| Beobachter: | Alexander Pikhard | ||||||||||||||||
| Datum: | 07. 08. 2003 | ||||||||||||||||
| Zeit: | 20.30 bis 01.30 MESZ | ||||||||||||||||
| Ort: | Sofienalpe | ||||||||||||||||
| Instrument: | 12" Meade LX-200, Philips ToUCam Pro | ||||||||||||||||
| Bedingungen: |
| ||||||||||||||||
| Bericht: |
Es ist ein Wochentag, und trotzdem mache ich mich auf die Sofienalpe, um Mond und Mars zu beobachten, und das kann bekanntlich bis nach Mitternacht dauern. Trotzdem. Ein wunderschöner, lauer Sommerabend, der tief stehende Mond taucht die Szenerie in ein fahles, aber nicht unangenehmes Licht, Grillen zirpen, es ist eigentlich kitschig schön. Neben dem Mond, der den Himmel aufhellt, gibt's kaum etwas zu beobachten, ausser vielleicht ein paar Doppelsternen. Der Mond ist sowieso das zentrale Beobachtungsobjekt, so lange er noch hoch genug steht. Das Seeing ist anfangs recht gut, und neben einem DigiCam Schnappschuss durch das 50mm Plössl geht sich auch eine recht gute WebCam-Sequenz von Copernicus aus, der nahe am Terminator steht. Neben mir haben Andreas und Astrid einen 8" Dobson aufgestellt, um ihn zu testen. Sonst beobachtet zunächst niemand hier auf dem "Hügel". Aber unsere beiden Instrumente locken einige, vorwiegend junge Leute an, die den lauen Abend für einen Spaziergang (mit oder ohne Hund) nützen. Bald ergibt sich ein sehr nettes, lockeres Geplaudere über Astronomie und wo und wie man am besten beobachten kann, und über Star Parties und wie man Astronomie auch anders als steif und förmlich vermitteln kann. Allein diese nette, spontane Runde war die Fahrt auf die Sofienalpe schon wert! Der Mond steigt tiefer, hellt den Himmel aber immer noch sehr auf. Andreas und Astrid fahren heim, dafür kommt rechtzeitig vor dem Mars noch ein anderer Sterngucker mit einem C8. Ich geniesse eigentlich mehr die Stimmung und fahre ein wenig mit dem LX-200 in der Gegend herum. Ja, ein paar Objekte kommen auch durch das helle Mondlicht: M13, M15, M11 sind ganz nett. Einen sehr alten Bekannten besuche ich auch nach vielen Jahren wieder: Den Doppelstern Zeta Aquarii. Er zeigt mir, dass das Seeing in geringer Höhe nicht hoffnungslos ist. Ich lasse mir vom LX-200 ein paar Objekte in der Gegend des Adlers vorschlagen und stosse auf den offenen Sternhaufen NGC 6709, der auch ein sehr nettes Objekt ist. Doch jetzt kommt Mars. Ich lasse den Planeten hinter den Bäumen vorbeiwandern und beobachte ihn erst, als er gegen 23.30 Uhr den letzten Baum passiert hat. Er steht jetzt 15° hoch, nicht viel, aber besser als gar nichts. Ein Blick durch das 14mm Pentax zeigt: Es flimmert etwas, aber es sind Details da. Die "uninteressante" Seite mit der riesigen Tharsis-Region. Aber um die immer noch sehr dominante, aber doch schon deutlich kleinere Polkappe ein grosses, strukturiertes, dunkles Gebiet. Mit einem Orangefilter (#23A) sehe ich in diesem Gebiet blickweise deutliche Strukturen. Es geht an die WebCam. Mit 2x-Barlowlinse ist nichts zu machen, aber Mars ist schon so gross, dass auch mit "nur" 3m Brennweite einiges zu holen ist. Ich war mit meinen Aufnahmen der letzten Zeit nicht zufrieden, vor allem nicht mit dem Farbton, und experimentiere daher ein wenig. Und lerne zwei wichtige Dinge. Erstens: Nicht unterbelichten. Unter einem gewissen Signal/Rauschverhältnis ist auch Registax chancenlos. Zweitens: Viel, viel Zeit lassen beim Fokussieren. Ich fokussiere an Atair, muss zwischendurch aber umfokussieren, wenn ich Farbfilter verwende (die optische Dicke der Filter ist nicht vernachlässigbar). Ich habe sogar knapp vor der Marsbeobachtung den Fangspiegel an Atair kollimiert, er war ganz, ganz wenig dekollimiert. Von elf Videosequenzen ist nur eine ein Totalversager; aus den restlichen kann ich trotz des nicht mehr so optimalen Seeing und 90 Prozent Qualitätsschwelle zwischen 20 und 240 (!) Frames verwerten. Es kommt wirklich weniger auf das Seeing als auf den Fokus an. Die beste Aufnahme ohne Farb-, aber mit IR-Sperrfilter entsteht aus 142 verwertbaren Frames mit 1/50s Belichtung (ohne IR-Sperrfilter hätte 1/250s ausgereicht, aber die Farben und das Rauschen waren nicht befriedigend). Mit Orangefilter (#23A) belichte ich 1/33s, hier erwische ich die beste Phase mit einem Video, von dem gleich 236 Frames die 90 Prozent-Hürde schaffen. 1/25s brauche ich für die Aufnahmen mit dem Blaufilter (#80A), die Kamera ist eindeutig nicht blauempfindlich. Aber auch hier schaffen es 101 Frames zum besten Bild. Die Bilder werden mit Registax gestackt und mit einem leichten Wavelet-Filter geschärft, anschliessend entferne ich mit Giotto das sekundäre Spektrum. Der andere Weg (mit Registax stacken, dann mit Giotto die Farbränder eliminieren und dann nochmals mit Registax den Wavelet-Filter anwenden) erweist sich als falsch, es kommt dabei nichts brauchbares heraus. Es kommen enorm viele Details heraus, mehr, als ich visuell sehen konnte. Wieder hilft Mars Previewer beim Identifizieren der Strukturen. Besonders erfreut mich der Umstand, dass auf der rotgefilterten Aufnahme nicht nur (die Gipfelwolke von) Olympus Mons, sondern von mindestens zwei der drei übrigen Tharsis-Vulkane zu sehen ist (Arsia, Pavonis und vielleicht auch Ascraeus). Auf der blaugefilterten Aufnahme erkennt man deutlich eine blaue Dunstwolke über dem Mare Chronium nahe der südliche Polhaube. Alles in allem eine sehr nette Nacht mit zufriedenstellenden Mars-Ergebnissen. Mal sehen, wie das ganze bei wirklich gutem Seeing gelingt, falls es dieses einmal gibt ... |