Sommernacht in Wien

Wien, 8. Bezirk, 07. 08. 2003

20030807bre23.html

Beobachter:Bernhard Rems
Datum:07. 08. 2003
Zeit:23.00 bis 02.30 MESZ
Ort:Wien, 8. Bezirk
Instrument:Celestron C8
Bedingungen:

Durchsicht:gut (2)
Aufhellung:ausreichend (3)
Seeing:ausreichend (3)
Freis. vis. Grenzgroesse:5.0

Bericht:

Gegen 22 Uhr ein Blick auf die Terrasse: Für Wien eigentlich erstaunlich gute Durchsicht - und selbst das übliche Sternflimmern hält sich in Grenzen. Ich schnappe mir das C8 und lasse es erst mal eine Stunde die Umgebungstemperatur annehmen. Derweilen baue ich mein Notebook auf und stelle mir eine Liste von Objekten zusammen, die ich beobachten will. Um 23 Uhr ist es dann dunkel genug, um mit den Umständen entsprechend vernünftigen Beobachtungen zu beginnen. Der Advanced Asromaster wird kurz an zwei Sternen justiert, dann eröffne ich den Abend mit M 13. Schon im 40mm Plössl kommen erstaunlicherweise gut ein Dutzend Einzelsterne zum Vorschein - und das trotz nicht schwarzem Himmel. Ich kann mich nicht erinnern, das in der Josefstadt schon einmal so gesehen zu haben. Auch bei M 92 finde ich einige Sternpünktchen. Die Luft ist derweilen ziemlich ruhig (immer bezogen auf meinen miserablen Beobachtungsplatz), also wage ich mich auch an einige enge Doppelsterne zwischen 1" und 2" Abstand. Besonders schön finde ich STF2596 in Aquila - das 6mmLV trennt ihn prächtig mit viel Schwarzraum. Dann ist entspanntes Herumschauen angesagt. Zenial komme ich diesmal auf knapp 12.6mag, zum Horizont hin wird es aber natürlich schlechter. Ich suche kurz einen Asteroiden aus der Liste, der unter den herrschenden Bedingungen für mich machbar sein könnte und finde 85(Io). Schnell das erwartete Gesichtsfeld mit Astroplanner angezeigt, das Teleskop mit Hilfe von Advanced Astromaster ausgerichtet und voila - da ist die Gute. Mit 10,2 mag kein Problem, und wieder kann ich einen Aseroiden auf meiner Liste abhaken. Ich schwenke auf NGC6940 in Vulpecula. Zu meinem Erstaunen funkeln mir hunderte Sterne entgegen. So kenne ich den Anblick bestenfalls von einem ländlichen Beobachtungsplatz - in der Stadt ist mir ein ähnliches Erfolgserlebnis nicht erinnerlich. Auch NGC6934 (Kugelsternhaufen in Delphin) ist sehr schön und leicht. Zum Abschluß stelle ich Mars ein. Die Luftruhe ist auf -14° nicht berauschend, aber zwischen langsamen Wellen von Luftunruhe gibt es auch Augenblicke, wo im 6mm LV viele Details zu sehen sind. Mars zeigt uns zu diesem Zeitpunkt seine "Langeweileseite", aber gerade an ihr kann man Detailsehen gut üben. Die südliche Polkappe ist übrigens deutlich geschrumpft. Ich versuche mich auch mit der Webcam, aber irgendwie will mir Mars diesmal nicht so richtig in den Fokus springen. Nun ja, ein wenig Schlaf braucht auch der engagierte Amateurastronom, also packe ich meine Sachen zusammen und strebe dem Bett zu. Schön wars, und ausgezahlt hat es sich diesmal ganz besonders.