Sternabend

Kahlenberg, 29. 11. 2003

20031129api16.html

Beobachter:Alexander Pikhard
Datum:29. 11. 2003
Zeit:16.30 bis 21.30 MEZ
Ort:Kahlenberg, Terrasse
Instrument:12" Meade LX-200, 10" Meade LX-200 GPS, Olympus Camedia C-3000
Bedingungen:

Durchsicht:sehr gut (1)
Aufhellung:ausreichend (3)
Seeing:ausreichend (3)
Freis. vis. Grenzgroesse:4.0
Temperatur:1 °C
Luftfeuchtigkeit:Sehr trocken
Bemerkungen:Zeitweise Duchzug dünner Wolken

Bericht:

Auf Bolam 21km ist eben Verlass. Nach einem grauslichen Freitag und einem doch noch recht grauen Samstagvormittag klarte es, wie in dem italiensichen Wettermodell vorhergesagt, am Nachmittag auf. Gegen 16 Uhr, eine halbe Stunde vor Beginn des Sternabends, erwartete uns ein wolkenloser, strahlender Dämmerungshimmel mit zunehmendem Mond und einer nicht mehr zu übersehenden Venus. Erfreulich auch, dass trotz des Termins an einem Advent-Einkaufssamstag (während die Geschäfte noch geöffnet haben) und dem erst spät einsetzenden Schönwetter doch einige Besucher gezielt zu unserem Sternabend gekommen sind. Vor einigen Jahren fielen noch Ferienspielabende im Sommer aus, heute kommen Besucher selbst im November an einem Einkaufssamstag Sterngucken. Wir haben in der Astronomie wirklich einiges erreicht.

Doch nun zu unserem Sternabend. Der Himmel ist wie gesagt äusserst attraktiv mit Mondsichel, Venus und den attraktiven Dämmerungsfarben. Gar nicht leicht, das im Bild festzuhalten.


Dämmerung mit Mond, Venus und ein paar hohen Restwolken

Unsere ersten Gäste, eine Familie, helfen auch beim Aufbau unseres Zeltes, da wir anfangs, auch bedingt durch den Einkaufssamstag, personell etwas unterbesetzt sind. Aber da unsere Art, Astronomie zu präsentieren, immer sehr familiär ist, ist das auch weiter kein Problem. Bereitwillig packen alle zu.

Die Venus ist das erste Objekt im Fernrohr. Noch nicht sehr attraktiv, steht sie doch noch knapp nach der oberen Konjunktion und ist klein, rund und voll. Doch es ist der Beginn der Sichtbarkeit vor dem Transit!


Blick zu Venus ...

... und Mond


Erde, Mond, Venus (echt!), Mars und Jupiter. Unser Informationszelt aufgewertet durch einen echten Planeten!

Der Anblick des Mondes im Fernrohr begeistert wiederum alle. Eine besonders schöne Phase mit dem markanten Kratertrio Theophilus, Cyrillus und Katharina am Terminator und einer extremen Libration in Länge, die seltene Formationen gut sichtbar macht.


Schnappschuss durch 50mm Plössl-Okular

Kontrastverstärkter
Bildausschnitt

Durch die extreme Libration steht nicht nur das Mare Crisium randfern, sondern es sind auch noch andere Formationen gut sichtbar: Mare Humboldtianum, Mare Marginis, Mare Smythii und Mare Australe. Besonders spektakulär ist aber das zuvor etwähnte Kratertrio, um das sich der Altai-Bogen windet. Wir beobachten diese Gegend auch bei hoher Vergrößerung.


Theophilus, Cyrillus und Katharina (14mm Pentax)

Nach Venus und Mond bleibt viel Zeit, bis Saturn erscheinen wird. Es ist noch sehr früh und das Sommerdreieck steht noch hoch im Westen. Die gute Durchsicht lässt uns einige Deep Sky Objekte beobachten. Ich habe ein vom Astrostudio Rhemann geborgtes Pentax 30mm XW-Okular zu Testzwecken mit, und endlich kann ich es an einigen Objekten ausprobieren.

