Mars

Wien-Floridsdorf, 26. 08. 2003

20030826wvo23.html

Beobachter:Wolfgang Vollmann
Datum:26. 08. 2003
Zeit:23.00 bis 01.00 MESZ
Ort:Wien-Floridsdorf
Instrument:Refraktor 130/1040mm (AP130EDT)
Bedingungen:

Durchsicht:ausreichend (3)
Seeing:gut (2)
Freis. vis. Grenzgroesse:4.0

Bericht:

Wenn der Mars schon so in der Nähe ist, muss man ihn sich auch in Wien einmal anschauen! So baute ich gestern mein Fernrohr im Garten auf und beobachtete zwei Stunden unterbrochen durch eine halbe Stunde in der Mars hinter einem Baum im Südosten stand (26./27.Aug., 23h00 bis 1h00 MESZ). Bei 43-facher Vergrösserung war eindeutig schon das Dunkelgebiet der Grossen Syrte zu erkennen. 70-fache Vergrösserung zeigte dann sehr schön die Grosse Syrte, die Gabelbucht (Sinus Meridiani) und die umliegenden Dunkelgebiete sowie die schon recht kleine Polkappe. Hellas war nicht besonders auffallend hell zu sehen. Diese Einzelheiten sollten also auch in sehr kleinen Fernrohren gut sichtbar sein.

Das Seeing (die Luftruhe) war gut genug um auch 260-fache Vergrösserung zu verwenden: Mars war relativ ruhig und einigermassen scharf zu sehen. In den besten Momenten war ein Ausläufer ("Zacken") in der Südpolkappe sichtbar und die grossen Dunkelgebiete waren nicht mehr gleichförmig sondern mit dunkleren und helleren Flecken und Bereichen schon etwas strukturiert zu sehen. Die Luftruhe war ganz gut, aber bei weitem nicht perfekt. Der Orangefilter Wratten 21 und der Hellblaufilter Wratten 80A zeigten die Oberflächendetails gut. Der Dunkelblaufilter Wratten 38A liess Oberflächeneinzelheiten nur mehr erahnen, dafür leuchtete die Südpolkappe sehr hell. In der Gegend des Nordpols war etwas bläulicher Dunst zu erahnen, den ich am besten ohne Filter sehen konnte.

Das im Fernrohr sichtbare Detail war etwa wie auf dem sehr schönen Foto im Beobachtungsbericht von Bernhard Rems (das eine etwas andere Seite des Mars zeigt). Am schönsten war Mars aber ohne Filter: er zeigte sich farbig und die rötlichen hellen mit den grauen Dunkelgebieten und der strahlendweissen Polkappe boten einen sehr schönen Anblick. Mit freiem Auge erschien der Mars übrigens ziemlich gelb mit nur einer kaum merkbaren Spur Rot darin.

Zur gleichen Zeit wie ich hat übrigens auch das Hubble Space Telescope den Mars beobachtet und ein wirklich bemerkenswertes Foto geliefert: http://hubblesite.org/newscenter/archive/2003/22/image/a/. Also die Krater hab ich im Fernrohr nicht gesehen, aber ich arbeite dran!

Den Marsmond Deimos, der recht günstig östlich des Planeten stand, habe ich zwar gesucht, aber nicht finden können. Es war auch recht dunstig und die freisichtige Grenzgrösse betrug nur 4,0mag. Die Stellung der Marsmonde lässt sich leicht herausfinden: http://skyandtelescope.com/observing/objects/planets/article_1004_1.asp.