Etwas ausgehungert nach dem wettermäßig sehr verpatzten Winterferienspiel studieren wir schon die ganze Woche den Wetterbericht und sind voll Zuversicht, dass sich Bolam wieder einmal irren würde - bzw. die Dichte der Wolken nicht genau genug vorherbestimmen kann. Ein strahlend sonniger Samstag läßt unsere Herzen höher schlagen, es besteht heute kein Zweifel: Wir werden wieder einen Sternabend haben! Und ausgehungert sind offenbar nicht nur wir vom harten Kern der WAA ...

Aufbau im Licht der untergehenden Wintersonne
Wir wählen heute einen windgeschützen Platz auf der Kahlenbergterrasse, denn ein unangehem kalter Ostwind macht den Aufenthalt auf den vorderen Teilen der Terrasse unmöglich. Und schon während wir im Licht der untergehenden Wintersonne - die keinen Zweifel aufkommen lässt, dass die Zukunft ihr gehört und nicht mehr der Kälte und der Dunkelheit des Winters - unsere mobile Sternwarte aufbauen, kommen die ersten interessierten Besucherinnen und Besucher. Wie gesagt, es gab schon lange keine Gelegenheit zum Sterngucken, sieht man einmal vom vorigen Wochenende ab, das mit Temperaturen weit unter -10°C nur die Härtesten ins Freie gelockt hat. Heute ist es mit ca. 0°C ja geradezu "warm".
Unser Fernrohrwald wächst, es sind viele Instrumente da, von den vor allem bei Kindern beliebten Dobsons bis zu unseren 10" und 12" Schmidt-Cassegrains. Aber auch Feldstecher und kleinere Refaktoren verstärken die Flotte, und auch einige Laptops finden Verwendung, etwa zum Betrachten von phasengenauen Mondkarten und zur virtuellen Reise über die Mondoberfläche.
![]() Bei Kindern beliebt: Dobsons. Niedriger Einblick und wirklich kinderleicht in der Handhabung |
![]() Wie ein Fels in der Brandung stehen die großen SCTs und bieten mit modernen Okularen einen sehr bequemen Einblick |
![]() Schön, wenn man so viele Fernrohre vergleichen kann. |

Die zum Mond gerichteten Teleskope als Dämmerungshorizont
Bald wird uns klar: Die jetzt knapp unter dem Gefrierpunkt liegende Temperatur hält die Wienerinnen und Wiener nicht ab, zu unserem Sternabend zu kommen. Bald scharen sich recht beachtliche Besuchergruppen um unsere Teleskope. Zum Glück haben wir einige davon, so dass es zu keinen langen Wartezeiten kommt, denn die wären schon unangenehm bei diesen Temperaturen.
Der Himmel hat heute viel zu bieten: Venus, Mars, Mond und Saturn markieren wunderschön die Ebene unseres Sonnensystems und lassen schon mit freiem Auge die Ausdehung unserer größeren kosmischen Heimat erahnen. Die Venus ist am schönsten mit freiem Auge, wenngleich sich viele überrascht von ihrer Phase zeigen. Doch wir sind überrascht, wie groß noch immer die Begeisterung für den Mars ist! Gut, er ist durch die drei aktuellen Marsmissionen in allen Medien vertreten. Aber die meisten wollten ihn einfach wiedersehen, waren im vergangenen Sommer auch hier bei uns, als Mars viel, viel größer im Fernrohr erschienen ist. Interessant: Viele glaubten, die Erdnähe im vorigen Sommer war etwas außergewöhnliches, ja Mars hätte sogar seine Bahn verlassen! Nein, nein, am Himmel sind Sensationen eigentlich ganz normale Ereignisse.
![]() Der Mond im Fernrohr. An den verschiedenen Instrumenten gibt es auch ganz verschiedene Vergrößerungen. |
![]() Die digitale Mondkarte hilft beim Orientieren, denn anfangs sieht ein Krater wie der andere aus. Oder doch nicht? |
Zunächst ist der Mond der "Star" unter den Himmelsobjekten. Er ist leicht zu beobachten, durch das helle Licht findet jeder den Einblick ins Fernrohr, und dann, wenn der Blick über die Oberfläche unseres Trabanten schweift, bleibt so mancher Begeisterungsruf nicht aus. Wieder leisten wir Aufklärungsarbeit: Nein, der Mond ist nicht bei Vollmond am schönsten, zumindest nicht im Fernrohr.
Mit Computermondkarte wird das Orientieren leichter, und als dann auch noch die Webcam an eines der großen Instrumente kommt und alle die schönsten Landschaften wie aus dem Fenster eines Raumschiffes sehen können, kommt Weltraumstimmung auf. Danach ist es aber wichtig, durch das Fernrohr zu schauen, denn den Mond mit eigenen Augen zu sehen, das ist wirklich ein Erlebnis.
