Site Test mit Mars

Parkplatz Wienerhütte, 15. 09. 2003

20030915api19.html

Beobachter:Alexander Pikhard
Datum:15. 09. 2003
Zeit:19.15 bis 22.45 MESZ
Ort:Parkplatz Wienerhütte
Instrument:12" Meade LX-200, Philips ToUCam Pro (für Mars)
Bedingungen:

Durchsicht:sehr gut (1)
Aufhellung:gut (2)
Seeing:schlecht (4)
Freis. vis. Grenzgroesse:5.0
Temperatur:11 °C
Luftfeuchtigkeit:hoch
Wind:kein
Bemerkungen:Wirklich grausliches Seeing, allerdings für zwei bis drei Minuten brauchbar, zum Glück gerade, als ich den Mars mit der WebCam im Visier hatte!

Bericht:

Ich habe schon in einigen Berichten von diesem Beobachtungsplatz nahe bei Wien gelesen und bin nunmehr selbst neugierig; die nicht so positiven Erfahrungen mit dem Seeing auf der Sofienalpe (über dem Hügelkamm muss es zwangsläufig zu Turbulenzen kommen) lassen mich heute die etwas längere Fahrt zur Wienerhütte, an der Strasse von Rodaun nach Kaltenleutgeben, wagen.

Der Platz ist leicht zu finden und, wie ein erster Lokalaugenschein ergibt, wirklich gut. Der Horizont ist besser als sein Ruf, so hoch ragen die Hügel (nach britischer Definition eigentlich Berge, da höher als 1.000 ft) des Naturparks Föhrenberge im Süden auch nicht auf, der Wald im Osten und Norden ist ein willkommener Schutzwall gegen das Licht von Wien, und die Wienerhütte mit bescheidenen zwei Gartenlaternen praktisch nicht störend. Ich halte das einmal in einem 360°-Panorama fest.


360° Rundumblick auf dem Parkplatz der Wienerhütte (Westen ist dort, wo die Dämmerung am hellsten ist)

Es ist kühl und sehr feucht, aber, wie für diese Beckenlage auch nicht anders zu erwarten, windstill. Ein erster Blick zu Arcturus, Atair und Vega verheisst zweierlei: Erstens, perfekte Durchsicht. Und zweitens, Seeing von der übelsten Art. Mist! Dann geht Mars auf. Er flimmert, und das bei über 20" scheinbarem Durchmesser! Mehr als nur Mist ...

Hans Peter und Pia Müllner kommen auch bald, und angesichts des Seeings begeben wir uns auf eine Deep Sky Tour. Und die hat es in sich!

Es ist hier wirklich wesentlich dunkler als auf der Sofienalpe. Die Milchstraße ist deutlich von Cassiopeia fast bis zum Schützen zu erkennen, im Zenit im Bereich des Schwans deutlich geteilt. Der Himmel ist nach Westen und Süden sehr dunkel, nach Osten und Norden von Wien etwas aufgehellt, aber nicht wirklich störend.

Wir besuchen durchaus bekannte Deep Sky Objekte; M11 ist wirklich wunderschön, aber zu stark darf ich ihn heute nicht vergrößern, sonst verwindet sich der ganze Haufen grotesk im Gesichtsfeld. Wenn Seeing einmal bei Deep Sky auffällt, wird's bedenklich. Aber es wird doch langsam besser. M15 ist wunderschön aufzulösen, noch etwas besser sogar M2. Auch M56 zeigt sich ungewöhnlich kontrastreich. Dann die Nebel: M27 schon ohne UHC-Filter extrem kontrastreich im 40mm Pentax, und M57 im 14mm Pentax ein wirklicher Traum. Da ist sicher noch mehr drin, und in der Tat: Cirrus-Nebel (sowohl NGC 6960 als auch NGC 6992) im 40mm Pentax mit UHC-Filter nicht nur ohne Probleme, sondern sogar sehr gut und reich strukturiert zu sehen. Und sogar der Crescent-Nebel (NGC 6888) macht keine Probleme! Pia beobachtet mit einem Spektiv großflächigere Objekte wie M31 und h+Chi Persei, durchaus beeindruckend, obwohl in Richtung Stadt. Auch in meinem LX200 gibt M31 mit M32 ein sehr gutes Bild, in Hans Peters 5" Starfire sind auch M81 und M82 beeindruckend.

