Beobachtungsabend

Sofienalpe, 25. 12. 2003

20031225api17.html

Beobachter:Alexander Pikhard
Datum:25. 12. 2003
Zeit:17.00 bis 19.00 MEZ
Ort:Sofienalpe
Instrument:12" Meade LX-200
Bedingungen:

Durchsicht:sehr gut (1)
Aufhellung:gut (2)
Seeing:schlecht (4)
Freis. vis. Grenzgroesse:5.0
Temperatur:-3 °C
Luftfeuchtigkeit:extrem trocken
Wind:kein
Bemerkungen:Aufzug dichterer Schichtwolken aus NW, höhere, dünne Wolken aus SE

Bericht:

Die strahlend klare Christnacht hatte schon Lust aufs Beobachten gemacht; dann noch der wunderbar klare Christtag. Auch wenn ein paar Wolken dann und wann über den Himmel ziehen und es, was vielleicht mehr stört, klirrend kalt ist, ist eine Weihnachtsbeobachtung heute unerlässlich. In Wien hat es "nur" -3°C; von Günther Eder erfahre ich, dass in der Nähe von Mariazell die Temperatur in der Christnacht auf -33°C (!) gefallen ist - brrr, das wäre zum Beobachten zu kalt. Da gibt's schon Berichte aus Alaska und Kanada, in denen Beobachter über rinnende Augen und das Versagen der Instrumente klagen. Aber zurück nach Wien.

Schon aus dem Wohnzimmer verzückt mich der Blick auf die hauchdünne Mondsichel zwischen Wolken, ein sponantes Foto soll diesen netten Anblick wiedergeben.


Die dünne Mondsichel kämpft sich durch hohe Schichtwolken

Also hinauf auf die Sofienalpe. Ein weiter entferntes Ziel ziehe ich nicht in Erwägung, primär auf Grund der Bolam-Prognosen. Auf der Fahrt auf die Sofienalpe zeigt sich, als es dunkel genug geworden ist, die Venus oberhalb der Mondsichel - eine traumhafte Konstellation, kaum in Worten zu beschreiben und auch fast nicht als Bild wiederzugeben.


Venus und Mond in der Dämmerung

Die dünne Mondsichel auf dunklem Himmel - eine Spezialität der ersten Neulichtnächte im Jahr - bringt das aschgraue Mondlicht besonders gut zur Geltung. Als das Fernrohr einmal montiert ist, rasch ein paar Schnappschüsse mit der Digicam zum Mond, bevor er untergeht.


Zwei Sekunden - das Aschgraue Mondlicht unglaublich reich strukturiert


1/30s - jetzt ist nur die beleuchtete Seite zu erkennen

Besonders interessant ist der Monduntergang - den muss ich unbedingt noch im Bild festhalten!


Monduntergang hinter dem Landschaftshorizont - rechts der Kopf des Steinbocks

Das Seeing ist sehr schlecht, bedingt durch die Umstellung in der Atmosphäre. Eine schwache Warmfront kündigt sich an, das bringt die Luft in Unruhe. Auf dem Mond sind kaum Details zu erkennen, noch weniger auf der Venus, aber gut, da gibt's auch keine. Der schon 8" kleine Mars zeigt mit Mühe noch einen dunklen Fleck, und Saturn, noch tief im Osten, gibt die Cassini-Teilung auch nur sehr ungern her.

Von Nordwesten ziehen Wolken auf, aber der Südosten bleibt noch eine Weile sehr klar. Ein Deep Sky Spaziergang geht sich aus. Zunächst einmal zu den schönen offenen Sternhaufen M35, M36, M37 und M38, jeweils mit dem 40mm Pentax. Dann M1, mit UHC-Filter tadellos zu erkennen. Richtung Süden ist es auch noch klar, M77 ist kein Problem, doch NGC 253, tief über Wien, ist schon eine Herausforderung. Zum Abschluss dann noch M42, sehr tief, unruhig, aber mit UHC-Filter dennoch eine Wucht.

Nach zwei Stunden schwinden die klaren Stellen am Himmel und angesichts der Temperatur auch die Lust am Beobachten, und so wird abgebaut. Aber die Venus-Mond-Konjunktion war es wert. Eine stimmungsvolle Weihnachtsbeobachtung!