![]() Der erste Blick durch ein großes Fernrohr? Spannend! |
![]() Bei all den Fernrohren darf die Orientierung am Himmel nicht ausbleiben. Auch die anwesende Exekutive zeigt sich sehr interessiert. |
![]() Und auch die Hintergrundinformation darf nicht zu kurz kommen. Ein riesiger Schneehaufen verleiht unserem Zelt Stabilität. |
Dann geht es zum Saturn. Und dieser Anblick, der zu den schönsten am ganzen Himmel zählt, der schlägt jenen des Mondes bei weitem. Begeisterung kommt auf bei jenen, die zum ersten Mal den Ringplaneten im Fernrohr sehen. Man braucht keine Weltraumsonde, um solche Anblicke genießen zu können. Nur ein Fernrohr. Und gute Bedingungen. Die haben wir heute.
Offen gestanden, wir hätten die Wienerinnen und Wiener unterschätzt, nicht damit gerechnet, dass trotz einer Temperatur von -3°C eine Schar von 138 Besucherinnen und Besuchern zu unserem Sternabend kommt. Doch das schlechte Wetter während der Weihnachtsferien hat offenbar nicht nur ins uns die Sehnsucht nach dem Sterngucken groß werden lassen. Sondern bei allen. Und vielleicht haben wir ja in Wirklichkeit unterschätzt, welche Begeisterung für Astronomie wir selbst schon bewirkt haben. Eine Hundertschaft bei Winterkälte willkommen zu heißen, darauf können wir schon ein wenig stolz sein.
Herzlichen Dank an die zahlreichen aktiv mitwirkenden WAA-ler, die letztlich über fünf Stunden der Kälte getrotzt und den Sternabend wieder zum Erlebnis gemacht haben!
Und nun zum Blick durchs Fernrohr:
| Beobachter: | Alexander Pikhard | ||||||||||||||
| Datum: | 31. 01. 2004 | ||||||||||||||
| Zeit: | 17.00 bis 20.30 MEZ | ||||||||||||||
| Ort: | Kahlenberg (Sternabend) | ||||||||||||||
| Instrument: | 12" Meade LX200, Philips ToUCam Pro | ||||||||||||||
| Bedingungen: |
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| Bericht: | Im Rahmen des Sternabends bleibt nebem dem Herzeigen der Objekte im Fernrohr auch viel Zeit für eigene Eindrücke und auch für Fotos, zumal sich Mond und Planeten mit der Webcam sehr bequem einem größeren Besucherkreis demonstrieren lassen; wichtige Details können so allgemein erläutert werden, bevor dann individuell am Fernrohr beobachtet wird. Venus und Mars sind aber heute keine Webcam Objekte. Die Venus, weil sie außer einer deutlichen Phase keine Details zeigt, der Mars, weil das Seeing doch nicht so optimal ist. Immerhin erkennt man bei 214-facher Vergrößerung noch einen dunklen Fleck auf seiner Oberfläche und die deutliche Phase. Der Mond ist aber ein extrem dankbares Objekt, und trotz des Herannahens einer merkwürdigen Front wird das Seeing im Lauf des Abends besser. Die interessante Phase mit Copernicus knapp am Terminator wird zunächst einmal in der totalen mit der Digicam am 50mm Plössl festgehalten.
Dann geht es mit der Webcam an Details. Auf dem Bildschirm lassen sie bei unseren Gästen Astronautenstimmung aufkommen, und so nebenbei entstehen Videos mit 1000 bis 1200 Frames, die ich später zu Hause mit Registax bequem stacken kann. Zum Glück bleiben die Bilder "stehen", verzerren sich nicht, daher kann ich über einen relativ großen Bereich scharf abbilden. Leider macht sich die nur halbherzig erfolgte Aufstellung meines Instruments - fürs visuelle Beobachten reichte sie aus - bemerkbar, und zwar in einem Shiften des Bildes während der Belichtung, so dass ich die Randzonen verlor. Klingt aber schlimmer als es ist. Hier nun die Highlights:
Nach dem Mond geht's zum Saturn, und auch der zeigt sich wieder einmal von seiner besten Seite. Hoch am Himmel und kaum vom Seeing in Mitleidenschaft gezogen, kann wieder einmal die 2x-Barlowlinse zum Einsatz kommen. Am Bildschirm sieht Saturn jetzt aus 5m Entfernung betrachtet so aus wie im Fernrohr, und Registax holt, trotz der notwendigen Nachverstärkung, noch einiges heraus.
Nicht nur ein toller Sternabend, sondern auch eine tolle Beobachtung. 100 Prozent Astronomie! |
Text und Fotos: Alexander Pikhard.