Mond Der Mond passt bei 100-facher Vergrößerung an meinem 12" LX-200 leicht in das Gesichtsfeld des 30mm XW, das ein scheinbares Feld von 0,65° bietet, also mehr als der scheinbare Monddruchmesser. Das Bild ist bis zum Rand scharf, was bei einem Okular in der 500 Euro-Preisklasse auch nicht anders zu erwarten ist. Ein bemerkenswerter Anblick.
M57
Der Ringnebel in der Leier steht in einer sternreichen Gegend, die Sterne sind bis zum Rand scharf. Der Einblick mit Brille ist problemlos, das ganze Feld leicht zu überschauen. Ich justiere extra mein Teleskop, um optimale Abbildungsqualität zu erreichen. Ich mache das aber erst, als der Tubus einigermassen ausgekühlt ist. Die warme Luft im Rohr wirkt wie eine Linse, wenn man in diesem Zustand justiert, verschlechtert man alles noch mehr.
M27
Der Hantelnebel ist das erste Deep Sky Objekt, bei dem das Okular seine Stärke voll ausspielt. Bei 100x sind schon viele Strukturen zu sehen, und trotzdem verliert sich der Nebel nicht im Feld, sondern steht deutlich abgegrenzt in einer sternreichen Umgebung. Mit einem UHC-Filter wird der Anblick umwerfend. Nahe an der Stadt sieht der Hantelnebel aus wie auf einem CCD-Foto. Umwerfend. Ich beginne, im Geist einen Kassasturz zu machen.
NGC 6960
Den Cirrus-Nebel in Stadtnähe anzuschauen ist übermütig. Aber heute ist es mit UHC-Filter kein Problem. Der dünne Schleier ist gut zu sehen, 100x bzw. 0,65° Feld sind aber für diesen Nebel fast zu wenig, er ist ja wesentlich größer.
M31, M32
Da bleibt mir der Mund offen. Die hellen Zentren beider Galaxien gehen sich noch in einem Feld aus, der Große Andromedanebel zeigt nicht nur seinen hellen Zentralbereich, sondern auch schon Ausläufer, und das unter der künstlichen Beleuchtung der Terrasse! Ein Anblick, der niemanden kalt lässt. Unglaublich! Ich bin mir nicht sicher, ob nicht das 30mm XW das 31mm Nagler schlägt. Jetzt wäre ein Vergleich gut, nur leider hat niemand den Rolls Royce unter den Okularen, das 31mm Nagler, dabei. Vielleicht ergibt sich bei der nächsten Astro-Praxis Gelegenheit zum direkten Duell?
NGC 752
OK, dieser offene Sternhaufen ist einfach zu groß. Er ist über 1,5° groß und daher eher ein Feldstecherobjekt. Dennoch beeindruckend, der Anblick.
NGC 891
Und das sind die Grenzen des Stadthimmels. Ich kann die Galaxie kaum ausmachen, sie ist ja auch wirklich sehr schwach. Daher zu einem leichteren Objekt.
NGC 7331
Ja, das ist kein Problem. Die spindelförmige Galaxie hebt sich gut vom Rand ab.

Ein paar andere Objekte brauchen doch eine stärkere Vergrößerung und ich wechsle zur Beobachtung von M15 und NGC 7662 (Blue Snowball) auf das 14mm Pentax. Sehr beeindruckend, vor allem M15!


Ein Stadtsterngucker

Es ist schon recht kalt, dennoch harren wir aus. Fuhrmann und Stier stehen schon recht hoch, und auch der Orion geht schon auf. M1 ist allerdings eher enttäuschend. Auch ein Grenzfall in Stadtnähe. Und endlich kommt Saturn hinter den Bäumen hervor. Er steht tief, entsprechend ist das Seeing, aber in der klaren Luft zeigen sich sehr viele Monde.

Und auch Orion geht auf, und der letzte Blick gebührt den Großen Orionnebel, der im 30mm XW mit UHC-Filter trotz weniger als 10° Höhe ein traumhafter Anblick ist. Fazit des Okulartests: Es ist sein Geld wert und auf jeden Fall eine Alternative zu dem um 350 - 400 Euro teureren 31mm Nagler. Es ist auch wesentlich leichter. Hier dürfte den Entwicklern von Pentax etwas gelungen sein, das bald zum Kultobjekt avancieren könnte. Entsprechende Brieftasche vorausgesetzt, denn das gute Stück kostet so viel wie ein kleines Fernrohr.

Es hat auf 1°C abgekühlt. Über der Stadt steigen die Rauchsäulen der kalorischen Kraftwerke einige 100m hoch und verbreitern sich dann an der Inversionsschicht. Etwas höher beginnt sich Hochnebel zu bilden. Aber wir hatten einen bemerkenswerten Abend, viele interessante Stunden am Übergang von den Sommer- zu den Wintersternen.


Während im Westen der Mond untergeht, geht im Osten der Orion auf. 180° Panoramablick über das nächtliche Wien.