Mars und mehr

Sofienalpe, 19. 08. 2003

20030819api20.html

Beobachter:Alexander Pikhard
Datum:19. 08. 2003
Zeit:20.00 bis 00.30 MESZ
Ort:Sofienalpe
Instrument:12" Meade LX-200, Philips ToUCam Pro
Bedingungen:

Durchsicht:sehr gut (1)
Aufhellung:gut (2)
Seeing:ausreichend (3)
Freis. vis. Grenzgroesse:5.5
Temperatur:21 °C
Wind:kein
Bemerkungen:Langsamer Aufzug hoher, flacher Bewölkung, ab 00.30 Uhr bedeckt

Bericht:

Ein wunderschöner Nachmittag lässt den Entschluss reifen, zu Marsbeobachtungen auf die Sofienalpe zu fahren. Die Bedingungen sind gut; Bolam 21km sagt allerdings ab Mitternacht Bewölkung voraus, doch bis dahin sollte Mars hoch genug stehen.

Aufbau in der Dämmerung, bald sind die ersten Sterne zu sehen. Die ersten Blicke zeigen: Das Seeing ist nicht hoffnungslos. Bald stellt sich heraus, dass die Durchsicht exzellent wird.

Gegen 21.30 Uhr ist es schon sehr dunkel und das Warten auf den Mars kann mit der Beobachtung von Doppelsternen und bald auch Deep Sky Objekten überbrückt werden. M57 und M13 sind wunderschön, brilliant und ruhig. Auch M92 ist schön. Im Zenit, im Bereich des Schwans, ist die Milchstrasse deutlich zu erkennen. Mit UHC-Filter sind M17, M8 und sogar M20 kein Problem.

Mars ist noch nicht da. Also noch ein paar Deep Sky Objekte. M51 lässt sogar andeutungsweise die Spiralarme erkennen. M11, M15, M2, lauter prächtige Anblicke, doch irgendwie ist man nicht bei der Sache. Die Gedanken sind beim -

Mars! Da geht er auf über den Bäumen, rund 10° über dem Horizont. Geben wir ihm noch etwas Zeit, bis er hinter dem letzten hohen Baum hervorkommt. Noch ein paar Deep Sky Objekte, wie etwa NGC 6781. Doch dann ...

... der Blick durchs Fernrohr. Gut! Sehr gut sogar! Das Seeing ist nicht so übel, allerdings ist der Planet kontrastarm. Mit einem Orangefilter (#23A) erkennt man schon mehr, und der leichte Blaufilter (#80A) zeigt, warum Mars so kontrastarm ist und auch nicht so rot am Himmel strahlt, sondern eher gelblich: Blauer Dunst liegt über der gesamten Südhalbkugel des Planeten.

Ich zücke die WebCam. Mit 3m Brennweite, na ja, doch viel Seeing. Aber doch mehr? Ein Versuch mit 6m - nein, zu unruhig. Wie kann ich einen Zwischenwert erreichen? Mit dem f/6.3 Reducer und der 2x-Barlowlinse komme ich auf ca. 4m Brennweite. Recht gut. Wieder eine Serie von je zwei Videos mit IR-Sperrfilter, Blaufilter und Orangefilter. Das Seeing wird besser. Ich baue doch auf 6m Brennweite um und mache die ganze Serie noch einmal. Insgesamt also 18 Videos (plus ein 6m-Ausschuss von vorher). In Graz habe ich bei Fritz Sussmann und Michael Karrer gelernt, doch kürzere Sequenzen von ca. 300 Bilder zu machen und nicht wie bisher bis zu 1.600 Bildern. Sind auch leichter zu archivieren ...

Die Ergebnisse, die ich dann am nächsten Tag mit Registax erziele, sind nicht unbefriedigend. Geht noch besser, aber man gebe mir das entsprechende Seeing.


Mars, 12" LX/200 bei f/20, IR-Sperrfilter. Kontrastarm.


Mars mit Orangefilter #23A, sonst wie oben. Man beachte die Details in der Polkappe!


Mars mit Blaufilter #80A. Deutlich der Dunst über der Südhalbkugel.


Die Karte zum Vergleich. Aber wo sind Argyre und Hellas?

Zum Abschluss noch der aufgehende Mond - rasch, bevor ihn die Wolken zudecken, die fast auf die Minute pünktlich eintreffen. Leider.


Der abnehmende Halbmond