| Beobachter: | Alexander Pikhard | ||||||||||||||
| Datum: | 01. 04. 2005 | ||||||||||||||
| Zeit: | 20.00 bis 03.15 MESZ | ||||||||||||||
| Ort: | Raiffeisen Volkssternwarte Mariazell | ||||||||||||||
| Instrument: | 16" Meade LX200 auf f/4, StarlightXpress MX916 mit Astronomik RGB-Filtersatz | ||||||||||||||
| Bedingungen: |
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| Bericht: | Hinter mir liegt eine sehr anstrengende Woche und jeder "normale" Erdenbürger würde jetzt diesen Freitagnachmittag zur Erholung nützen. Aber man ist ja Amateurastronom und es ist ein wunderschöner Abend. Da morgen Jahreshauptversammlung beim Astroteam Mariazellerland ist, reise ich bereits heute an und so liegt eine klare Sternennacht auf der Mariazeller Sternwarte vor mir. Wer den Himmel und die Sternwarte kennt, weiss, was das bedeutet: Wenig Schlaf ... Es ist im Tal etwas dunstig und so empfängt mich ein Frühlingsabend in malerischen Pastellfarben auf der Stehralm.
Doch bald weicht die Idylle einer recht unangenehmen Realität, nämlich der der Lichtverschmutzung. Die neu renovierte Basilika wird - natürlich die ganze Nacht - extrem hell angestrahlt und so ist die Westhälfte des Himmels, zumindest heute, bei leichtem Dunst, zu vergessen. Zum Glück gibt es noch eine Osthälfte. Der Scheinwerferkegel reicht wirklich bis in den Zenit!
Na ja, in der Kuppel geht es und ich beobachte die meiste Zeit nach Osten oder Süden. Das Seeing ist nicht so berauschend, so dass Planeten heute kein Thema sind. Aber immerhin ist es für Deep Sky Fotografie nicht so schlecht.
Ich stürze mich in die Deep Sky Nacht. Ich belichte mit der MX916 Serien zu je 10 Aufnahmen zu je einer Minute Belichtungszeit pro Farbe. Mehr als eine Minute geht anfänglich nicht, ein Softwareproblem offenbar, das sich im Lauf der Nacht irgendwie von alleine behebt. Hello Houston ... Mit Auslesezeit vergeht pro Objekt fast eine Stunde. Zeit genug, um den Himmel zu geniessen und über vieles nachzudenken. Astrofotografie ist enorm medidativ, wenn alles klappt. Und so nebenbei kann man jetzt auch aus der Kuppel über Breitbandnetz im Internet surfen, wenn's nichts mehr zum Meditieren gibt. Meine ersten Objekte sind die beiden Löwegalaxien M65 und M66. Nicht sehr originell, aber ich habe sie noch nie in Farbe fotografiert. Mit dem auf rund f/4 verkürzten 16" LX-200 passen sie gerade auf den Chip und die Lichtstärke ist auch schon recht fein.
Ganz passabel. Was jetzt aufnehmen? Oh je, orthodoxe Astrofotografen würden jetzt von mangelnder Vorbereitung sprechen, doch ich bin kein solcher und entscheide spontan. Zum Glück gibt's in der Kuppel einen Deep Sky Atlas, sozusagen das Vorlagenbuch zum Nachfotografieren. Ich entscheide mich für die beiden Spiralgalaxien M100 und M61 (in dieser Reihenfolge).
Auch sehr schön, nur leider wird das Seeing schlechter. Und bei M100, sie steht jetzt im Südsüdwesten, kommt der Himmelshintergrund schon durch. Noch etwas macht die Sache spannend: Der "Todesstreifen" - die Umlegezone der parallaktischen Paramount-Montierung im Meridian. Bei der Aufnahme von M100 war es ein Zittern, ein feilschen um Sekunden. Es ging sich aus ... Ich gehe zu schwierigeren Objekten über und wähle zwei Galaxienpaare. Zum einen die "Antennnengalaxien" NGC 4039/39. Sie stehen sehr tief und sind daher weniger eindrucksvoll; OK, so etwas fotografiert man in Namibia. Dann das originelle Paar NGC 4298 und NGC 4302. Eine Kantengalaxie mit deutlicher Staubbahn und eine kleine, kompakte Spiralgalaxie. Leider wird das Seeing immer schlechter und auch die Durchsicht nicht besser.
Ich kann meine Müdigkeit nicht mehr leugnen und mache zum Abschluss ein "schnelles" Objekt, den Kugelsternhaufen M3 mit je 60 Sekunden pro Farbe. Solche Objekte sollte es mehr geben.
Da wären noch M5, M13, und, und, und ... aber es ist 3 Uhr früh und ich sehne mich nach Schlaf. Der Wetterbericht ist gut und morgen ist auch noch ein Tag, besser gesagt, eine Nacht. So lege ich die Sternwarte und etwas später mich selbst schlafen. |