| Beobachter: | Alexander Pikhard | ||||||||||||||||
| Datum: | 24. 01. 2004 | ||||||||||||||||
| Ort: | Sofienalpe | ||||||||||||||||
| Instrument: | Diverse Instrumente vom 2" Refraktor bis 12" SC | ||||||||||||||||
| Bedingungen: |
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| Bericht: | Heute steht unser bewährtes Seminar "Besser beobachten - der erste Kontakt" auf dem Programm, und wir freuen uns, über 25 Einsteigerinnen und Einsteigern am Teleskop die ersten Schritte in der Welt der Astronomie erleichtern zu können. Bei strahlendem, aber kaltem Winterwetter beginnt unser Seminar im Hotel Sofienalpe.
Schon beim langen Theorieteil zeigt sich das rege Interesse der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die alle samt Ausrüstung und auch gut für Kälte adjustiert hierher gekommen sind.
Schon in der zweiten Pause lockt uns der Dämmerungshimmel ins Freie, mit der dünnen Sichel des zunehmenden Mondes nahe bei der strahlend hellen Venus, wieder auf einem tiefblauen Himmel. Ein wunderschöner Anblick, den viele im Bild festhalten. Mit passendem Vordergrund entsteht ein Kalender- oder Postkartenmotiv.
Nach dem letzten Teil des Seminars zum Thema Fotografie gibt es das gemeinsame Abendessen und dann heisst es, sich für die Kälte zu adjustieren, denn es geht zur Praxis ins Freie. Auf der Lagerwiese liegt nur eine dünne Scheeschicht, sodass die Stative gut aufgestellt werden können. Anneliese und Ludwig haben den Zugang etwas planiert. Bald entsteht ein kleines, tiefwinterliches Teleskoptreffen. Vermummte Gestalten bewegen sich schwerfällig um ihre Instrumente, wie Astronauten in schweren Raumanzügen auf einem fremden Eisplaneten.
Erstes Ziel ist für alle der Mond in einer wunderschönen, dünnen Sichelphase mit deutlichem aschgrauen Licht. Ich demonstriere an meinem LX-200, wie einfach es ist, mit einer Digitalkamera Mondfotos zu machen, selbst mit dicken Handschuhen. Wichtig ist die Abstimmung der Kamera auf das Okular. Da hilft nur Probieren. Selbst die eine Sekunde lang belichtete Aufnahme des aschgrauen Lichts bereitet keine Probleme. Kein Wunder, bei der Kälte (es hat schon jetzt -11°C) wird man automatisch zum Stativ.
Dann Venus, doch der Blick durchs Fernrohr bringt wenig, und ohne Graufilter ist sie so hell, dass etliche Artefakte in Optik und Augen entstehen. Mit einem starken Graufilter sieht man die Phase deutlich, aber klarerweise keine weiteren Details. Mars ist wenig spektakulär. Immerhin erkennt man auf dem nur mehr 7" kleinen Planeten noch einige Details, aber im Vergleich zum Sommer ist das natürlich eher enttäuschend. Wenn man bedenkt, dass der Planet in einer Aphelopposition (z.B. 2012) nur 10" erreicht, dann ist mit Mars nach der nächsten Opposition 2005, die mit 20" noch recht gut wird, eigentlich für viele Jahre Schluss. Schade. Müssen wir uns halt mit dem Betrachten von Weltraumbildern begnügen. Saturn ist einmal mehr der Star. Unglaublich ruhig, auch wenn das Seeing um eine Spur schlechter ist als am Vortag, aber immer noch unter einer Bogensekunde. Da macht auch eine starke Vergrößerung einen Sinn. Schon in den kleineren Instrumenten erkennt man die Cassini-Teilung ohne Probleme, in den größeren Teleskopen zeigen sich Strukturen auf dem Planeten, der C-Ring, feine Schattierungen im A- und B-Ring sowie etliche Monde, die in der sternreichen Umgebung aber nur schwer zu identifizieren sind. Nach einer etwas mühsamen Startprozedur des Laptop demonstriere ich Webcam-Aufnahmen an Mars und Saturn. Mars zeigt heute recht viele Details (hätte er nicht im August so hoch stehen können? Hätte er natürlich nicht ...), und Saturn ist einmal mehr eine Wucht. Wunderbar plastisch kommt er zur Geltung, mit sehr vielen Wolkenstreifen, viel mehr als in anderen Jahren.
Nach der hochtechnischen Planetenaufnahme folgt in der schon sehr klein gewordenen Runde noch eine visuelle Tour durch den klaren, kalten Winterhimmel, der sich von Westen her schon langsam zu verschleiern beginnt. Der Orionnebel ist wiederum ein Objekt, das lange bestaunt wird. Heute ist die Transparenz so gut, dass auf den UHC-Filter getrost verzichtet werden kann. Un bei stärkerer Vergrößerung (14mm Pentax am 12" LX-200) kann man im Kernbereich versinken, alle sechs Trapezsterne sind ohne Probleme zu erkennen. Wunderschön! Wir demonstrieren noch ein paar typische Deep Sky-Objekte: Den planetarischen Nebel NGC 2392 (Eskimonebel), den wunderschönen offenen Sternhaufen M37 und die beiden schon sehr hoch stehenden Galaxien M81 und M82. Bei letzerer erkennt man unschwer einige dunkle Filamente. Jupiter geht wie am Vortag im Osten auf, doch der tief stehende Planet ist noch keinen Blick durchs Fernrohr wert. Warten wir zwei bis drei Monate, dann steht Jupiter höher und es ist hoffentlich auch schon wärmer geworden. Die klirrende Kälte lässt uns so gegen 21.30 Uhr die Station abbauen. Es war ein schönes winterliches Teleskoptreffen mit vielen First Lights; hoffentlich haben wir der Astronomie einen guten Dienst erwiesen, alle für dieses schöne Hobby begeistert - und neue Freunde gewonnen! |