Freund Oskar, im Gegensatz zu mir damals schon längere Zeit hindurch himmelskundig und mäßig aber doch amateurastronomisch tätig. Ohne damals zu wissen was er tat, hat er mich unheilbar mit dem virus astronomicus infiziert, bekanntermaßen eine unheilbare aber nicht tödlich Krankheit, die einerseits viel Spaß macht aber andererseits in Phasen eines intensiven Schubes die Brieftasche ganz schön ausräumen kann. Der Rest der Geschichte ist ja den meisten in der WAA bestens bekannt. Größere Anschaffungen bei Gerald Rhemann, Mitgliedschaft bei der WAA, Bau einer Kuppel und der tägliche Fluch, daß die anderen Verpflichtungen des Lebens natürlich immer zu wenig Zeit für das Hobby Astronomie ermöglichen. Ganz abzusehen vom beständigen Wunsch ein genialer Kopf möge endlich einen wirksamen Wolkenschieber erfinden. Nun, was kann ein Urlaub auf Zakynthos astronomisch bieten? Der wolkenlose Himmel wird leider durch die Tatsache getrübt, daß die enormen Mengen an Wasserdampf die Durchsicht doch erheblich beeinträchtigen. Hohe Berge, um dem zu entfliehen kann Zakynthos nicht bieten. Dazu kam noch, daß zu Urlaubsbeginn der Mond gerade acht Tage alt war mit dementsprechender Aufhellung. Erst in den letzten Urlaubstagen ermöglichte uns der deutlich spätere Mondaufgang und die abnehmende Mondphase etwas Deep-Sky-Beobachtungen, zumal wir das Glück hatten an diesen Tagen mit Leihwagen einen anderen Küstenabschnitt aufsuchen zu können, an dem aus welchem Grunde auch immer, die Durchsicht wesentlich besser war (geschätzte Grenzgröße um 5.5 mag). Nach einem herrlichen Abendessen in einer Strandtaverne bei Kerzenschein + erstens sehr romantisch und zweitens keine Gefahr unerwünschter Aufhellung + bauten wir am Strand den Miyauchi auf und begaben uns auf einen Streifzug durch die Sommermilchstraße. 10 Grad mehr an südlicher Breite machen sich schon bezahlt. Wo ich in Edlach schon sehr am südlichen Horizont herumkrebse, mit allen Nachteilen der geringen Höhe, ist es hier kein Kunststück bereits mit dem Fernglas im Schützen und Skorpion auf Messier-Jagd zu gehen. Ähnlich wie bei der WAA wird es zu einem Sternabend für die ganze Familie. Kinder von 6 bis 19 und nicht minder die Eltern stehen Schlange hinter dem Fernglas. Wer nicht gerade zum Durchschauen dran ist erhält von Oskar mittels Laserpointer einen kurzen Einführungskurs in der Orientierung am Himmel, wir zeigen die markantesten Sternbilder und suchen uns die schönsten Fernglasobjekte zur Demonstration. Beginnend beim Sommerdreieck zeigen wir Albireo, wohl der schönste und beeindruckendste Doppelstern für astronomische Anfänger. Die gleiche Begeisterung ruft M13 hervor und nachdem ich erzähle wie sich ein solcher Kugelsternhaufen mit einem Elfzöller auflösen läßt ist es klar, daß meine Sternwarte in der nächsten Zeit wohl öfters Besuch bekommen wird. M8 und M20 sind schon eine gewisse Herausforderung, vor allem für die Kinder, die noch sichtlich Schwierigkeiten haben den richtigen Okulareinblick zu finden, ganz abgesehen von der fehlenden Fähigkeit sich mit dem indirektem Sehen vertraut zu machen. Leichter fällt dies bei M17, der nicht nur etwas höher außerhalb des Dunstes steht sondern, jedenfalls nach meinem subjektiven Eindruck doch eine wesentlich deutlichere Flächenhelligkeit hat. Ohne gezielt nach bestimmten Objekten zu suchen wandern wir beginnend beim Adler durch die gesamte südliche Milchstraße bis zum Skorpion. Erstmals kann ich das Sternbild in seiner ganzen Ausdehnung sehen, vor allem auch Antares, was mir in Edlach zufolge von Bäumen und Bergen fast vollständig verwehrt ist. Natürlich können wir nicht an Mars so knapp vor seiner Opposition vorübergehen, dessen Helligkeit derzeit wirklich alles andere überstrahlt. Könnte man nur den Gewinn von 10 Breitengraden nach Wien mitnehmen. Die unendliche Dankbarkeit aller heimischen Marsbeobachter wäre mir gewiß. Auch wenn der Miyauchi nur eine 20fache Vergrößerung bietet, lassen sich mit Geduld und vielleicht auch ein bißchen Phantasie einige Oberflächendetails erkennen. Täglich nütze ich die Gelegenheit, denn wann kommt man in Wien aus Zeit- und Wettergründen schon dazu, 14 Tage einer Mondphase zu beobachten. Das Fernglas erweist sich hier als ideal, denn es verleitet mit seiner mäßigen Vergrößerung nicht dazu zu sehr in die Details zu gehen sondern mehr Augenmerk den täglichen Veränderungen im Erscheinungsbild des Mondes zu widmen. Es stimmt schon, was in den einschlägigen Fachbüchern zur Mondbeobachtung steht. Der Mond ist nie gleich. Jedesmal läßt sich Neues und noch nicht Gesehenes entdecken. Das läßt in mir den Vorsatz reifen, mich in der nächsten Zeit viel mehr einmal etwas konsequenter mit der Mondbeobachtung zu beschäftigen. Fazit dieses Urlaubs: ein Miyauchi ist ein idealer und gut transportabler astronomischer Reisebegleiter, Astronomie eine Betätigung, die, ob jung oder etwas älter, aller Interesse weckt und die griechische Sommerhitze, die einen rasch vom Gedanken nach zu viel an Bewegung abbringt, die beste Voraussetzung, um den Rückstand an astronomischem Literaturstudium nachhaltig abzubauen. PS für meinen Freund Ludwig Grandy: Habe ich in diesen Bericht so viele Absätze eingefügt, daß Du ihn ausnahmsweise auch lesen wirst?