Mars - Gesamtkarte 2003

Wien 20, 16. 01. 2004

20040116twe00.html

Beobachter:Thomas Weiland
Datum:16. 01. 2004
Ort:Wien 20
Instrument:Maksutov-Newton 127/762 mm, 4-mm-Okular (190,5x), Orangefilter W23A, Farbwiedergabe ohne Filter
Bedingungen:

Bericht:

Zwischen Juni und November 2003 gelang es mir, insgesamt 52mal Mars zu beobachten und je eine Zeichnung mittels Blau- und Orangefilter (W80A, W23A) anzufertigen. Auf Grund der bemerkenswerten Erdnähe unseres Nachbarplaneten sowie der überaus günstigen Witterung im Sommer 2003 ließen sich selbst in kleinen Geräten zahlreiche Einzelheiten, wie Dunkelgebiete, die südliche Polkappe sowie atmosphärische Erscheinungen erkennen. Größere Staubstürme blieben glücklicherweise aus.

Wie schon 2001 verwendete ich selbst hergestellte Schablonen mit einem variablen Durchmesser von 2 mm pro Bogensekunde. In diese zeichnete ich die jeweilige Achsenneigung und Phase (soweit vorhanden) ein, die Orientierung entsprach jener im umkehrenden Fernrohr. Für die eigentliche Zeichnung benutzte ich einen Bleistift der Härte 2. Um die für Mars so typischen fließenden Übergänge zu erzielen, kam ein weicher Radiergummi zum Einsatz. Zusätzliche Wischeffekte ergaben sich durch die Verwendung von Farbstiften, wie Rotbraun, Rot und Orange.

Da ich zahlreiche Zeichnungen von unterschiedlichen Zentralmeridianen angefertigt hatte (siehe die jeweiligen Beobachtungsberichte), erschien es mir reizvoll, eine Gesamtkarte der Oppositionsperiode 2003 zu erstellen. Dazu benutzte ich transparente Deckgradnetze, die ich über die jeweiligen Zeichnungen legte, um so die Positionen einzelner Oberflächenmerkmale zu bestimmen. Diese trug ich dann in eine Karte in Form der Mercatorprojektion ein und vervollständigte sie hinsichtlich sicher gesehener Details. Die Originalkarte gibt den Eindruck im natürlichen Licht wieder. Ihr Kontrast wurde jedoch zwecks Verdeutlichung übertrieben dargestellt und entspricht jenem mit einem Orangefilter.

Bei Betrachtung fallen zwei markante Details ins Auge + Syrtis Maior, die Große Syrte und Solis Lacus, das +Auge des Mars+. Beide befinden sich etwa 160° areographischer Länge (diese wird vom Nullmeridian aus nach Westen gezählt) voneinander entfernt. Südlich der Großen Syrte, welche Indien auf dem irdischen Globus gleicht, liegt das Einschlagsbecken Hellas. Östlich der Großen Syrte schließen sich ihre +kleine Schwester+ (Syrtis Minor), das Mare Tyrrhenum und Mare Cimmerium an. Südlich der beiden erkennt man weitere helle Regionen, wie Ausonia und Eridania sowie in hohen südlichen Breiten Thyle II. Der Bereich zwischen Syrtis Maior und Solis Lacus wird vom Mare Serpentis, dem Mare Erythraeum sowie Sinus Sabaeus eingenommen. Letzterer ähnelt gemeinsam mit Sinus Meridiani dem Kopf einer Schlange. Nahe dem westlichen Kartenrand befindet sich das Mare Sirenum. Als Kontrast zu den dunklen Oberflächenmerkmalen im Süden lassen ausgedehnte Wüstengebiete die Nordhalbkugel nahezu strukturlos erscheinen. Bemerkenswert ist die Sichtbarkeit des +Kanals+ Agathodaemon (70° W / 10° S), der einen Teil des gewaltigen Valles Marineris Canyonkomplexes bildet und gemeinsam mit Hellas und dem dreieckig geformten Einschlagsbecken Argyre (südlich des Mare Erythraeum) zu den wenigen beobachtbaren Oberflächenmerkmalen, die sich mit tatsächlich existierenden Strukturen decken, zählt.

Abschließend sei Herrn Dr. Göbel sowie Bernhard Dewath, die mir das Beobachten auf der Ostkuppel der Universitäts-Sternwarte Wien ermöglichten, sowie Dipl.-Ing. Alexander Pikhard für seine tatkräftige Unterstützung (Scannen der Zeichnungen ...) herzlich gedankt!