Beobachtungsabend

Sofienalpe, 23. 01. 2004

20040123api18.html

Beobachter:Alexander Pikhard
Datum:23. 01. 2004
Zeit:18.00 bis 22.00 MEZ
Ort:Sofienalpe
Instrument:12" Meade LX-200
Bedingungen:

Durchsicht:sehr gut (1)
Aufhellung:gut (2)
Seeing:sehr gut (1)
Freis. vis. Grenzgroesse:4.5
Temperatur:-12 °C
Luftfeuchtigkeit:trocken
Wind:leicht aus W

Bericht:

Ein eisig kalter, aber strahlend klarer Wintertag lässt gar keinen Zweifel aufkommen: Heute wird beobachtet, und zwar so richtig. Schon am Vormittag ein Aufruf an unsere Mitglieder zum gemeinsamen Beobachten am Abend, dem dann trotz der Kälte viele folgen.

Ich bin etwas zu früh dran, und dadurch darf ich die traumhafte Erscheinung des Neulichts auf der Sofienalpe erleben und im Bild festhalten. Auf einem stahlblauen Himmel, der die Kälte - es hat um 17.30 Uhr schon -8°C auf der Sofienalpe - gut nachempfinden lässt. Extrem gut adjustiert macht mir die Kälte nichts aus. Mond und Venus sind die ersten Objekte, die Venus ist im Fernrohr allerdings nicht attraktiv.


Wieviel Kilometer noch bis zum Nordpol?

Das Neulicht mit einem beeindruckend hellen aschgauem Mondlicht fotografiere ich mit der Digitalkamera durch das beim Mond schon bewährte 50mm Plössl-Okular.


Traumhaftes Neulicht

Das Instrument ist nach kurzer Zeit auf Betriebstemperatur, der Tubus ausgekühlt. Ein Blick zum Saturn bestätigt: Noch besseres Seeing als gestern. Es wird heute, der Kälte zum Trotz, ein Webcam-Abend. Bei dieser Temperatur hat mein Laptop schon ziemliche Startschwierigkeiten, nur in der noch einigermassen gemäßigten Umgebung im Auto lässt er sich dann doch zum Booten überreden. Dann arbeitet er allerdings einwandfrei.

Nach Venus, die ich extrem kurz belichte (eine Videosequenz von rund 1000 Bildern zu je 1/500 Sekunde) wende ich mich auch noch dem Mars und dem Saturn zu, jeweils mit 3m Brennweite. Mars wird 1/50s, Saturn 1/25s mit Verstärkung belichtet, eindrucksvoll zu sehen, wie extrem unterschiedlich die Flächenhelligkeiten der Planeten sind. Und so gelingt mir auch ein sehr netter Vergleich der scheinbaren Größen der Planeten. Mars, der Star des letzten Sommers, ist nur mehr 7" klein!


Drei Planeten im direkten Vergleich: Saturn, Mars, Venus

Das gute Seeing veranlasst mich zum Einsatz der 2x-Barlowlinse, also zu einer Brennweite von 6m. Mars muss trotz der nur 7" sein, schon allein, um zu testen, ob noch irgendwelche Details zu holen sind. Und sie sind. In der Ausarbeitung kommen trotz der winzigen Größe des Planeten einige Details heraus.


Mars. Immerhin ...

Jetzt zu Saturn. Es werden viele Sequenzen mit jeweils über 2000 Aufnahmen, und vor allem die letzten, wo der Tubus schon gut ausgekühlt ist und das Seeing unter einer halben Bogensekunde liegt, führen zu wirklich guten Ergebnissen. Was soll in dieser eiskalten Luft auch Seeing machen?


Saturn. Encke-Minimum im A-Ring und der C-Ring sind deutlich.

Es folgt der Test eines Teleobjektivs mit der StarlightXpress MX916 CCD-Kamera, der aber wegen der inferioren optischen Qualität des Objektivs kein Ergebnis bringt. Für CCD habe ich dann auch schon etwas zu wenig Batteriespannung, aber es war eine wertvolle Übung, die Kamera bei diesen Bedingungen auf- und abzubauen und zu testen.

Eine visuelle Tour bildet den Abschluss, und der Orionnebel ist einfach so schön, dass man ihn minutenlang still betrachten kann. Wirklich beeindruckend. Ein kleiner Teleskopwald ist entstanden, doch gegen 22 Uhr lichtet er sich wieder. Es hat jetzt -12°C, und obwohl die Technik noch mitspielen würde - Hut ab, dass die modernen Instrumente mit so viel Elektronik und auch die diversen Computer auch noch nach Stunden einwandfrei funktionieren -, wir Beobachter tun es nicht und sehnen uns nach Wärme. Es wurde jedenfalls ein sehr guter Beobachtungsabend.