Mond und Mars

Sofienalpe, 30. 09. 2003

20030930api19.html

Beobachter:Alexander Pikhard
Datum:30. 09. 2003
Zeit:19.30 bis 22.30 MESZ
Ort:Sofienalpe
Instrument:12" Meade LX-200, Philips ToUCam pro
Bedingungen:

Durchsicht:schlecht (4)
Seeing:ausreichend (3)
Bemerkungen:Bewölkt

Bericht:

Der Abend, an dem alle Wettermodelle versagen. Animiert durch einen strahlend schönen Tag und einstimmig gute Wetterberichte - Bolam, ZAMG, Wounderground - mache ich mich auf den Weg zur Sofienalpe. Der zunehmende Mond steht tief im Südwesten, und bei doch recht kühler Temperatur baue ich mein Instrument auf.

Einnorden, ein Blick zum Mond; ein Spaziergänger kommt vorbei, sieht auch durch. Der Mond verblasst, verschwindet. Was ist das? Wolken! 5 Minuten, 10 Minuten, 15 Minuten. Es ist bedeckt, doch die Wolken ziehen rasch. Hochnebel? Zu warm dafür. Kristijan und Milan kommen auch herauf, beschliessen aber, erst einmal abzuwarten und essen zu gehen. Ich gebe dem Wetter noch 15 Minuten Chance.

Es nützt sie nicht. Ich baue ab. Schaue noch im Restaurant vorbei, um mich von meinen Vereinskollegen zu verabschieden. Verlasse das Lokal und - Mars strahlt vom Himmel. Die Wolken verziehen sich. Was tun - ausser ärgern? Aufbau Nummer 2 ...

Alle drei Instrumente stehen, mehr oder weniger schlampig aufgestellt, gleich neben unseren Fahrzeugen. In nur 5 Minuten habe ich mein 12" LX-200 aus dem Auto betriebsbereit aufgestellt, samt Laptop und Webcam. Rekordverdächtig.

Ein Blick zum Mars: Gut! Erstaunlich ruhig und erstaunlich detailreich. Visuell, mit 7mm Pentax (420x), ist die Polkappe zerklüftet, Syrtis Maior und Gabelbucht deutlich, Hellas sogar sehr deutlich. Rasch zur Webcam - extra mit Druckluft gereinigt und daher ohne die lästigen dunklen Artefakte. Doch den Wettlauf mit der Zeit verliere ich knapp. Während ich fokussiere - irgendwas hat es da - wird das Seeing rasch schlechter, die nächsten Wolken kommen. Die erste von 7 Serien wird aber recht gut.


Mars, so gut es ging (2x Barlow F=6000mm, verkleinert)

Nach etwas mehr als einer halben Stunde Beobachtung Abbau Nr. 2. Mit immerhin einem Marsbild. Das mit der Fokussierung muss ich mir ansehen. Ein Startest an Atair zeigt wunderschön konzentrische Ringe, die Spiegel sind also gut justiert, doch nahe beim Fokus rutscht das Helligkeitsmaximum auf die obere Seite des Ringes. Mein Verdacht: Tubusseeing. Die warme Luft im Rohr wirkt wie eine Linse. Oder hat jemand eine andere Idee?

Jedenfalls ist Mars wirklich gelaufen, schon so klein, dass das Seeing besser als gut sein muss, um noch etwas rauszuholen. Werde ihn wohl bis 2005 ad acta legen.