| Beobachter: | Dr. Thomas Schröfl | ||||||||||||||
| Datum: | 26. 09. 2003 | ||||||||||||||
| Zeit: | 22.00 bis 00.30 MESZ | ||||||||||||||
| Ort: | Edlach/Rax
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| Instrument: | Optolyth Refraktor 100/700 | ||||||||||||||
| Bedingungen: |
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| Bericht: | Ein absolut wolkenfreier Himmel. Bolam 21km ist wie fast immer verläßlich. Aber nicht nur das. Heute ist überdies eine exzellente Durchsicht. Schon der Wetterbericht in der Früh hat eine Fernsicht von über 100km angekündigt. Die klare Luft und die fehlende Mondaufhellung ergeben einen tiefschwarzen Himmel. Und die Gemeine Reichenau hat noch ein weiteres Schmankerl für mich parat. Gegen einen Kostenersatz von bescheidenen + 50.+habe ich an der störenden Wegbeleuchtung einen Schlüsselschalter bekommen. Im Dunkeln läßt sich bekanntlich nicht nur gut munkeln sondern auch gut beobachten. Der obligatorische Blick auf den Mars fällt nur kurz aus, denn das Seeing läßt nicht einmal 100x zu. Ein wabberndes Scheibchen ohne jedes Detail. Aber das stört heute nicht weiter, denn bei diesen Bedingungen ist eine Nebeljagd angesagt. NGC 7000 der Nordamerikanebel, hinter dem ich schon so oft ergebnislos her war, ist die erste Station. Das 35mm Panoptic ergibt zwar nur eine 20fache Vergrößerung aber dafür stattliche 3,4 Grad FOV; der wirklich große Vorteil des kurzbrennweitigen Refraktors. Zuerst einmal beeindruckt der unheimliche Sternreichtum dieser Region. Der Raum zwischen den recht gleichmäßig verstreuten hellen Sternen ist von wirklich unzählbaren schwach glimmenden Sternen gefüllt. Nach einigen Minuten Eingewöhnung am Okular bin ich voll dunkeladaptiert. Das erste, das mir auffällt, ist die Dunkelregion die NGC 7000 von IC 5067, dem Pelikannebel, trennt. Hier fehlen plötzlich die schwachen Sterne. Dann taste ich mich dem markantesten Bereich, dem Golf von Mexico, entlang und langsam kann ich fast die ganze Ausdehnung des Nebels als einen ganz schwachen Schimmer wahrnehmen, ständig zwischen direktem und indirektem Sehen wechselnd. Nicht zu unrecht beschreibt Stoyan im +Deep Sky Reiseführer+ den Pelikannebel als eines der wohl schwierigsten Objekte zur visuellen Beobachtung. Durch die Dunkelwolke bedingt kann ich die Kontur des Schnabels gerade noch in Ansätzen ausmachen, der Rest des Nebels verläuft sich einfach. Mit dem UHC-Filter läßt sich dann noch einiges an Kontrast gewinnen. Die dünne Nebelschwade von NGC 7000 wird nun um einiges deutlicher, nur IC 5067 bleibt weiter verborgen, denn der UHC-Filter dämpft auch den Kontrast zur Dunkelwolke. Die nächste Station ist Gamma Cygni (Sadr) und die ihn umgebende Nebelregion, die mir noch vom vergangenen Sommer im C11 gut in Erinnerung ist. Im vierzölligen Refraktor erscheint der Nebel bei weitem nicht so ausgedehnt, zumal er von Sadr mit 2,1mag stark überstrahlt wird, doch auch hier hilft indirektes Sehen. NGC 6960 und 6992/5 der Cirrusnebel ist wiederum eine ganz schöne Herausforderung. Mit dem UHC-Filter ist der westliche Teil, der durch den Stern 52 Cyg verläuft, als schwach schimmernder Streifen zu sehen. Besonders schwierig ist der östliche Bogen. Gut 15 Minuten beobachte ich ständig wechselnd zwischen direktem und indirekten Sehen hin und her, sehe den Bogen für einige Sekunden um ihn dann wieder zu verlieren und aufs neue zu suchen. NGC 7662 der planetarische Nebel Blue Snowball. Ich beginne mit dem 10,5mm Pentax und wechsle dann auf das 3-6mm Nagler-Zoom. Deutlich ist die blaue Tönung des Nebelscheibchens zu erkennen. Ich behalte das Objekt in Erinnerung. Einmal sehen, ob mit dem C11 mehr an Details herauszuholen ist. Dann kommen noch die beiden Klassiker M57 der Ringnebel und M27 der Hantelnebel an die Reihe. Im 10,5mm Pentax läßt sich gut der Ring von M57 sehen. Bei M27 kommt dann nochmals das UHC-Filter zum Einsatz. Mit Filter hebt sich der Nebel doch um einiges deutlicher ab, nimmt auch an sichtbarer Ausdehnung zu und auch die charakteristische Hantelform ist gut wahrzunehmen. Die hervorragenden Bedingungen lassen mich jedoch nicht ohne einen Blick auf die Andromedagalaxie M31 Schluß machen. Unter Normalbedingungen war es mir bisher nur möglich den Kern der Galaxie und seine unmittelbare Umgebung zu sehen. Doch heute ist ein besonderer Tag. Mit Ruhe und Geduld zeigt sich um den hellen Kern nahezu die gesamte Galaxie in Form einer fast das ganze Bildfeld ausfüllenden nebeligen Linse. Ich will schon abbauen als mir freisichtig noch die Plejaden ins Auge stechen und ich schnell das Teleskop darauf ausrichte. Eine strahlende Augenweide, die im großen Gesichtsfeld des Refraktors in ihrer ganzen Pracht so richtig zur Geltung kommt. Nach Mitternacht wird dann das Gerät abgedeckt und ich gehe mit der Gewißheit zu Bett heute wohl die bisher beste Deep-Sky-Nacht in meiner noch kurzen amateurastronomischen Laufbahn absolviert zu haben.
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