Bedingungen: Recht mild, windstill, sehr gute Durchsicht, aber bescheidenes Seeing
Eine recht grosse Gruppe von WAA-Mitgliedern hat sich heute auf der Universitätssternwarte eingefunden, um zu später Nachtstunde den Mars zu beobachten. Die Durchsicht ist zwar sehr gut, das Seeing leider nicht. Und so zeigt sich einmal: Bei nicht optimalen Bedingungen helfen die größten Fernrohre nichts. Dank unserem Gastgeber, Dr. Ernst Göbel, können wir heute sogar an zwei Kuppeln beobachten: Der Hauptkuppel mit dem Großen 68cm-Refraktor und der Ostkuppel mit einem 20cm-Refraktor, der bei diesen Bedingungen sogar besser abbildet als das Riesenteleskop. Und Dr. Bernhard Aringer, der mit drei Studenten in der Nordkuppel am 80cm-Spiegelteleskop beobachtet, gewährt einigen auserwählten Nachtschwärmern dann dankenswerterweise auch noch ein paar Minuten an diesem modernen Gerät.
So verteilen wir uns auf die diversen Instrumente und flanieren zu später Stunde durch das imposante Institut.
![]() Die Gruppe auf der imperialen Haupttreppe ... |
![]() ... und im sakral anmutenden Rundsaal |
Wie erwartet ist der Blick durch den großen 68cm-Refraktor
eher enttäuschend, da das Seeing alles andere als gut ist. Aber
die Stimmung, die ist trotzdem gut, trotz der Bedingungen voll Ehrfucht
und Freude an der Sache.

Dr. Göbel stellt den Großen Refraktor ein

Das 10,5 Meter lange Rohr ist auf Mars gerichtet
Na ja, ein paar Details sind schon zu erkennen. Vor allem die sehr
klein gewordene Polkappe. Und als dann alle zwei bis dreimal
durchgeschaut haben, kommt auch die WebCam zum Einsatz.
![]() Seltsam mutet es an, wenn die winzige WebCam an dem fast 130 Jahre alten Instrument montiert ist. |
![]() Mehr war leider nicht zu sehen bei dem schlechten Seeing. Aber: Originalgröße! |
In der Ostkuppel versammeln sich die, die wissen, dass
Größe nicht unbedingt von Vorteil ist, wenn die Bedingungen
nicht so optimal sind. Und der ebenfalls historische, fast 100 Jahre
alte 20cm-Refraktor, von unserem Mitglied Berhard Dewath operiert,
bewährt sich wirklich.

Der Ostkuppelrefraktor
Ich zögere zwar wegen des Seeings, doch Bernhard bittet mich,
WebCam-Aufnahmen zum Vergleich zu machen. Ich arbeite mit
IR-Sperrfilter (bei einem Refraktor wirklich unbedingt notwendig) und
einer Rot-IR-Konbination (#23A + IR-Sperrfilter).
![]() Mars im Ostkuppelrefraktor, hier mit IR-Sperrfilter und ... |
![]() ... hier mit Orange (#23A) und IR-Filter. Wieder Originalgröße. |
Zu später Stunde besuche ich dann noch Bernhard Aringer, der
mit drei Studenten in der Nordkuppel beobachtet. Und auch hier habe ich
Gelegenheit zu WebCam-Aufnahmen. Die Lichtstärke des Instruments
(6,2m Brennweite bei 80cm Spiegeldurchmesser) lässt sehr kurze
Belichtungszeiten zu, doch auch hier setzt das Seeing Grenzen.

Das "vlt" in der Nordkuppel: "vienna little telescope"

Hier herrscht Hi-Tech. Kein Okular, aber 5 Computer!
![]() Mars im 80cm-Spiegel mit IR-Sperrfilter, ... |
|
![]() ... mit Orangefilter #23A und ... |
![]() ... Blaufilter #80A. Alle Aufnahmen Originalgröße. |
Fazit: Size does not matter. Die Bedingungen setzen die Limits.
Darum wandern die Astronomen nach Chile, Hawaii, die Kanaren aus. Wir
arber durften einen bemerkenswerten Abend im größten
Sternwartenbau der Welt erleben, in dem (fast) alle Fernrohre auf Mars
gerichtet waren. Wie wahrscheinlich an vielen anderen Sternwarten auch.
Vielen Dank an unsere Gastgeber!
Alexander Pikhard