Sternabend: Mars 2003

Kahlenberg, 6. September 2003

Bedingungen: Mild, aber Wind aus Südost. Fast wolkenlos, gutes Seeing!

Was für eine Zitterpartie. War der Wetterbericht in den Medien für diesen heutigen Sternabend zu optimistisch? Immerhin wieder eine Premiere: Erstmals findet einer unserer Sternabende im Rahmen der Familientage von WienXtra statt. Also praktisch eine Verlängerung des Ferienspiels. Doch das Satellitenbild ... eine dicke Wolkenfront zieht sich quer durch Ostösterreich, einen Hauch von Wien entfernt. Und Bolam 21km hatte sie vorhergesagt. Und -- wir sehen sie, über den Bergen des Alpenvorlands! Doch über Wien bleibt es schön. Nur knapp vor Beginn bildet sich vor Mond und Mars eine Wolke, sie löst sich aber bald auf und macht Platz für einen malerisch schönen Sternenhimmel, mit dem tief stehenden, schon recht buckligen Mond und dem strahlend hellen Mars.


Der zunehmende Mond in der Dämmerung über Wien. Die Aufnahme kann die romantische Stimmung nicht
wiedergeben - und auch nicht den Wind, der die Romantik doch etwas stört!

Wir bauen auf, zunächst mit drei Instrumenten (mein 12" LX-200, das WAA-eigene 10" LX-200GPS und Arthur Heinz' 8" Newton), nach und nach werden es dann 11 Instrumente. Noch ein 8" Newton (Thomas Strehl) und zwei 5" Starfire Refraktoren (Tahir Saban und Hans Peter Müllner), dazu noch einige kleinere Instrumente. Und zunächst einmal das gewohnte Bild: Immer mehr Besucher strömen zur mobilen Sternwarte, und auch das Zelt darf nicht fehlen.


Wieder bilden sich Schlangen hinter den Teleskopen,
aber die Wartezeiten sind kurz

Kameras zeigen den Mars deutlich kontrastreicher,
wie hier eine Videokamera

Die beiden Starfires

Es muss nicht immer Mond und Mars sein!

Der Mond ist das erste Ziel. Wunderschön steht er tief über der Stadt, mit Copernicus und dem Sinus Iridum nahe dem Terminator. Für viele ein wunderschöner Anblick. Schade, dass der Mars so bald ablenkt.


Mond-Schnappschuss durch das 12" LX-200
50mm Plössl-Okular, Olympus C-3000

Und gerade, als es so aussieht, als würde Mars wieder eher eine Enttäuschung für die doch recht zahlreichen Besucherinnen und Besucher werden, als viele auch schon wieder gegangen sind, passiert etwas unerwartetes ... Es beginnt damit, dass ich an meinem 12" LX-200 die WebCam montiere, um einer größeren Gruppe den Mars etwas kontrastreicher zu zeigen.


Die Technik macht Mars für alle kontrastreich
sichtbar - auf dem Computerbildschirm

Genaues Einstellen und vor allem Fokussieren
ist hier unbedingt notwendig

Es liegt in der Natur der Sache, dass man manches bester aus größerer Distanz betrachtet. Ich habe das Livebild der WebCam auf meinem Laptop bildfüllend gemacht, damit es auch aus einigen Metern Entfernung gut zu sehen ist. Mit der zweifachen Barlowlinse ergibt sich da schon ein recht beachtliches Bild. Das ich, aus nächster Nähe, da an der Tastatur operierend, nicht beurteilen konnte. Doch nach und nach bemerke ich, wie die Menschenmenge um mich grösser wird, die Teleskope rundherum immer verwaister. Und dann die ersten Rufe: "Ein Wahnsinn!" - "Unglaublich!" - "Ja, es hat sich gelohnt, hier herauf zu kommen!" Was war passiert? Habe ich was verpasst? Ich stehe auf und gehe ein paar Schritte zurück. Wirklich unglaublich! Das Seeing ist gut geworden, feinste Details sind zu erkennen. Mit Hilfe des Marsglobus können wir schon im Livebild nicht nur die grossen Strukturen, sondern auch einige dunkle Marskrater identifizieren. Die beste Sicht auf den Roten Planeten bisher.

Während ich die Formationen und die Rotation des Planeten erkläre und mit Farbfiltern experimentiere, mache ich immer wieder Videoaufnahmen, sozusagen nebenher. Insgesamt 16 Videos.  Hier meine ausgearbeiteten Bilder.


Mars, aus rund 600 Frames kann Registax 2 bei 95% Qualität
über 100 Frames verarbeiten, das Ergebnis (mit Orangefilter #23A)

Später beobachten wir noch visuell. Mit dem 7mm Pentax am 12" LX-200 eine beachtliche 420-fache Vergrößerung, die das zeigt, was ich bisher nur von Zeichnungen aus alten Büchern kannte: Eine orangerote Scheibe mit feinen dunklen Strukturen, deren Farbton am ehesten als olivgrön zu beschreiben ist. Dazu die winzige, weiße Polkappe, einfach schön!

Nach Mitternacht verlassen uns die letzten Marshungrigen - angeschaut wird zuletzt übrigens fast nur mehr der Mond - und wir bauen ab. Mit einem Sternabend, der nüchtern betrachtet 228 Personen den Mars näher gebracht hat. Aber im Endeffekt für diejenigen, die länger ausgeharrt haben, für eines jener Erlebnisse gesorgt hat, die so selten sind, aber doch dazu angetan, die Tür zur Astronomie zu öffnen. In diesem Fall sehr weit!


Mond in Wolken und Mars hoch über Wien

Alexander Pikhard