Keine Frage. Dieser Platz ist zwischen Sofienalpe und Ebenwaldhöhe einzustufen. Und was das Preis/Leistungsverhältnis anbelangt, werde ich wohl öfter die 30 Minuten Fahrzeit hierher den 70 Minuten zur Ebenwaldhöhe vorziehen ...

Doch jetzt zum Mars. Ein Blick durchs 50mm Plössl zeigt zwar die Polkappe und Solis Lacus, aber die ganze Sache ist sehr klein und wabbert doch sehr. Ich wage mich ans 21mm Pentax, und zunächst ist der Anblick so grauslich, dass ich nicht in Erwägung ziehe, Aufnahmen zu machen. Ob der Platz die Ursache ist? Das kann man mit einer Beobachtung nicht beurteilen. Auffällig aber, dass gerade über uns viele Flugzeuge von Schwechat weg starten, die Phase, in der die meiste heisse Luft aus den Triebwerken freigesetzt wird. Ob das die Sache beeinflusst? Während ich Mars beobachte, bemerke ich eine Verbesserung des Seeing. Auch Arcturus flimmert nicht mehr wie eine Lichtorgel. Also montiere ich die WebCam. Tahir Saban ist mit seinem 5" Starfire auch gekommen, und bald wird der Platz dominiert von jenen Geräuschen, die Beobachter abgeben, die verzweifelt versuchen, das kleine Scheibchen des Planeten in den Fokus zu bekommen. Ein anfänglich sinnloses Unterfangen.


Mars über den Föhrenbergen und noch nicht im Visier unserer Fernrohre

Ich beobachte die wabbernde Scheibe auf meinem Bildschirm. Manchmal sieht sie wie eine Blüte mit Blättern aus. Grotesk! In diesem Moment ruft Günther Eder aus Mariazell an und schildert mir, wie toll er gerade den Mars im 16" LX-200 der Sternwarte sieht: Solis Lacus, Details daneben, Sinai, nur die Tharsis-Vulkane gehen noch nicht ... Sehr witzig, denke ich, freue mich aber doch für Günther und Angelika, die an diesem Abend nach langer Zeit ihre Sternwarte für sich allein haben. Und gerade, als ich das Gespräch beende, sehe ich sie auf dem Bildschirm: Solis Lacus, Sinai, und was sonst noch in dieser Gegend liegt. Rasch die Aufnahme starten. Unglaublich, da kommen blickweise ja wirklich viele Strukturen heraus. Filter wechseln. Das gleiche mir Orangefilter, dann mit Blaufilter. Rasch, denn man kann ja nie wissen ...


Mars, 2x-Barlowlinse (F=6000mm), IR-Sperrfilter. Solis Lacus ist deutlich, die Polkappe auch!


Mars, 2x-Barlowlinse (F=6000mm), Orangefilter #23A. Unglaublich viele Details!


Mars, 2x-Barlowlinse (F=6000mm), Blaufilter #80A. Auch viele Details, überraschend ähnlich dem #23A-Bild.

Wieso ist die Polkappe wieder da? Des Rätsels Lösung: Sie liegt exzentrisch zum Südpol des Mars und ist nicht immer gleich gut zu sehen. Hier zum Vergleichen die Karte aus dem Mars Previewer:

Die Stimmung ist gut, trotz der feucht-kühlen Witterung. Der Himmel entschädigt. Ich mache auch noch eine Aufnahme durch Hans Peters Refraktor, auch recht beachtlich:

Das Seeing wird wieder viel schlechter, sinnlos, weitere Aufnahmen zu probieren. Doch zum Glück taucht der Mond auf und erhellt die Szene. Ein Blick zum abnehmenden Mond ist für uns alle die letzte Station, lohnend, trotz der immer unruhigeren Luft. Der Terminator verläuft nahe an Theophilus, Cyrillus und Katharina, auch Altai ist gut zu sehen, eine Formation, die man fast nur bei abnehmendem Mond gut beobachten kann. Das ist einen Schnappschuss wert.


Der abnehmende Mond durch 50mm Plössl, DigiCam Schnappschuss

Fazit: Abgesehen vom Seeing, das hier noch weiter getestet werden muss, ein bemerkenswerter Beobachtungsplatz, der bei den guten Bedingungen seine Stärken in beeindruckender Weise demonstriert hat. Wir kommen sicher wieder. Und eine genauere Beschreibung in unserer Liste der Beobachtungsplätze in und um Wien folgt auch noch.