| Beobachter: | Alexander Pikhard | ||||||||||||||
| Datum: | 11. 08. 2003 | ||||||||||||||
| Zeit: | 20.00 bis 01.15 MESZ | ||||||||||||||
| Ort: | Sofienalpe | ||||||||||||||
| Instrument: | 12" Meade LX-200, diverse Kameras | ||||||||||||||
| Bedingungen: |
| ||||||||||||||
| Bericht: |
Unverschämt, so ein Wetter an einem 11. August. Man kann es einfach nicht vergessen, was da vor mittlerweile vier Jahren war; der Wetterkrimi, das Bangen und Warten, das Verfluchen der Meteorologen. Hätten wir damals schon Wettermodelle wie Bolam gehabt ... Egal, heute ist es jedenfalls makellos schön, und die Marsmania 2003 treibt seltsame Blüten: Beobachter rücken bei Vollmond aus! Ich bin wie immer etwas früher da, denn ich baue gern bei Tageslicht auf. Heute von Hitze keine Spur, der Wind aus SE ist kühl, im Lauf der Nacht brauche ich einen Pullover. Ungewöhnlich! Ich baue auf dem Hügel auf, gleich neben der verwitterten Tafel, um Mars möglichst früh zu erwischen. Zuerst aber ein Blick zur Sonne: Wieder einige Flecken, und das Seeing in der geringen Höhe ist nicht schlecht. Es ist sehr klar, bald habe ich Arcturus im Rohr, dank gut erratener Aufstellung. Und ein kleiner Versuch ... Maerkur!? Kann das stimmen? So eine grosse Elongation von der Sonne? Es stimmt! Nur die flache Ekliptik vereitelt eine Traumsichtbarkeit, aber im Fernrohr ist der winzige Planet eine deutliche, vom Seeing etwas verzerrte Sichel. Aber Mist! Ich habe mein Instrument genau so aufgestellt, dass die alte Tafel genau, aber genau vor der Öffnung steht. Zum Glück hat sie keine 30cm Durchmesser, aber trotzdem. Ich dachte, in diesem Azimut werde ich nicht beobachten ... Denkste! Unglaublich der weite Blick ins Tullnerfeld, Berge am fernen Horizont. Und ein stahlblauer Himmel. Andreas und Astrid kommen mit ihrem neuen Dobson. Und eine Familie, die eigentlich zum Ferienspiel wollte. Sie sind leider sehr enttäuscht, dass sie Mars noch nicht sehen können - doch der wird erst gegen 23 Uhr hinter den Bäumen hervorkommen. Ich vertröste sie auf den Mond, der aber auch erst in einer guten Stunde sichtbar sein wird, und so kommt zunächst das Restaurant zu Gästen. In der Dämmerung experimentiere ich mit einem 9mm Nagler von Andreas, schon ein schönes Teil. Schon Epsilon Lyrae ist eine Wucht, aber M57 und vor allem M13 sind einfach ein Erlebnis! Diese besonderen Eindrücke teilen auch zwei Spaziergängerinnen mit uns, die sich spontan unserer kleinen Gruppen anschliessen. Unsere Familie von vorhin kommt auch wieder, gerade rechtzeitig, denn jetzt kommt der fast volle Mond hinter den Bäumen hervor. Ohne Graufilter ist heute beim Mond nichts zu machen. An meinem 12" projizieren wir den Mond formatfüllend auf eine weisse A4-Seite, und deutlich sieht man alle Strukturen. Mit einem Graufilter geht es einigermassen. Trotzdem sind wir für Minuten geblendet. Der Himmel ist hell. Vom Kleinen Wagen sieht man nur mit Phantasie die schwächsten Sterne, und das bei dieser tollen Durchsicht. Aber tief im Süden strahlt der Mond wie ein Scheinwerfer. Mars leuchtet zwischen den Blättern des Waldes durch. Die Familie beschliesst, nicht mehr zu warten, sondern uns an einem unserer samstäglichen Sternabende zu besuchen. Ist auch vernünftiger als unter der Woche, und beim Sternabend gibt es auch viel mehr Rahmenprogramm als bei einer doch privaten Beobachtung. Noch einmal ein paar Deep Sky Objekte. M13, M15, M11, ja sogar M17 (!) ist mit einem UHC-Filter gar nicht so schlecht. Könnte jemand den Mond abdrehen? M31, h+Chi Persei, und dann kommt endlich der Rote Planet. Das Seeing ist nicht schlecht. Könnte besser sein, aber für die wichtigsten Details reicht es. Ohne Filter kommen aber ausser der Polkappe nur wenige Details heraus. Mit einem Orangefilter kann man auf dem Mars aber durchaus spazieren gehen. Ich montiere die WebCam erneut (erstes Objekt war bekanntlich Merkur). Für die 2x-Barlowlinse ist das Seeing doch nicht gut genug, aber die Aufnahmen bei 3m Brennweite werden sehr gut. Ich gehe allerdings auch grosszügig mit meinem Speicherplatz um und mache zwischen 1200 und 1600 Aufnahmen pro Video.
Der helle Fleck nahe Jeventae Fons könnte eine Wolke oder ein Staubsturm sein. Langsam kommen wieder interessantere Gegenden zum Vorschein. Ein Problem beim Ausarbeiten bereitet mir der Blaukanal der Philips ToUCam Pro. Er ist, vor allem bei den (nicht veröffentlichten) Aufnahmen mit der Barlowlinse, unbrauchbar. Ich ersetze ihn durch ein 50:50 Mittel aus dem Rot- und dem Grünkanal. Nicht ganz korrekt, aber akzeptabel. Die Durchsicht ist so gut, trotz des Mondes. Ich verlasse Mars, und obwohl es schon recht spät ist, montiere ich doch noch die MX916 CCD-Kamera. Ziel: M57, der Ringnebel. Ich möchte auch hier eine RGB-Aufnahme probieren. Ziemlich am Ende meines Batteriestroms und auch schon ziemlich müde, mache ich nur einige wenige (genauer: je 3 x 20 Sekunden) Aufnahmen, die zudem nicht so gut sind, da das Seeing doch immer schlechter wird. Ein erstes, noch nicht richtig ausgearbeitetes Ergebnis dieser kurzen Aufnahmeserie ist dieses Farbbild von M57; noch nicht ganz korrekt, auch nicht berauschend von der Schärfe wegen des Seeings, aber doch ganz passabel für einen "Schnappschuss" von 3 x 3 x 20 Sekunden. Die Aufnahme entstand mit f/6.3, also einer Brennweite von F=1890mm. Es ist jetzt schon recht unangenehm kühl und ausserdem schon recht spät für einen bald bevorstehenden Arbeitstag, also beende ich meine Aktivitäten. Zwei weitere nächtliche Spaziergänger halten - vergeblich - Ausschau nach Perseiden. Wenn die Leute doch nicht alles glauben würden, was in der Zeitung steht ... |