Sternabend

Kahlenberg, 04. 10. 2003

20031004api19.html

Beobachter:Alexander Pikhard
Datum:04. 10. 2003
Zeit:19.00 bis 21.15 MESZ
Ort:Kahlenberg
Instrument:12" Meade LX-200, 10" Meade-LX200GPS
Bedingungen:

Durchsicht:gut (2)
Aufhellung:gut (2)
Seeing:ausreichend (3)
Freis. vis. Grenzgroesse:5.0
Temperatur:15 °C
Luftfeuchtigkeit:trocken
Wind:stark aus SW
Bemerkungen:Zeitweise Durchzug von Wolken, zeitweise aber auch wolkenlos

Bericht:

Eines muss man unseren Sternabenden auf dem Kahlenberg lassen: Langweilig sind sie nie. Heute ist es jedenfalls wieder ein Abenteuer. Alle Wetterberichte hatten am Vortag für diesen Samstag ein derartig eindeutiges Schlechtwetter vorhergesagt (Sturm, Kälte, Regen), dass wir alle mit einer Absage rechneten. Zu 98 Prozent, wie ich noch Freitag Nachmittag übermittle.

Am Samstag sieht die Welt anders aus. Aus der Mini-Chance, die Bolam 21km andeutete, war eine durchaus reale geworden, zu 60 - 70 Prozent würde es grosse Wolkenlücken geben. Und so ist es dann auch.


Wien im Sturm. Doch der Wind, er zerreisst die Wolken!

Der Empfang auf dem Kahlenberg ist stürmisch. Auf der Fahrt hinauf noch einmal unter einer düsteren Wolke durch und ein paar Regentropfen abbekommen, doch auf dem Berg ist es eigentlich sehr klar. Die Fernsicht ist einmalig. Hainburger Pforte zum Greifen nahe, Thebener Kogel, Bratislava liegt in der Sonne, dahinter die Kleinen Karpathen. Im Süden Schneeberg mit Wolkenhaube, das ganze Wiener Becken, Leithagebirge, Rosalia, Bucklige Welt. Toll!


Blick nach Süden über den Wienerwald

Die Donau ist blitzblau, klar und deutlich liegt die Stadt zu unseren Füssen. Noch am Vormittag hatte es in Strömen geregnet, doch der Nachmittag war sonnig und warm. Vom Wind war unten nicht viel zu bemerken, hier oben aber schon.


Wien liegt heute wirklich an der Blauen Donau

Der Mond, der ja bei Sternabenden unser Magnet ist, ist auch schon zu sehen. Also bauen wir die Instrumente auf. Zwei sollten heute genügen. Eigentlich vielleicht sogar eines, aber wer weiss. Immerhin ist der Sternabend im Programm der "Familientage" angekündigt.


Der Mond kämpft sich aus den Wolken

Und wirklich, es kommen Besucher zu unserem Sternabend. Gar nicht so wenige. Interessierte Familien, "Stammkunden", die mit der Vorwoche vergleichen, eine Gruppe Amateurastronomen aus Augsburg und sogar eine Sternbegeisterte Besucherin aus Cleveland, Ohio. Nein, nicht zufällig. Gezielt zu unserem Sternabend!

Mond und Mars bilden die Kulisse für unseren Abend. Der Mond zeigt sich ja wirklich in einer wunderschönen Phase und auch der Mars war schon schlechter. Trotz des unangenehmen Windes, der die Temperatur der herannahenden Kaltfront noch kälter empfinden lässt, harren viele recht lange aus. An den zwei Teleskopen gibt es viel Gelegenheit zum Vergleichen und Experimentieren.


Mars und ...

Es gehen sich sogar ein paar Fotos aus. Der Mars ist gar nicht schlecht heute, mit 6m Brennweite kann ich am 12" LX-200 ein ganz passables Bild mit der Webcam aufnehmen. Klar, kein Vergleich zu wirklich gutem Seeing, aber immerhin. Und ein Schnappschuss vom Mond mit der Digicam durchs Okular gelingt immer. Leider, für eine Detailaufnahme von Copernicus, Rupes Recta, Tycho und Clavius, die alle nahe dem Terminator stehen, langt das Seeing nicht.


... Mond

Auch Doppelsterne Deep Sky Objekte werden beobachtet. Nach Epsilon Lyrae gibt es den Ringnebel zu bestaunen und den wunderschönen Kugelsternhaufen M15. Und noch andere Schätze des Herbsthimmels.

Wir haben nicht mit einem Sternabend gerechnet und wurden angenehm überrascht. Schön, einmal das Gegenteil von Astro-Frust geniessen zu drüfen!