Astrophototestlauf

Kaltenleutgeben, 08. 12. 2003

20031208gba21.html

Beobachter:Gerhard Bachmayer
Datum:08. 12. 2003
Zeit:21.00 bis 23.00 MEZ
Ort:Kaltenleutgeben
Instrument:Intes Micro MN76 auf OTE150/ Televue Ranger/ Webcam/ Canon EOS 10D
Bedingungen:

Durchsicht:sehr gut (1)
Aufhellung:sehr schlecht (5)
Temperatur:-6 °C
Wind:kein

Bericht:

Normalerweise denkt kein vernuenftiger Mensch an Astrophotographie in einer klaren Vollmondnacht im Monat Dezember, ich wollte aber endlich meine kuerzlich vervollstaendigte Ausruestung auf ihre diesbezuegliche Tauglichkeit austesten.

Die Terrasse war vom hochstehenden Mond derart gut ausgeleuchtet, dass keine zusaetzliche Beleuchtung fuer den Aufbau notwendig war. Der Himmel selbst praesentierte sich in einem schoenen Dunkelblau, mit anderen Worten - ein astronomischer Alptraum. Bald stand jedoch folgende Konfiguration vor mir, bereit zum Testlauf:

- mein altbewaehrter Intes Micro MN76 ( 180mm/f6) - eine Astrotec OTE150 Montierung auf schwerem Holzstativ - Boxdoerfer MTS3-SDI Steuerung ( mittels serieller Schnittstelle mit PC verbunden) - mein Televue Ranger ( 70mm/f6.8) + Televue 5x Powermate als Leitrohr - Philips ToUCam Pro als Nachfuehrkamera - Canon EOS 10D im Primaerfokus + TC80-N3 Timer/Controler

Angesteuert wurde das ganze mit einem Notebook und den Programmen Astroart 3.0 ( Demo) fuer die Nachfuehrung ( im 2x2 Binning Modus) und DSLR Focus fuer die exakte Scharfstellung der Kamera.

Nun galt es nur mehr ein geeignetes Aufnahmeobjekt zu finden. Emissionnebel und Galaxien fielen unter diesen Umstaenden aus, blieben also nur mehr Sternhaufen uebrig. Guenstigerweise befand sich gerade NGC884/869, der beruehmte Doppelsternhaufen im Perseus im Zenit. Ein Leitstern war bald gefunden und so wurde dann eine Serie von 4x5min/ISO800 gemacht.

Zur Nachbearbeitung wurde auf Empfehlung von Johannes Schedler ImagesPlus 1.71 verwendet, das speziell auf die Verarbeitung hochaufloesender Digitalbilder zugeschnitten ist. Um den strahlend hellen Himmelshintergrund zu entfernen war einiges an Arbeit notwendig, das nachstehende Bild ist bitte unter diesen Umstaenden zu beurteilen. Auch das Seeing war nicht das Beste. Die noch sichtbare Grenzgroesse liegt bei etwa Mag. 13.

Fazit: Die obige Konfiguration scheint einen ersten Tauglichkeitstest gut bestanden zu haben. Die Montierung fuehrt die immerhin 16kg schwere Zuladung zuverlaessig und exakt nach. Die Webcam scheint Sterne bis ca. Mag 8.5 gut verfolgen zu koennen, was fuer die meisten Aufgaben ausreichend zu sein scheint. Kamerarauschen ist bei -6 Grad und bei einer derartigen Himmelsaufhellung kein Thema, ein Dunkelbildabzug war daher nicht notwendig. Allerdings ist in Zukunft ein Flatfieldabzug empfehlenswert, da der Sensorchip der Kamera das photographische Feld des Teleskops ( 22mm) voll ausfuellt, die Ecken sind bereits merklich duenkler.

Astrophotographieren bei Vollmond ist eine Herausforderung. Das Bild im Kamerasucher zu beurteilen ist wegen des hellen Himmelshintergrund fast unmoeglich, dadurch erklaert sich auch der nicht mittig plazierte Doppelsternhaufen im Bild. Wahrscheinlich ist es in Zukunft empfehlenswert eine "schnelle" Testaufnahme zur Lagebeurteilung zu machen.

Gerhard Bachmayer