Fernglas-Beobachtungsstunde mit 2 Kometen

Payerbach/NÖ, 600m, 23. 11. 2003

20031123wvo18.html

Beobachter:Wolfgang Vollmann
Datum:23. 11. 2003
Zeit:18.15 bis 19.30 MEZ
Ort:Payerbach/NÖ, 600m
Instrument:Fernglas 16x70 auf Stativ
Bedingungen:

Freis. vis. Grenzgroesse:6.5

Bericht:

Auch heute gab es wieder klaren Himmel am Berg. Komet 2P/Encke war fast einen Gesichtsfelddurchmesser des 16x70 Fernglas (4 Grad) weitergewandert und erschien gross und hell, etwas zentral verdichtet. Die Helligkeit schätzte ich auf 6,8mag und den Durchmesser auf 15' -- der klare Himmel liess mehr vom Kometen sichtbar werden! Encke ist deutlich heller und viel grösser als der nicht weit entfernt stehende Planetarische Nebel M 27.

Auch Komet C/2002 T7 (LINEAR) war wieder sichtbar und seit gestern deutlich gewandert. Er erschien wieder klein und etwas schwach. Heute schätzte ich die Helligkeit auf 9,0mag und den Durchmesser auf 2'. Ein halber Gesichtsfelddurchmesser des Fernglas, also 2 Grad, westlich des Kometen fällt mir ein offener Sternhaufen auf: eine lockere Sterngruppe mit 15' Durchmesser, die helleren Sterne wie ein C geformt und aus etwa 20 Sternen bestehend. Nachträglich identifiziere ich den Haufen als NGC 1342 im Perseus.

Heute ist es wirklich selten dunkel: mit freiem Auge macht das Durchmustern der Milchstrasse Freude. Ich bemerke viele Einzelheiten wie z.B. den Cepheus-Sporn, ein schmaler heller Keil der Milchstrasse vom galaktischen Äquator über Zeta Cephei bis zur Mitte des Cep-Vierecks bis etwa Xi Cephei. Sehr schön ist heute auch das Schwan-Dunkelband vor der hellen Schwanwolke zu sehen: die Schwanwolke ist zwischen Beta und Gamma Cyg zu sehen, das Dunkelband beginnt westlich von Gamma Cyg und führt über östlich von Eta Cygni bis etwa zur Hälfte der Distanz Beta-Eta Cyg. Es ist nur etwa einen Grad breit. Imposant wirkt heute auch der Nördliche Kohlensack zwischen Alpha und Gamma Cygni und östlich davon: wirklich eine auffallende Dunkelwolke!

Natürlich mache ich heute auch einen Besuch bei den hellen Galaxien des Herbsthimmels: M 31, die Andromeda-Galaxie ist hell mit freiem Auge zu sehen. Im 16x70 zeigt sie sich ein volles Gesichtsfeld (4 Grad) lang und auf der Westseite mit einer recht abrupten Helligkeitskante: das Staubband in der Scheibe südwestlich des Kerns deutet sich an. Um das Staubband deutlich zu sehen brauchte ich aber den 130mm Refraktor. Die Begleitgalaxie M 32 ist klein, sehr hell und zentral verdichtet. Die Begleitgalaxie M 110 = NGC 205 gibt da schon mehr her. Sie erscheint 8x4' gross, elliptisch und gleichförmig hell. Ein weiteres Mitglied der Lokalen Galaxiengruppe ist heute mit freiem Auge sichtbar: M 33 im Dreieck. Bei indirektem Sehen erscheint deutlich ein Nebelfleckchen am richtigen Ort. Das Fernglas zeigt die Galaxie gross und elliptisch, deutlich zentral verdichtet und mit Helligkeitsfleckchen gesprenkelt: erste Anzeichen der Struktur. Von den wunderschönen Spiralarmen zeigt das Fernglas keine Spur, mit dem 130mm Refraktor konnte ich sie bereits sehr schwierig erhaschen und in der richtigen Form zeichnen; um sie wirklich deutlich und mit Einzelheiten zu sehen brauche ich aber den 457mm Newton.